Buchtipp

Keri Smith – Wie man sich die Welt erlebt

Ein tolles Buch, um herauszufinden, wie man selbst die Welt sieht. Auch etwas aus der Achtsamkeitsreihe, das ich grandios zum Schulen der eigenen Wahrnehmung finde. Indem man Kunst macht, wenn man versucht, die Welt wissenschaftlich zu beobachten, reflektiert man die eigene Wahrnehmung und die eigene Weltsicht.

Um die Kreativität in den Alltag einziehen zu lassen, ist das das richtige Buch. Man kann kleben, malen, zeichnen und gleichzeitig analysieren und beobachten.

Tolle Sache – nicht nur zur Selbstfindung, sondern auch zur Beobachtung der eigenen Beobachtung. Würde mancheine_r_m auf den Trips ganz gut tun…

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Hurra Hurra – zündle doch nicht

Ich, Kind mit langen Haaren, ausgedappten Sneekers und viel politischem Irrsinn, bin erwachsen und viel zu rebelliös. Irgendwie.

Gestern hatte ich die Sinus- Studie auf dem Schreibtisch und ich dachte mir nur: Hubschraubereltern 1: Laminatrisches Weltbild -9… Denn in der Sinus brachten es Kolleg_en_innen auf den Punkt: Die Jungend rebelliert nicht – sie deprimiert.

Ich bekam in Folge dessen einen kleinen Backflash. Als ich 18 war hatte ich keine Kohle und von diesem nichts ging zu viel für Hoodies, dunklen Nagellack und seltsamen Lidschatten drauf, den ich zur Unterstreichung meiner Rebellion nutzte. Heute habe ich wenig – rein optisch- mit diesem Mädel gemein, außer, dass ich noch rauche. Im Herzen möchte ich angesichts mancher Teenagerexemplare schreien und sie schütteln. Ich weiß, dass ich mich wie eine der alten Frauen an den Fenstern mit Kissen anhöre. Allerdings gebe ich zu bedenken: Es bedarf immer einer progressiv- bekloppten Schicht an Menschen, die die Welt verändern. Lässt man den Spiessern und eingefahrenen Individuen die Bühne, dann entstehen im besten Fall nur Bahnhöfe mit zu niederen Bahnsteigen und Aussichtsplattformen nach Vorbild des Grand Canyons. In dummen Fällen sind es dann semiamüsante Ideologien, die sich selbt schon vor 60 Jahren überholt haben.

Deswegen mein Appell: Rebelliert doch bitte, zieht Euch scheiße an (ja, ok, das macht ihr bereits), sucht Euch Parolen und skandiert sie. Sucht Euch Parolen, die Meschlichkeit, Nächstenliebe und die Bewahrung der Schöpfung wiedergeben. Aber bitte seid nicht, wie die Pegida- Jünger, die Bewahrer eines unchristlichen Abendlandes und Xenophobe.

(Und Mädels, steckt Deutschlands nächsten Topmodellen ein Snickers in den Hals)

 

Klicktipp

Ich habe neulich durch Zufall bento.de entdeckt, eine Seite, die Hintergründe und Nachrichten liefert, ohne sich in seitenweisen Erklärungen zu verbaseln. Toll und bunt aufgemacht, aber trotzdem ernsthaft und vor allem ernstzunehend. Ich finde, man kann gerne mal reinspicken, denn die Artikel lohnen sich tatsächlich.

Musikalisches Fundstück

Bowie and Faithfull machen dieses Lied sogar irgendwie sexy und progressiv…

Wochenrückblick

|Gesehen| Meinen Schatz, glückliche Teile meiner Saubande, mein neues Duftschätzchen, viel neuen Stoff für „Mehrfamilienhaus“
|Gelesen| „Sie sind exmatrikuliert“ – Endlich, Mails von Freunden und Kollegen
|Gehört| „Wir würden Dich ja behalten, wenn Du willst“, „Danke“, „Wooohooow“, Die Pixies

|Getan| Gearbeitet, Diskutiert, Beraten, Getrauert
|Gegessen| Salat, Brezeln, Brezeln und äh Brezeln
|Getrunken| Wasser, Saft, Kaffee, Lecker Minz-Honig-Tee
|Gedacht| Gott, ich bin eine Tussi… I’m not a girl, I’m an ashole,
|Gefreut| Darüber, dass meine Saubande saumäßig flügge wird, Schatz, gute Düfte
|Gelacht| meinen kleinen Spatz, der strahlend auf mich zukam
|Geärgert| Über Autofahrer, meinen Rücken, den Blitzer und das miese Essen
|Gewünscht| Mehr Tage wie diesen
|Gekauft| La vie est belle floral – Lancome
|Geklickt|http://www.wahl-o-mat.de und http://www.bpb.de  – Politische Bildung im Job macht süchtig

