Das literarische Solo

Marjane Satrapi – Persepolis. (Beide Bände)

Persepolis

Erstausgabe: 2000-2003
Epoche: Moderne/ Postmoderne

Inhalt:

Marjane lebt mit ihren Eltern im Iran als die islamische Revolution beginnt und sich das Land verändert. Zunächst übernimmt der Chomeini die Macht und Frauen müssen sich wieder verhüllen, Universitäten werden geschlossen und das Leben beginnt sich zurück zu entwickeln. Da sich Marjane sträubt, wird sie von den Eltern nach Frankreich geschickt.

Kritik:

Die wohl eindrücklichste Form der Auseinandersetzung mit politischen Inhalten ist die Graphic Novel. Persepolis fesselt durch die Bilder, ohne platt, rührselig oder anfeindend zu wirken. Das Thema Islam ist vor allem in Deutschland eindeutig besetzt. Die Novel kritisiert den Islam Chomeinis, ohne dabei die ganze Religionsgemeinschaft in Misskredit bringen zu wollen.

 

Warum man es gelesen haben muss:

Nichts ist heute ein größeres Feindbild als der Islam. Gleichzeitig wissen die meisten Menschen wenig über diese Religion und assoziieren sie mit schreienden, bärtigen Männern auf Jeeps. Was alledings diese Entwicklungen begünstigt hat oder unmittelbar auslösende Faktoren waren, wissen wenige – ausgenommen wollpullovertragende Gemeinschaftskundereferendare und ihre Freundinnen. Durch die außergewöhnliche Form und den hohen ästhetischen Wert öffnet die Graphic Novel bewusst auch dieses Thema für ein anderes Publikum.

 

Daten:
Sartrapi, Marjane (2004): „Persepolis. Eine Kindheit im Iran“ und „Jugendjahre“, Edition Moderne
160 Seiten

ISBN-13: 978-3907055748

 

Do you know… Hannah Arendt

Grandiose Frau (1906-1975), politische Theorektierin, Philosophin, die sich nie als solche sah.

Ivaniča-Antoinette

Ich habe wieder etwas gefunden, ich lästerliches Weibsstück… Ivanka Trump hat in ihrem Online-Shop-Blog-Whatever Ziate von sich und sie sind so dumm, dass sie schon wieder witzig sind. Deswegen werden diese Zitate jetzt philosofistet. Wer meine Beiträge liest, kennt aus langer Vergangenheit das Philosophisteneckchen.

Voila, here it is. In der Kategorie „Wise Words“ postet sie diese. Neben Zitaten von Anne Frank und Coco Chanel, die sie in den Kontext einer bourgeoisen Leistungsideologie stellt, veröffentlicht sie auch ihren eigenen Senf.

ivanica

http://ivankatrump.com/wp-content/uploads/2017/01/Post_2.5-2.jpg

„Der einfache Pfad ist gewöhnlich nicht der, der es wert ist, ihn zu gehen.“

Darauf erst mal nen Respektrülpser. Alter Latz, wenn mir eine Milion-Dollar-Princess erzählt, dass man den schwierigeren Weg gehen soll, dann möchte ich in ihr hübsches Gesicht treten. Unvermittelt.

Jemand, der an sackteuren Privatuniversitäten studierte, erklärt mir, dass man den schwierigen Weg gehen müsse. Dazu gehört noch ihre presbyterianische Sozialisation, deren Grundgedanke ist, dass nur der, der den schweren Weg geht, von Gott mit Reichtum belohnt wird. Dass aber Reichtum einem das Leben doch nicht ganz unerheblich erleichtert, vergisst sie dabei aber.

Bereits 1904 veröffentlichte Max Weber seine Schrift „die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, da der Presbyterianismus sich vom Calvinismus ableitet, stellt dieser eine verschärfte Form protestantischer Ethik dar.

Interessant ist hier sicherlich auch der Verweis auf die Lebenswelt Frau Trumps – über die ich mir aber kein Urteil bilden möchte, da ich sie nicht kenne.

