Das literarische Solo

Marjane Satrapi – Persepolis. (Beide Bände)

Persepolis

Erstausgabe: 2000-2003
Epoche: Moderne/ Postmoderne

Inhalt:

Marjane lebt mit ihren Eltern im Iran als die islamische Revolution beginnt und sich das Land verändert. Zunächst übernimmt der Chomeini die Macht und Frauen müssen sich wieder verhüllen, Universitäten werden geschlossen und das Leben beginnt sich zurück zu entwickeln. Da sich Marjane sträubt, wird sie von den Eltern nach Frankreich geschickt.

Kritik:

Die wohl eindrücklichste Form der Auseinandersetzung mit politischen Inhalten ist die Graphic Novel. Persepolis fesselt durch die Bilder, ohne platt, rührselig oder anfeindend zu wirken. Das Thema Islam ist vor allem in Deutschland eindeutig besetzt. Die Novel kritisiert den Islam Chomeinis, ohne dabei die ganze Religionsgemeinschaft in Misskredit bringen zu wollen.

 

Warum man es gelesen haben muss:

Nichts ist heute ein größeres Feindbild als der Islam. Gleichzeitig wissen die meisten Menschen wenig über diese Religion und assoziieren sie mit schreienden, bärtigen Männern auf Jeeps. Was alledings diese Entwicklungen begünstigt hat oder unmittelbar auslösende Faktoren waren, wissen wenige – ausgenommen wollpullovertragende Gemeinschaftskundereferendare und ihre Freundinnen. Durch die außergewöhnliche Form und den hohen ästhetischen Wert öffnet die Graphic Novel bewusst auch dieses Thema für ein anderes Publikum.

 

Daten:
Sartrapi, Marjane (2004): „Persepolis. Eine Kindheit im Iran“ und „Jugendjahre“, Edition Moderne
160 Seiten

ISBN-13: 978-3907055748

 

Ivaniča-Antoinette

Ich habe wieder etwas gefunden, ich lästerliches Weibsstück… Ivanka Trump hat in ihrem Online-Shop-Blog-Whatever Ziate von sich und sie sind so dumm, dass sie schon wieder witzig sind. Deswegen werden diese Zitate jetzt philosofistet. Wer meine Beiträge liest, kennt aus langer Vergangenheit das Philosophisteneckchen.

Voila, here it is. In der Kategorie „Wise Words“ postet sie diese. Neben Zitaten von Anne Frank und Coco Chanel, die sie in den Kontext einer bourgeoisen Leistungsideologie stellt, veröffentlicht sie auch ihren eigenen Senf.

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„Der einfache Pfad ist gewöhnlich nicht der, der es wert ist, ihn zu gehen.“

Darauf erst mal nen Respektrülpser. Alter Latz, wenn mir eine Milion-Dollar-Princess erzählt, dass man den schwierigeren Weg gehen soll, dann möchte ich in ihr hübsches Gesicht treten. Unvermittelt.

Jemand, der an sackteuren Privatuniversitäten studierte, erklärt mir, dass man den schwierigen Weg gehen müsse. Dazu gehört noch ihre presbyterianische Sozialisation, deren Grundgedanke ist, dass nur der, der den schweren Weg geht, von Gott mit Reichtum belohnt wird. Dass aber Reichtum einem das Leben doch nicht ganz unerheblich erleichtert, vergisst sie dabei aber.

Bereits 1904 veröffentlichte Max Weber seine Schrift „die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, da der Presbyterianismus sich vom Calvinismus ableitet, stellt dieser eine verschärfte Form protestantischer Ethik dar.

Interessant ist hier sicherlich auch der Verweis auf die Lebenswelt Frau Trumps – über die ich mir aber kein Urteil bilden möchte, da ich sie nicht kenne.

Doch wirken gerade solche Zitate aus dem Mund oder der Feder einer Millionärstocher und Geschäftsfrau wie blanker Hohn gegenüber Menschen, die ihren Job verloren haben oder die aufgrund von finanziellen Problemlagen sich nicht verwirklichen können. Gleichzeitig muten sie nahezu zynisch an, wenn man sieht, dass ihr Vater eine Elitenpolitik, die auf Ausbeutung der Arbeiterklasse basiert, betreibt.

