Do you know… Hannah Arendt

Grandiose Frau (1906-1975), politische Theorektierin, Philosophin, die sich nie als solche sah.

Advertisements

Klicktipp

Irgendwann in einem Anflug mieser Laune stieß ich auf BBC 4 und die Youtubereihen. Ich stehe total auf die Reihe „What is love“ in der das Phänomen der Liebe wunderschön mit tollen Cartoons erklärt wird.

Ivaniča-Antoinette

Ich habe wieder etwas gefunden, ich lästerliches Weibsstück… Ivanka Trump hat in ihrem Online-Shop-Blog-Whatever Ziate von sich und sie sind so dumm, dass sie schon wieder witzig sind. Deswegen werden diese Zitate jetzt philosofistet. Wer meine Beiträge liest, kennt aus langer Vergangenheit das Philosophisteneckchen.

Voila, here it is. In der Kategorie „Wise Words“ postet sie diese. Neben Zitaten von Anne Frank und Coco Chanel, die sie in den Kontext einer bourgeoisen Leistungsideologie stellt, veröffentlicht sie auch ihren eigenen Senf.

ivanica

http://ivankatrump.com/wp-content/uploads/2017/01/Post_2.5-2.jpg

„Der einfache Pfad ist gewöhnlich nicht der, der es wert ist, ihn zu gehen.“

Darauf erst mal nen Respektrülpser. Alter Latz, wenn mir eine Milion-Dollar-Princess erzählt, dass man den schwierigeren Weg gehen soll, dann möchte ich in ihr hübsches Gesicht treten. Unvermittelt.

Jemand, der an sackteuren Privatuniversitäten studierte, erklärt mir, dass man den schwierigen Weg gehen müsse. Dazu gehört noch ihre presbyterianische Sozialisation, deren Grundgedanke ist, dass nur der, der den schweren Weg geht, von Gott mit Reichtum belohnt wird. Dass aber Reichtum einem das Leben doch nicht ganz unerheblich erleichtert, vergisst sie dabei aber.

Bereits 1904 veröffentlichte Max Weber seine Schrift „die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, da der Presbyterianismus sich vom Calvinismus ableitet, stellt dieser eine verschärfte Form protestantischer Ethik dar.

Interessant ist hier sicherlich auch der Verweis auf die Lebenswelt Frau Trumps – über die ich mir aber kein Urteil bilden möchte, da ich sie nicht kenne.

Doch wirken gerade solche Zitate aus dem Mund oder der Feder einer Millionärstocher und Geschäftsfrau wie blanker Hohn gegenüber Menschen, die ihren Job verloren haben oder die aufgrund von finanziellen Problemlagen sich nicht verwirklichen können. Gleichzeitig muten sie nahezu zynisch an, wenn man sieht, dass ihr Vater eine Elitenpolitik, die auf Ausbeutung der Arbeiterklasse basiert, betreibt.

In dem Sinne: Nachtigal, ick hör Dir trapsen.

Idiotensexismus…

Fundstück zum Wirkenlassen… Einfach ein Highlight aus der Rubrik Superillu Erotik… Die Superillu ist das Heft aus dem garantiert sich viele Pegida-Jünger speisen, weil es DIE Illustrierte in den neuen Bundesländern ist und eine Institution aus DDR-Zeiten.

Hier achte man mal auf die Beschreibung der Körbchengrößen…

Neben der Beschreibung der Augenfarbe (schokoladig) finde ich ja den Vergleich mit mittelgroßen Orangen toll? Sind die Dinger etwa orange und dellig?

Sexismus kann auch witzig sein, wenn er so dämlich wie das daher kommt.

#thankyoutrump #dankemerkel

Laminatrix schreibt einen Essay

oder: Die Auseinandersetzung mit Textsorten der gymnasialen Oberstufe

Vorbemerkung

Eigentlich wollte ich das Aufsatzthemas einens Freundes von mir schnappen und zu einem Essay umarbeiten. Wollte heißt hier: Da die Klasse noch einen Aufsatz zu einem ähnlichen Thema schreibt, werde ich mich mal zurückhalten und mir stattdessen das Thema eines prämierten Schüleraufsatzes schnappen. Also Laminatrix Abitur 2.irgendwas.