Doch wirken gerade solche Zitate aus dem Mund oder der Feder einer Millionärstocher und Geschäftsfrau wie blanker Hohn gegenüber Menschen, die ihren Job verloren haben oder die aufgrund von finanziellen Problemlagen sich nicht verwirklichen können. Gleichzeitig muten sie nahezu zynisch an, wenn man sieht, dass ihr Vater eine Elitenpolitik, die auf Ausbeutung der Arbeiterklasse basiert, betreibt.

In dem Sinne: Nachtigal, ick hör Dir trapsen.

Höcki, my fuhrer…

Ich frage mich ernsthaft, was in Björn Höckes Kopf eigentlich vorgeht. Das mache ich nicht als Bürgerin der BRD sondern als böhmischstämmige Verwandte von NS-Opfern. Vor 75 Jahren starb – oder eher verreckte – meine Großtante elendiglich in Ravensbrück. Sie, die volksdeutsche Mutter von sechs Kindern. Sie, die arisch bis ins Mark war – blöderweise glaubte sie falsch. Ebenso mein Urgroßvater, der aber aus dem Lager wieder frei kam. Katholisch, sehr deutsch aber blöderweise unbeugsam.

Höcke fordert von uns die neuen Preußen zu werden. Blöderweise vergisst er dabei, dass es genau eine Horde Preußen waren, die gerne Hitler unter die Erde gebracht hätten. Ich halte von einigen dieser Preußen sehr viel – obwohl ich im Herzen katholische Böhmin bin, aber eine Marion Gräfin Dönhoff zollt mir jegliche Form des Respekts ab. Aber das hat der Herr Geschichtslehrer blöderweise vergessen. So defizitär das Lehramtsstudium auch sein mag, das sollte man wissen – immerhin besteht man in BW wegen solcher Fauxpas das Ref (hoffentlich) nicht.

Ich habe kurz überlegt, ob mir diese Äußerung, dass das Holocaustdenkmal ein Schandfleck sei, wehtun sollte, aber ich entschloss mich dazu, lieber eine widerständige Haltung einzunehmen. Ich kenne genug Juden, um sagen zu können, dass diese Menschen genau solche Arschlöcher sein können, wie Biodeutsche, aber ebenso liebenswert. Wir sind alle Menschen. Vielleicht hat das Nationalbot Björni einfach vergessen. Seine geballte Wut wirkt wie die eines Spießbürgers, um seine Trauer darüber zu überdecken, dass er nicht auf ein Konstrukt stolz sein darf. Ich sehe es da wie der große böhmische Philosoph Joseph Schwejk: „Und deshalb muss Schrecken sein, damit die Trauer für was steht.­“

Der Schrecken sind nicht die Geflüchteten oder die Linken. Der Schrecken ist der Versuch, das Abendland zu retten. Dass dieses aber vor allem von denjenigen profitierte, die neu ankamen und heimisch wurden, haben unsere braunen Freunde vergessen. Ich habe Freunde, deren Familien, die als vertiebene Deutsche, die Menschen über Grenzen schleusten, nach Deutschland kamen. Ich habe Freunde aus allen möglichen Ländern und ohne sie wäre mein Leben ärmer. Und ich profitiere auch davon, dass meine Familie offen über unsere Opfer in der Familie spricht. Denn von diesen Menschen habe ich eins gelernt, dass es meine Verpflichtung ist, durch mein Bekenntnis auch andere anzunehmen.

Ihr wollt das christliche Abendland schützen? Dann lest die Bibel, setzt Euch mit Jesus auseinander. Mit Jesus dem alten Kommunisten!

Anschauen. Nachdenken.

… das ist ein Befehl

Bevor man mal wieder über das Mimimi mancher rechts-links-Schwachmaten stolpert. Schau’s Dir an und lies Marx.

Allergische Reaktionen auf sogenannte Christen

Hätte 1517 jemand einfach mal in der Wittenberger Innenstadt einen Magnet ausgepackt, wäre mir eins erspart geblieben: Eierschaukeln von Chefchristen.

Jeder darf nach seiner Fasson seelig werden, aber verfickt nochmal, ersetzt Gott kein Gehirn und kein eigenständiges Denken. Ich bin eine gläubige Frau und befinde mich mehrfach täglich in der Auseinandersetzung mit der Theodizeefragen, nur verdammte Scheiße, warum setzt man mich und meine zugegeben sehr liberale Denkweise – die auch Riten und vor allem die Bibel hinterfragt, immer mit diesen vermaledeihten sexualfeindlichen, kapitalismushörigen und vor allem ungebildeten Superchristen.