In dem Sinne: Nachtigal, ick hör Dir trapsen.

Höcki, my fuhrer…

Ich frage mich ernsthaft, was in Björn Höckes Kopf eigentlich vorgeht. Das mache ich nicht als Bürgerin der BRD sondern als böhmischstämmige Verwandte von NS-Opfern. Vor 75 Jahren starb – oder eher verreckte – meine Großtante elendiglich in Ravensbrück. Sie, die volksdeutsche Mutter von sechs Kindern. Sie, die arisch bis ins Mark war – blöderweise glaubte sie falsch. Ebenso mein Urgroßvater, der aber aus dem Lager wieder frei kam. Katholisch, sehr deutsch aber blöderweise unbeugsam.

Höcke fordert von uns die neuen Preußen zu werden. Blöderweise vergisst er dabei, dass es genau eine Horde Preußen waren, die gerne Hitler unter die Erde gebracht hätten. Ich halte von einigen dieser Preußen sehr viel – obwohl ich im Herzen katholische Böhmin bin, aber eine Marion Gräfin Dönhoff zollt mir jegliche Form des Respekts ab. Aber das hat der Herr Geschichtslehrer blöderweise vergessen. So defizitär das Lehramtsstudium auch sein mag, das sollte man wissen – immerhin besteht man in BW wegen solcher Fauxpas das Ref (hoffentlich) nicht.

Ich habe kurz überlegt, ob mir diese Äußerung, dass das Holocaustdenkmal ein Schandfleck sei, wehtun sollte, aber ich entschloss mich dazu, lieber eine widerständige Haltung einzunehmen. Ich kenne genug Juden, um sagen zu können, dass diese Menschen genau solche Arschlöcher sein können, wie Biodeutsche, aber ebenso liebenswert. Wir sind alle Menschen. Vielleicht hat das Nationalbot Björni einfach vergessen. Seine geballte Wut wirkt wie die eines Spießbürgers, um seine Trauer darüber zu überdecken, dass er nicht auf ein Konstrukt stolz sein darf. Ich sehe es da wie der große böhmische Philosoph Joseph Schwejk: „Und deshalb muss Schrecken sein, damit die Trauer für was steht.­“

Der Schrecken sind nicht die Geflüchteten oder die Linken. Der Schrecken ist der Versuch, das Abendland zu retten. Dass dieses aber vor allem von denjenigen profitierte, die neu ankamen und heimisch wurden, haben unsere braunen Freunde vergessen. Ich habe Freunde, deren Familien, die als vertiebene Deutsche, die Menschen über Grenzen schleusten, nach Deutschland kamen. Ich habe Freunde aus allen möglichen Ländern und ohne sie wäre mein Leben ärmer. Und ich profitiere auch davon, dass meine Familie offen über unsere Opfer in der Familie spricht. Denn von diesen Menschen habe ich eins gelernt, dass es meine Verpflichtung ist, durch mein Bekenntnis auch andere anzunehmen.

Ihr wollt das christliche Abendland schützen? Dann lest die Bibel, setzt Euch mit Jesus auseinander. Mit Jesus dem alten Kommunisten!

Weil wegen Titten

Inspiriert von LuLikes 5 bekackte Dinge, die Mädchen zu hören bekommen, feiere ich erstmal ab, dass ich 30 bin und jetzt aus dem „Angelabertwerden-Alter“ raus bin.

Ja, mit 30 ist es mir egal, was andere von mir denken und ja, es ist befreiend. Es ist so, wie Abitur haben oder das erste Mal ohne Angst Autobahnfahren. Yay 30!

Doch auch ich bin nicht gefeiht vor dummen sexistischen Sprüchen und zwar von Frauen. Ich gehöre leider zu den Frauen, die jetzt nicht das göttlichst-pralle Dekoltee haben, aber es ist mir egal. Geil finde ich es, wenn andere Frauen meinen, mir erklären zu müssen, dass ich damit jetzt gefälligst ein Problem  haben soll. Ok.