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Rhetoriktool des Todes…

Ich sag nur ein Wort: Katasteramtsschimmelbefall…

Diskutiert man mit manchen Menschen, dann ist das wohl die geilste rhetorische Figur, die man sich vorstellen kann. Angenommen jemand postet absoluten Vollgasirrsinn, beispielsweise, dass wir heute mehr Geld hätten, wenn wir noch die ehemaligen deutschen Ostgebiete im Staatsgebiet integriert hätten. Widerspricht man dann, dann folgt meist: „Ich sag nur ein Wort“. Mit einem Wort wird also das Gegenargument des anderen völlig entkräftet und man hat ein wundervolles Argument.

Das soll vermutlich so wirken, als seinen die Gegenargumente des anderen so scheiße, dass man nur ein Wort benötigt, um sie dahinzuwälzen. Zu erst fiel mir dieses rhetorische Schmuckstück auf, als ich in der neunten Klasse war. Der 11. September war gerade einen Tag alt und meine Gemeinschaftskundelehrerin diskutierte mit uns das. Eine Klassenkameradin meinte dann in der Diskussion. „Ich sag nur ein Wort: Muslime“. Dass es sechs Worte sind, von denen fünf einleiten sollen, sei jetzt mal aufgrund offensichtlich von mathematischer Seltsamkeit außen vor gelassen. Man kann hier alles einleiten, um den anderen zu dekonstruieren, allerdings empfinde ich es auch als ein Stück weit nicht nur als völlig bekloppt, sondern auch als ein deutliches Zeichen von Hilflosigkeit. Mittlerweile versuche ich ein Mal im Gespräch, wenn jemand damit anfängt, wilde Neologismen oder lustig klingende Wörter einzuwerfen.

Super wirken in solchen pseudopolitischen Diskussionen Begriffe wie: Keksbäckereigeselle, Floppy-Disk-Rekorder, Pflasterabrollhilfe oder auch Mumps einzuwerfen. Die meisten Menschen halten mich dann für ungebildet, dezent bekloppt oder sie merken, dass ihre Begründung eher uncool kam. Mir aber egal – Seriös bin ich von 8 bis 16 Uhr.

Downey

Kleiner Kanaltipp

https://www.youtube.com/channel/UCMh8IaiFs4iI3K2nWB_j-9g

Lu likes… ich mag sie, sie ist erfrischend ehrlich und haut rein. Ja, ich bin ken Model, weil 10 cm zu klein und 2 Kleidergrößen zu dick. Und ich bins gern. Sehr gern!

Pinterestfundstücke Marvelvorfreude <3

Kanäle, die wir lieben

Ich muss jetzt eine musikalische Empfehlung aussprechen, nämlich Scott Bradlees Postmodern Jukebox. Popsongs, die einem normalerweise nur beim Autofahren entgegendümpeln, sowie echte Klassiker werden hier musikalisch auf- und umgehübscht. Da wird dann Lady Gaga in die 30er Jahre verfrachtet und Colledge Punk wird jazzig. Ich finde die Art und Weise wie kreativ und wie liebevoll hier mit Musik umgegangen wird, ist super. Das Ensemble umfasst junge Künstler_innen aus den USA, die mit großer Detailliebe und musikalischem Sachverstand umgehen. Leider sind sie in Deutschland noch nicht sonderlich bekannt.

*Klick* und *Klick*

Allerdings hat es einige Schmuckstücke und Perlchen dabei, die ich sehr gerne mag und die oft auf meinem Spotify- Player laufen. Mit am besten gefällt mir die Version Casey Abrahams von Stacey’s Mom…

Coke Light sagt mir, wie sexy ich bin

Momentan bin ich eher unsexy. Ich laufe rum, wie die Mischung aus Bauarbeiter und Hippiebraut. Grade ziehe ich mich eine Folge Shoppingqueen rein. Und dann kam, wie immer: Werbung. Diesmal von Coke und mit einem mehr oder weniger ansprechenden jungen Mann, der mir erzählen will, dass alles supi ist und, dass es total sexy ist, wenn Frauen neugierig sind. Schön. Dann soll man noch Bilder verschicken und irgendjemand sagt mir dann, ob ich sexy bin.

Das erinnert mich etwas an Ai mäig juh sägsi dot kom. Was Detlef D. nicht schaffen würde, kann mir auch kein Colahipster erzählen. Mich nervt diese „wir-machen-Frauen-ein-produktbezogenes-Selbstbewusstsein“- Masche – vor allem für Frauen.