Ich weiß, Gott stellt mich mit diesen teilweise echt kognitiv auf Ferienfreizeit befindlichen Menschen auf die Probe und irgendwann raste ich aus. Ich verhaue sie mithilfe der Bibel und zwar so lange, dass sie endlich blicken, dass es sich um ein von Menschen verfasstes Dokument handelt. Nein, nicht Gottes Wort ihr geistigen Blindfische, sondern die eines römischen Kaisers. Auch Gott hat nicht die Daten für irgendwelche Hochfeste festgelegt, sondern das Konzil von Niacäa. Und verdammt nochmal, da saß Gott keinem auf der Schulter.

Wir interpretieren Gott alle unterschiedlich. Gott ist universell und geht vor allem nicht in diesen Hinterwäldlerverstand mancher Menschen hinein, deren Glaube nichts anderes ist als das neurotische Festhalten an tradierten Regeln und Gebräuchen, aus Angst, dass ihr Weltbild für die Tonne sei.

Das musste mal wieder gesagt werden. Vor allem, weil ich NICHT mit diesen Elitechristen in eine Schublade gesteckt werden will.

německý!

Wenn ich etwas liebe, dann sind es Menschen, die auf ihr Deutschsein super stolz sind. In meinem Nachbarort wurde gestern einem Typen, der seinen Garten machen ließ, ein Ball aus dem Garten gemopst. Und das Schlimme war, es waren Ausländer, die nicht deutschig aussahen. Natürlich entbrannte dann die Diskussion über das Dasein als Bürger zweiter Klasse – nicht nur bei Satschüsseln auf dem Dach, sondern auch beim Mopsen von Gemüse.

Genau da warf eine Mitdiskutierende ein, ob er sich sicher gewesen sei, ob es Asylanten waren oder doch evtl. Deutsche. Dann kam das:

Steffanie

Herzlichen Glückwunsch, Steffi mit 2 f,

ich bin stolz auf Dich und Dein Nationalbewusstsein, echt. Man merkt gleich, dass Du mächtig stolz darauf bist, Teil einer Gruppe zu sein. Es sind zwar diejenigen, bei denen die Blondierung durch die Schädeldecke durchdiffuniert ist, aber super, dass Du Dich als Teil eines Ganzen fühlst.

Und Danke, dass ich wegen Menschen wie Dir gottfroh bin, nicht mehr zu unterrichten. Weil ich Euch wahrscheinlich irgendwann mit Blondierung beworfen hätte.

Ein Abgesang oder so

Letzte Woche war ich mal wieder im Palast des Wahnsinns. Und ja, ich war schockiert. Nicht, weil mein Bild nicht mehr in der Ahnengalerie hängt, sondern auch, weil sie Legenden um meinereiner ranken. Man holt sich einen Kaffee und denkt sich nichts dabei. Als einer der Jungs dann erfuhr, dass ich mal Vorstand im besten Café aller Zeiten war – aber nicht der beste Vorstand – musste ich grinsen, als man mir sagte, dass es bei uns doch so gut war. Nee, wars nicht.

Mit illusionistischen Studierenden aber in einem Raum zu sitzen, strapaziert meine Nerven.Als dann noch zwei Dozierende reinkamen und einer treffsicher feststellte, ich sei ja schon gehässig, weil ich seine sexistischen Sprüche mit Aussagen konterte, dass sein Fach ja das Sammelbecken von Nichtfickern sei, bejahte das Chefchen. Mein ehemaliger Chef – das menschliche Goldstück und Aufmunterer meines Studiums – lud mich ein, doch in sein Seminar zu kommen.Und da war es wieder: Das Gefühl, keine Kinder mehr zu wollen und mich stattdessen lieber der Aufzucht von Kampfkarpfen zu widmen. Studiert man an einer pädagogischen Uni (die nur Pädagogen ausbildet), ist man mit allerlei Spaß konfrontiert. Den meisten habe ich tatsächlich in Literaturseminaren gehabt. Ich kam mir oft vor wie der weiße Elefant, weil ich die Texte gelesen hatte.