Tittentrauma der Mittelstufe

Vielleicht fehlt mir die eklatant weibliche Erfahrung, in meiner Teenagerzeit auf meine Brüste reduziert worden zu sein. Es muss etwas unwahrscheinlich Befreiendes gehabt haben, dass es scheißegal war, was man sagte oder dachte, weil gefühlt (oder eingebildet) jeder Typ sabbernd im Dekoltee versank. Titten raus und der Trottel putze einem die Tafel, trug einem die Schultasche oder hat einem den Platz im Bus freigemacht. Im Sportunterricht konnte man dann oft sagen, dass man leider nicht kann – weil man oft keinen Bock zu haben schien.

Ich kenne genug Mädels mit großer Oberweite, die sich selbst nie darauf reduzierten, die litten oder die sich unwohl fühlten. Das geht auch nicht an sie, sondern mehr an diejenigen, die sich selbst heute noch, mit weit über 20 auf ihren Vorbau reduzieren. Warum macht ihr das? Ist es wirklich so toll, wenn jemand einem nicht zuhört? Oder so super, die eigene Attraktivität an zwei evolutionär relevanten Fettreserven der Größe X festzumachen? Niemand möchte doch auf seine Körpermerkmale reduziert werden. Jeder weiß, dass das einst mächtig schief gelaufen ist, spätestens, seitdem Rassen und Eigenschaften massiv am Äußeren festgemacht wurden. Für eine Deutsche sind meine Wangenknochen zu hoch, meine Hüften zu breit und meine Haut zu gelb und zu hell. Ich muss von den Hunnen abstammen und folglich von Flösen aus Wildtiere mithilfe von Speeren jagen. Sehr logisch.

Autosexismen

Ich liebe ja diese Art des Autosexiusmus, denn andere Frauen den Maßstäben zu unterwerfen, von denen man in der Frühphase des eigenen Teenagerdaseins profitierte, einen aber auf gewissen Verhaltensweisen und -muster verhaftet, zeugt von einer sexistischen Einstellung dem eigenen Geschlecht gegenüber.  Ich würde es auch als eine Art Phänomen der heterosexuellen Wertedichotomie bezeichnen, denn die starke Zuschreibung darauf, was jetzt genau weiblich zu sein hat, beschließt sich nicht nur auf Verhalten, sondern in diesem Fall auch auf körperliche Merkmale. Dies geht so weit, dass es durchaus Frauen gibt, die Männern, die eine etwas zierlichere Frau haben, vorwerfen, diese seien pädophil. Aber warum eigentlich?

Als sich Anfang der 2000er Britney Spears die Möpse vergrößern ließ, hallte der Aufschrei durch die Landschaft, denn Silikonmöpse waren bis dato etwas für Pam Anderson, die auch Hobbypornos drehte. Das amerikanische Nationalhymen blieb aber unangetastet und so schrie es aus jeder Ecke. Gleichzeitig wurde unbewusst das Signal gegeben: Deine Möpse definieren Dich als Frau.

Sehr sinnvoll, wenn man bedenkt, dass die Generation unserer Mütter doch zu denen gehört, die zumindest in die Nähe einer Gleichbehandlung rutschten.

Open your mind – not your blousse

Manchmal würde ich diese Mädels gerne schütteln, manchmal auf den Boden werfen und einen Sharpshooter ansetzen. Ja, ihr akzeptiert gefühlt 1/6 Eures Körpers. Macht das doch bitte auch mit den anderen fünf. Ja, es ist schwierig, das später zu tun, aber glaubt mir, es lohnt sich, denn dann werdet ihr als Mensch wahrgenommen und auch als Mensch gut oder scheiße gefunden.