Frauen sind sowieso super, um produktbezogen sexy zu sein. Jede dämliche Bloggerin erzählt einem, „Nimm das, dann bist du so super scharf“. Dazu dann noch dieses ganze Geschmotze und das ganze typgerechte Zusammenwursteln von Farben und Formen. Oh ja, als (hab ich von Guido Maria Gretschmer gelernt) Unten- Mädchen darf man auf keinen Fall irgendetwas tragen. Mich nervt es langsam. Warum muss man immer perfekt sein?

Wenn ich an meine Mädels denke, die ich ab und an mit bestimmten Unterrichtsdingen (yay no more teacher) genervt habe, die sahen alle gleich aus. Ich meine, ich hätte auch noch nach zig Dienstjahren einfach immer eine Namensschilderpflicht befürwortet. So, bei mir: Namen aufm Tisch – weil die alle alle alle gleich aussehen – gleiche Frisur, manchmal eine andere Haarfarbe und alle den identischen Stil tragend, nämlich das, was H&M sagt. Dazu eine perfekte 34 mit etwas Bling. Supi.

Ja, ich trage H&M, auch dann, wenn ich scheiße aussehe. Das Schöne daran ist, ich stehe dazu. Trotzdem denke ich mir oft, dass ich nicht sexy und was weiß ich bin.

Gerade Unternehmen, die sich auf diese Green- Lifestyle- Kacke spezialisiert haben, wollen alle, dass wir uns – mit ihren Produkten super sexy fühlen. Dass dahinter eine monströse Marketingmaschinerie steht, die eben auch Geld einbringen soll, wird dabei vergessen. Ich trainiere, ich style mich, aber ich fühle mich in der Gegenwart dieser gestylten Mädels oft unproportioniert und eben scheiße aussehend. Ich habe keine perfekten Haare, ich habe leichte Pickel und ich besitze Hüften. Trotzdem fühle ich mich diesen Mädels nicht unterlegen. Manche Menschen sagen mir, ich habe Ausstrahlung – das kann ich nicht beurteilen und ich finde, mir steht das nicht zu. Einen superduper Hipsterboy an meiner Seite zu haben, möchte ich nicht. Ich liebe den Kerl und ich mag auch meinen Stil und mich. Trotzdem geht es mir bei solchen Frauen oft so, dass ich mich in diesen Momenten immer wie die andere bei BFFs finde. Ja, ich bin klein und habe Kurven – vielleicht zu viele. Gleichzeitig sehe ich nicht so aus, wie mich Industrie und Gesellschaft gerne hätten.

Ich gehe auf die 30 zu und bin irgendwie in diesem Punkt reifer geworden – immerhin darf ich jene Frauen nun offen kritisieren, wenn ich finde, dass sie eine Essstörung verherrlichen. Trotzdem frage ich mich, warum man nun Frauen so extrem über das Äußere definiert. Eine Hannah Arendt oder eine Judith Butler würden mir vermutlich genau jetzt die Ohren lang ziehen. Selbst eine Simone de Beauvoir würde mich nun schimpfen – auch meine Mutter. Aber ich frage mich, warum meine Generation nicht so sein kann, wie diese. Mich faszinieren diese geistreichen, intelligenten Frauen, die sich weniger von Meinungen von Männern abhängig gemacht haben, als von ihrer Disziplin. Schönsein ist nicht alles im Leben, aber man hat es leichter, genauso mit dem dementsprechenden Habitus. Eine Professorin, die bei mir im Nachbarort wohnt, sagte es mir mal so schön: Bildung und eine kritische Reflexion der Dinge machen einen als Frau nicht für das Gro der Menschheit attraktiv, sondern für uns selbst und für die Menschen, die uns schätzen.

Wer schätzt schon jemanden für das Äußere. Es gibt einen blöden Satz: Die Optik entscheidet, für wen wir uns interessieren, aber der Charakter entscheidet, wer zusammen bleibt. Das gilt nicht nur für potenzielle Partnerschaften, sondern auch – und das finde ich wichtiger, für Freundschaften. Ich habe zwei Freundinnen, die so gar nicht zu mir passen würden. Wunderschöne Mädels, perfekt gestylt und am Anfang hatte ich das Bild der hohlen Tussi. Nach drei Sätzen fanden wir uns sympathisch und nach langen Gesprächen, in denen ich von diesen beiden so viel Herzlichkeit und Wärme erfahren habe, so viel Wertschätzung und Achtung, wurde es eine Mädelsfreundschaft. Ich weiß, dass ich immer kommen kann, wenn ich sie brauche und ich bin gerne für beide da. Meine beiden Chicks sind so toll.

Und wenn ich neben ihnen stehe, fühle ich mich nicht hässlich, denn ich weiß, dass sie sich selbst auch nicht perfekt finden, was sie aber sind. Das versöhnt mich. Ich brauche keine Coke und keine Farbberatungskacke.

Deswegen kann ich sagen: I’m imperfection…