Einer dieser Fälle war bei einer von mir hochverehrten Professorin im Seminar. Es ging um europäische Amerikabilder. Und wir machten eine fancy shmanzy Blitzlichtrunde. Es ging um unsere erste Assoziation zu Amerika. Meine Antwort war „Global Bully“ ihre „Pursuit of Happyness“. Sie wollte Las Vegas, Freiheitsstatue und Stars hören.

Ok, man kann manches nicht erwarten, vor allem nicht von Menschen, die das Studium in sechs Semestern runterkloppen wollen und dabei irgendwie intellektuell überfordert und didaktisch gefordert sind. Bei Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften an der Oberfläche zu kratzen ist ungefähr so, wie die Ermittlungen in Kriminalfällen zu ignorieren oder bei OPs die Voruntersuchung einfach wegzulassen. Aber sei’s drum. Die Streberin bekäme ja sonst ihren Moralischen.

Was ich an dieser Sache wirklich fatal finde, ist, dass mir Schülerinnen und Schüler oft berichten, dass sie den Sinn hinter Politik und Geschichte nicht verstehen. Sie interessieren sich nicht für etwas, das sie nicht verstehen – mir geht es bei Physik, Germanys Next Topmodel und 7/8 Hosen ähnlich. Aber das führte ebenfalls zu weit.

Mangelnde Bildung auf ein Schulsystem zu schieben, ist so, wie die Bundesregierung für Entscheidungen einzelner Abgeordneter verantwortlich zu machen. Globale Zusammenhänge gehören wieder gedacht, statt der achtundneunzigsten Variation des Gruppenpuzzles oder einer Abhandlung zur Armhaltung im Deutschunterricht. Denn sonst ergeht es zukünftigen Generationen so, wie einem als Betrachter dieses Videos, wenn man beim Pornosschauen zufällig auf eine Bundestagsdebatte umschaltet.

Hurra Hurra – zündle doch nicht

Ich, Kind mit langen Haaren, ausgedappten Sneekers und viel politischem Irrsinn, bin erwachsen und viel zu rebelliös. Irgendwie.

Gestern hatte ich die Sinus- Studie auf dem Schreibtisch und ich dachte mir nur: Hubschraubereltern 1: Laminatrisches Weltbild -9… Denn in der Sinus brachten es Kolleg_en_innen auf den Punkt: Die Jungend rebelliert nicht – sie deprimiert.

Ich bekam in Folge dessen einen kleinen Backflash. Als ich 18 war hatte ich keine Kohle und von diesem nichts ging zu viel für Hoodies, dunklen Nagellack und seltsamen Lidschatten drauf, den ich zur Unterstreichung meiner Rebellion nutzte. Heute habe ich wenig – rein optisch- mit diesem Mädel gemein, außer, dass ich noch rauche. Im Herzen möchte ich angesichts mancher Teenagerexemplare schreien und sie schütteln. Ich weiß, dass ich mich wie eine der alten Frauen an den Fenstern mit Kissen anhöre. Allerdings gebe ich zu bedenken: Es bedarf immer einer progressiv- bekloppten Schicht an Menschen, die die Welt verändern. Lässt man den Spiessern und eingefahrenen Individuen die Bühne, dann entstehen im besten Fall nur Bahnhöfe mit zu niederen Bahnsteigen und Aussichtsplattformen nach Vorbild des Grand Canyons. In dummen Fällen sind es dann semiamüsante Ideologien, die sich selbt schon vor 60 Jahren überholt haben.

Deswegen mein Appell: Rebelliert doch bitte, zieht Euch scheiße an (ja, ok, das macht ihr bereits), sucht Euch Parolen und skandiert sie. Sucht Euch Parolen, die Meschlichkeit, Nächstenliebe und die Bewahrung der Schöpfung wiedergeben. Aber bitte seid nicht, wie die Pegida- Jünger, die Bewahrer eines unchristlichen Abendlandes und Xenophobe.

(Und Mädels, steckt Deutschlands nächsten Topmodellen ein Snickers in den Hals)