Das literarische Solo

Wolf Haas- Auferstehung der Toten (1997)

 

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Erstausgabe: 1997
Genre: Krimi

Inhalt:

In Zell am See wird ein schwerreiches amerikanisches Ehepaar erfrohren im Skilift gefunden. Der ehemalige Polizist Brenner macht sich nun auf, um den Mörder im familiär geprägten Zell zu finden und stößt auf eine Masse an Irrungen und Wirrungen.

Kritik:

Wer nicht vom Land ist, kennt sie nicht, die in Idylle verpackten dunklen Geheimnisse der Umwelt. Wolf Haas schreibt in seinem ganz eigenen Stil, geprägt vom Erzählsingsang der österreichischen Landbevölkerung. Vermischt mit Sarkasmus und einer gewaltigen Priese Bösatigkeit setzt er tolle Impulse zum Mitfiebern.

Vor allem das Nicht-Kennen der eigenen Lebensgeschichte und die nie vorhandenen Reflexionsflächen der eigenen Geschichte machen dieses Buch zu etwas Grandiosem.

Warum man es gelesen haben muss:

Spannend verpackte Geschichte in Kombination mit Schrulligkeit – wenn ich mehr verrate, spoilere ich zu sehr.

 

Fresse Bert, Sonderdingens

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Ich schreibe ungern über Routinen und so. Allerdings habe ich sehr zickige, spezielle Haut, was mich vor allem bei den ganzen Tierversuchsfrei-Vegan-Zielen momentan ziemlich stresst. Meine Haut ist sensibel, braucht viel Feuchtigkeit und Fett, aber nur solches, das sie auch mag. Weil ich gerade zufällig auch mein Konsumverhalten reflektiere, dachte ich mir, ich könnte darüber bloggen.

Lange habe ich jeden Scheiß aus der Werbung gekauft, bis ich mich mehr oder minder freiwillig damit auseinandergesetzt habe. Angefangen hat das alles mit der Jojoba und Shisandra Serie von Dr. Scheller. Dann wurde Scheller verkauft und ich hatte diese Serie nicht mehr. Danach probierte ich mich durch Alverde und Weleda, bis ich jetzt langsam zu dieser Produktpalette kam.

Lavera 2 in 1 Reingungsmilch

  1. Pflege/ Reiningungswirkung ♥♥♥♥♥ (von 5) Sie trocknet nicht aus, fettet nach und ist trotzdem so mild, dass ich weder Juckerei noch trockenheitspickel bekomme.
  2. Handhabung ♥♥♥♥ (von 5)  Recht dickflüssige, aber gut zu verteilende Waschcreme, die sich angenehm einmassieren lässt. Ich achte darauf, dass ich sie auf die angefeuchtete Haut auftrage.
  3. Geruch ♥♥♥♥♥ (von 5) Riecht neutral, etwas nach Körperbutter, aber nicht zu streng. Der Geruch ist nicht aufdringlich und sehr angenehm
  4. Langlebigkeit ♥♥♥♥ (von 5) Da man wenig braucht, hält diese Waschreme bei mir schon seit einigen Monaten
  5. Fazit: 18/20 was soll ich sagen, auch wenn sie echt ein teureres Schätzchen aus dem Waschsegment ist, sie ist genial

Lush Eau Roma

 

  • Pflege/ Reiningungswirkung ♥♥♥♥♥ (von 5) Wenig bis kein Alk, was dazu führt, dass meine Haut nicht austrocknet.
  • Handhabung ♥♥♥♥♥ (von 5)  Auf ein Wattepad sprühen und übers Gesicht. Ich mag Gesichtswasser zum Sprühen, weil da Produkt gespart wird. Und das ist bei 17€/Flasche echt gut
  • Geruch ♥♥♥♥♥ (von 5) Riecht nach Rose und Lawendel. Ich mag es, andere weniger
  • Langlebigkeit ♥♥♥♥ (von 5) Super langlebig (hab ich seit Januar) und noch immer fast voll
  • Fazit: 19/20 Teuer, aber gut und langlebig- Außerdem fair gehandelt, tierversuchsfrei und ethisch unbedenklich

 