Hierzu suchte ich mir die Themenstellung „Glück haben – glücklich sein“ aus dem Abi 2014 aus. Den Essay von 2006 habe ich leider nicht mehr gefunden, sollte aber insofern kein Problem sein, da ich demnächst meine ganzen Deutschlehrerquellen nerven werde. So wie Doctor Strange…

 

Glück haben – glücklich sein

„Das Einzi[st sic!]ge, was sich verdoppelt, wenn man es teilt, ist Glück!“, so oder so ähnlich prangt dieser Satz in meinem Poesiealbum aus der Klasse 3, verfasst in klecksig-krakeliger lamyfüller gezogener Kinderschrift. Diese Botschaft war scheinbar, neben „lebe glücklich, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh“ einer der pholosophischen Basic- Dauerbrenner meiner Kindheit.

Immer wieder stößt man auf die Begriffe Glück und dem daraus abgeleiteten glücklich. In seiner etymologischen Bestimmung ist es aus den mittelhochdeutschen Begriffen für leicht und gelingen zusammengesetzt. Glück beinhaltet tatsächlich das leichte Gelingen der Dinge, es bedeutet schnelle Hochstimmung und gleichzeitig eine langlebige Zufriedenheit. Glück ist flüchtig und wenn man es zu fest zu halten scheint, verfliegt es wie ein Parfüm oder Rauch. Doch wir alle scheinen danach zu streben, was wir selbst als Glück definieren, was ziemlich paradox ist, denn Glück ist nichts mit einer universellen Definition wie Autoreifen, Stricknadeln oder Reizhusten.

Der Begriff „Glück“ gehört zur Klasse der Abstrakta, also Nomen (oder wie wir 2004er Bildungsplankinder noch sagen: Substantiven), die abstrakt sind und daher auch einer gewissen Deutungsoffenheit unterzogen sind. Glück ist vielfältig, vieldimensional und hochgradig indivinduell. Noch schwieriger verhält es sich damit, wenn man dieses Nomen in flektiert betrachtet. Glück haben, bedeutet, dass man verdient oder unverdient, doch zufallsbedingt etwas geschafft hat. Glücklich sein ist hingegen der innere Zustand der Glückseeligkeit – egal ob für längere oder kürzere Zeit.

Lebenskonzept Glück?

Meine Mutter erzählt mir immer wieder von einer jungen Frau, die in einer etwas schwierige Ehe mit einem etwas cholerischen Mann lebte, aber zur Oberschicht ihres sozialen Milieus gehörte. Jedes Mal, wenn meine Mutter fragte, wie es ihr gehe, kam der Satz: Wir sind glücklich. Sicherlich hatte sie mit der Eheschließung und dem Zugang zu einer exklusiven Welt Glück gehabt – von außen gesehen. Aber war sie deswegen glücklich?

Wer im Lotto gewinnt, hatte Glück mit seinem Glückslos, doch derjenige kann zutiefst unglücklich sein. Denn der Begriff der Glücklichkeit ist sowohl mit Zufriedenheit als auch mit dem viel gepriesenen inneren Einklang in Verbindung zu setzen.

Wir streben alle unentwegt nach Glück. Doch wir müssen es selbst definieren und diese Definition muss jedoch der gesellschaftlichen Perspektive auf Glück entsprechen, sonst ist man es in den Augen anderer nicht. Kann ein Harz 4- Empfänger also nicht glücklicher sein, als ein Arbeitnehmer mit einem Netto- Monatsverdienst von 5500 Euro. Ja, das kann er. Denn wenn Beziehungen, Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns oder ein hohes Stresslevel dem entgegen stehen, nutzen einem vermeidliche Insignien des Glückes nichts.

Geteiltes Glück ist doppeltes

Geht man von einer total altruistischen Welt aus, dann ja. Doch das Glück des Einen ist immer mit dem Unglück des anderen verbunden. Man nehme hier mein ehemaliges Ausbildungsfeld: Nach einer Lehrprobe kam eine Referendarin ins Lehrerzimmer und meinte, naja ich habs bestanden, war zwar schlecht, aber ich hatte Glück. Einige Stunden zuvor hatte eine andere die Prüfung nicht bestanden, die aber laut dem Lehrbeauftragten besser als diejenige war, die bestanden habe. Grund dafür war, dass er an diesem Tag den Wert X bereits durchfallen gelassen hatte. Also hatte die eine Referendarin Glück gehabt, die andere Pech.