Weleda Rose Nachtpflege

  • Pflege/ Reiningungswirkung ♥♥♥♥♥ (von 5) Super viel Fett und Feuchtigkeit, gepaart mit Tiefenkram – grandios
  • Handhabung ♥♥♥♥♥ (von 5)  Creme auf die Hand, sie verzieht sich nicht, sie zieht ein und nichts macht komische Filme
  • Geruch ♥♥♥♥♥ (von 5) Riecht nach Rose – aber nicht nach komischer Oma-Rose, sondern einfach toll
  • Langlebigkeit ♥♥♥♥♥ (von 5) Sehr langlebig, gut transportierbar und grandios zu verstauen, da kein Tiegel
  • Fazit: 20/20 Sehr zuverlässig für seltsame, trockene Haut

 

Weleda Mandel Tagespflege

 

  • Pflege/ Reiningungswirkung ♥♥♥♥♥ (von 5) Super viel Feuchtigkeit, die den ganzen Tag wirkt und keinen Film bildet.
  • Handhabung ♥♥♥♥ (von 5)  Creme auf die Hand, sie verzieht sich nicht, sie zieht ein und nichts bleibt. Man kann gut drüberschminken und es gibt keine komischen Effekte (trockene Stellen, creasen der Foundation etc), ist aber für meine Haut im Winter zu wenig reichhaltig
  • Geruch ♥♥♥♥♥ (von 5) Riecht nach Mandel und Marzipan, dabei verfliegt der Geruch.
  • Langlebigkeit ♥♥♥♥♥ (von 5) Sehr langlebig, gut transportierbar und grandios zu verstauen, da kein Tiegel (wie bei allen Cremes von der Weleda)
  • Fazit: 19/20 Sehr zuverlässig für seltsame, trockene Haut

 

Alverde Augencreme Augentrost

  • Pflege/ Reiningungswirkung ♥♥♥♥♥ (von 5) Super viel Feuchtigkeit, die den ganzen Tag wirkt und keinen Film bildet, dabei werden die Wimpern gepusht und das Auge bleibt gut versorgt.
  • Handhabung ♥♥♥ (von 5)  Creme zwischen den Fingern verteilen und los damit. Das einzige, was komisch ist, ist die Verträglichkeit mit Lidschattenbases
  • Geruch ♥♥♥♥♥ (von 5) Riecht nach frischer Wiese, der Geruch verfliegt
  • Langlebigkeit ♥♥♥♥♥ (von 5) Sehr langlebig und sehr ergibig.
  • Fazit: 18/20 Sehr zuverlässig für seltsame, trockene Haut

 

 

německý!

Wenn ich etwas liebe, dann sind es Menschen, die auf ihr Deutschsein super stolz sind. In meinem Nachbarort wurde gestern einem Typen, der seinen Garten machen ließ, ein Ball aus dem Garten gemopst. Und das Schlimme war, es waren Ausländer, die nicht deutschig aussahen. Natürlich entbrannte dann die Diskussion über das Dasein als Bürger zweiter Klasse – nicht nur bei Satschüsseln auf dem Dach, sondern auch beim Mopsen von Gemüse.

Genau da warf eine Mitdiskutierende ein, ob er sich sicher gewesen sei, ob es Asylanten waren oder doch evtl. Deutsche. Dann kam das:

Steffanie

Herzlichen Glückwunsch, Steffi mit 2 f,

ich bin stolz auf Dich und Dein Nationalbewusstsein, echt. Man merkt gleich, dass Du mächtig stolz darauf bist, Teil einer Gruppe zu sein. Es sind zwar diejenigen, bei denen die Blondierung durch die Schädeldecke durchdiffuniert ist, aber super, dass Du Dich als Teil eines Ganzen fühlst.

Und Danke, dass ich wegen Menschen wie Dir gottfroh bin, nicht mehr zu unterrichten. Weil ich Euch wahrscheinlich irgendwann mit Blondierung beworfen hätte.

Das literarische Solo

Jeffrey Eugenidis – Middlesex (2002)

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Erstausgabe: 2002
Epoche: Amerikanische Postmoderne

Inhalt:

Als 1922 die griechische und die armenische Minderheit in der Türkei systematisch ausgerottet wird, beschließen Lefty und Desdemona das Land zu verlassen und in die USA zu migrieren. Das Liebespaar traut sich auf dem Schiff, das sie in die USA bringen soll – was aber keiner weiß – dass beide Geheimnisträger sind. Dieses Geheimnis erweist sich als folgenschwer, als ihre Enkelin Caliope geboren wird.

Kritik:

Liebevoll verpackte Gesellschaftskritik, die sich mit der Assimilation von im 20. Jahrhundert eingewanderten Europäern in die USA und deren Überidentifikation befasst. Nebenbei erhält man eine Geschichtsstunde zur Nachkriegsgeschichte des Ersten Weltkrieges aus zwei Perspektiven: Der Othodox-Griechischen und der assimilierten von Migrantinnen in die USA.

Dabei wird die Geschichte von Caliope sensibel erzählt, ihre Kindheit und Pubertät bis hin zu ihrer Erwachsenenzeit, indem Eugenidis Cal selbst erzählen lässt.

Warum man es gelesen haben muss:

Die Themen Integration vs. Assimilation und sexuelle Orientierung sensibel, mitfühlend und empathisch erzählt bewegen einen zum Umdenken und stellenweise zum Schmunzeln. Caliopes Vater Milton und der Wille ein echter Amerikaner zu werden, ihr Bruder, liebevoll Pleitegeier genannt, und ihre Identitätsfindung machen einen oft auf das aufmerksam, auf das man selbst mit dem Finger zeigt.

Sehr lesenswert vor allem für Menschen, die auf Demonstrationen gehen, die vorgeben, für alle zu sein und doch alle, die anders sind, ausgrenzen.

Das Mädchen im grünen Bikini

Gedanken einer Noch-Nicht-Mutter…

Gerade wird der Brief einer Mutter geteilt, die diesen an ein Mädchen im grünen Bikini geschrieben hat. An das Mädchen in der Clique mit den Komplexen. Ich war auch eines und habe mehr als 15 Jahre gebraucht, um es nicht mehr zu sein. Das habe ich geschafft, weil ich diese Menschen um mich hatte, ganz besonders Schatzke und weil ich viel Zeit zum Nachdenken hatte.

Ich weiß noch, als ich mit 13 anfing, Komplexe zu entwickeln. Bis zu meiner Pubertät und den Aufklärungsstunden meiner Biolehrerin war mir mein Körper egal. Er war halt da, aber mein größtes Problem war damals noch, wie ich meinen Zeitplan aus Musik, Sport und Freizeit organisierte. Schule fiel mir leicht, Freundinnen hatte ich nicht wirklich – es war eher eine Art Zweckgemeinschaft der Uncoolen und Jungs waren für mich so attraktiv wie die Vorstellung zum Zahnarzt zu gehen. Doch dann kam meine Mitschülerin in die Klasse, die völlig entwickelt war – ich nicht. Statt einer Doppel-D-Oberweite bekam ich breite Hüften. Ich habe diese Dinger noch immer und mittlerweile finde ich sie sogar echt tolerabel. Das fanden meine Mitschüler damals nicht. Aufgrund meines eher geradlinigen Charakters (Danke an meine Büromama, die ihn neulich sehr lobte 😉 ) und meiner eher uncoolen Kleidungsweise war ich das Klassenopfer. Hinzu kam, dass die Doppel-D- Inhaberin es wie keine andere verstand, einem zu erklären, dass Brustfett dazu führe, dass Männer einen nie mehr gehen ließen. Danke! Faszinierend ist jedoch, dass man noch immer mit dem defizitär-pubertären Ich – bzw. der Wahrnehmung  Dritter als dieses – konfrontiert ist.

Doch irgendwann muss man sich dafür entscheiden, diese Blicke und Aussagen hinter sich zu lassen und sich selbst irgendwie zu akzeptieren und das in einem System medial konstruierter Bilder von Beziehung, Glück und dem, was man darstellen sollte. Ich entschied mich für das Lieben meinerselbst, weil mir dieses Optimieren irgendwann zu blöd wurde. Sport betreibe ich nicht mehr, um Männern zu gefallen, sondern wegen meines Rückens. Gesund ernähre ich mich nicht mehr, weil ich Fett oder Wasser verlieren will, sondern weil es mir schmeckt. Aber deswegen esse ich noch lange keinen gedünsteten Blumenkohl – den finde ich ziemlich geschmacksekelhaft.

Da ich mit dieser Dame in nächster Zukunft wohl nicht sprechen werden kann, ohne dass sie gilft wie eine hysterische Ziege, nun der Weg, den ich schon lange hätte gehen sollen. Und ja, das wird wieder latent gehässig.

Liebe X,

ja, genau Du. Danke für den Komplex, dass Brüste entscheidend darüber sind, dass ein Mann einen lieben könnte. Ich weiß nicht, woher Du das hast, wobei aufgrund Deiner Sozialisation wohl einige Schlüsse zulässig wären. Wir haben uns 13 Jahre (glücklicherweise) nicht gesehen und nur in verschiedenen „wer bringt was“- Diskussionen gelesen. Ich würde Dir gerne mit Respekt entgegentreten, aber es funktioniert nur auf einem Mindestmaß, das ich einhalten muss, weil es meine eigenen Ethik von mir einfordert.

So wie ich Dich kennengelernt und erlebt habe, ist es Dir noch immer nicht klar, warum ich Dich in Klasse 9 und 10 alles geheißen habe, Dich mit Schimpftiraden tituliert hatte und Du Dich deswegen in Deinem Gemobbt- Gefühl geahlt hast. Das mag an fehlendem Schuldbewusstsein oder auch an fehlender Selbsteinschätzung liegen. Über die Liebenswürdigkeit und die Attraktivität anderer zu urteilen, ist etwas Subjektives, das einem nur bedingt zusteht. Ich sag Dir ja auch nicht, dass man Deinem Neuen ansieht, dass er nur in Dein Fressenschema passt und ich hoffe, dass das sozial-normiert passiert. Kein Mensch muss im Schema eines anderen funktionieren – oder doch? Ich verstehe Deine Verhaltensweisen, weil ich mich mit Menschen Deiner Denke auseinandergesetzt habe – jahrelang. Ich verstehe, warum Du so handelst und gehandelt hast. Rein rational. Als Mensch finde ich Dich aus meiner subjektiven Sicht ziemlich bescheuert. Du verletzt andere, um an Deinem Egostate zu arbeiten. Du glaubst Du bist der „Nightmare dressed like a daydream“ für Frauen wie mich, doch ändert sich nichts daran, dass Du es nicht bist. Meine Figur hat Dich jahrelang dazu motiviert, mich aufzuziehen. Ich zog Dich mit Deiner Person, Deinem Habitus und Deinem fehlenden Talent auf. Ich hätte mich operieren lassen können, aber leider kannst Du Dir keine Fähigkeiten, keine Kompetenzen und keine Persönlichkeit anoperieren. Du wirst Dir auch nie Stil oder Habitus anoperieren lassen können, weil Du es nie erlebt hast und es Dir nicht aneignen konntest.

Finanziell wirst Du mehr Kapital als ich haben, ich habe dafür soziales und kulturelles. Dein Geld wird sich nie in Beziehungen und Fähigkeiten transferieren lassen, meins dafür schon. Und Bauer bleibt Bauer – egal wie sehr versucht wird, es zu ändern. Spätestens seit Deinem öffentlichen Debattieren über Dein Ehe-Aus – was ich nebenbei ziemlich grotesk fand. Du warst Teil einer verdienenden Oberschicht, jetzt bist Du Hipsterbraut und wirst vermutlich auch noch mehrfach Deine sozioökonomische Gruppe wechseln. Du solltest Dir vielleicht überlegen, ob Du nicht einfach versuchst, zu Dir selbst zu finden.

In geschützter Liebe – ich