Dieses Gegensatzpaar ist insofern interessant, dass noch immer der Gedanke aus den grimm’schen Märchen vorherrschend zu sein scheint. Wer nicht arbeitet, hat Pech und derjenige, der hart arbeitet, hat Glück im Leben. Dabei verhält sich doch sowohl das Glück, als auch das Pech eher wie die Baba Jaga, als wie Frau Holle, die gerecht wie sie zu sein scheint, das Glück und das Pech auf die beiden Mädchen verteilt.

Glück ist launisch, unberechenbar und kann sich im einen Moment auf den anderen gegen einen entscheiden. Doch man kann beeinflussen, ob man glücklich ist, indem man selbst Dinge für sich als relevant beachtet. Einem Scheitern kann die Option nach Glück innewohnen und dem scheinbaren Sieg den Weg ins Unglück. Doch unser Paket, das wir vom Schicksal aufgeladen bekommen haben, können wir nicht ablegen, aber wir können uns selbst daran abarbeiten, mit der eventuellen Option, danach glücklicher zu werden, als in dem Moment, in dem wir es abgearbeitet haben.

Der Weg ist das Ziel – auch beim Glück

Wer vieles durchgemacht hat, weiß, wie er sich seinen Weg suchen muss. Auf diesem Weg werden wir immer wieder dem Glück oder dem Pech begegnen, diesem launischen Ding. Doch wer in seinem Leben ein gewisses Maß an Pech und Unglück erlebt hat, lernt positive Momente, wie ein Lächeln, eine kleine Geste oder einen schönen Zufall für sich zu schätzen.

Gestern saß ich mit einem Bekannten zusammen und er erzählte mir von seinem Hund. Er war im Glück und ich war froh, dass ich diesen Mann, der vieles mitmachen musste, glücklich sah. Das erfüllte mein Herz mit Wärme. Ich freue mich gern für andere und das lässt mich auch glücklicher sein – zumindest für einen Moment. Glück kann der flüchtiger Moment der Zufriedenheit sein und das Schöne an Glück ist, es ist nichts Materielles. Denn wenn man sich allein und nicht wertgeschätzt fühlt, dann nutzt einem der ganze Besitz nichts. Wenn man selbst wenig hat, glaubt man oft, man sei mit mehr Besitz oder in anderen Lebensverhältnissen glücklicher, doch ist man das wirklich? Jeder Mensch braucht andere Dinge und wieso soll es das ultimativste Glücksgefühl für mich sein, Mutter zu werden, wenn das zwar viele liebe Freundinnen von mir behaupten, ich es für mich aber so noch nicht festgestellt habe. Glücklichsein ist individuell, Glück ist flüchtig, aber es kann zum Gefühl des Glücklichseins beitragen.

Glücklichkeit lässt sich nicht erzwingen oder gar mit Rezepten aus dem Poesiealbum erlangen. Glücklichkeit ist dieses warme, heimelige Gefühl, das Gefühl von Geborgenheit und Freiheit. Das Gefühl zu wissen, dass man selbst richtig ist und sein Bestes gegeben hat. Ob man dabei Glück hat, ist von der unsteten Glücks-Wetterhexe anhängig. Denn Glück kommt auch oft genug im hühnerbeinigen Häuslein daher.

baba-yaga

 

 

Hilfe, ich muss mein Ref abbrechen

 

Diese Entscheidung bedeutet für viele, ihren Lebenstraum abzuhaken. Denn Lehrer_in zu werden bedeutet auch, sich auf ein anderes Leben einzustellen, wie es die meisten führen. Man entscheidet sich in aller Regel sehr bewusst dazu, Kinder unterrichten zu wollen. Leider ist es oft so, dass man das, was man dann will, durch Gutachten und doch oftmals recht subjektiv geprägte Eindrücke von Mentor_en_innen, Schulleiter_n_innen und Seminarlehrbeauftragten aufgeben muss. Sich nach einem Lehramtsstudium etwas Neues zu suchen und aufzubauen, ist allerdings hart.

Wir sind nicht alle die Stings, J.K. Rowlings oder Thomas Gottschalks, die eine fulminante Karriere nach dem Niederlegen eines Berufs im Lehramt starten. Doch wer abbricht, sollte sich darüber im Klaren sein: Man ist nicht allein mit diesem Schritt. Wir sind in meiner Firma fünf – also gut ein Drittel der Belegschaft, die sich umorientiert hatten und im sozialen Bereich finden sich immer wieder ähnliche Biografien. Trotzdem ist das Hinschmeißen aber auch das Hinschmeißenmüssen ein harter, um nicht zu sagen, traumatisierender Schritt.

 

Was bewegt Menschen dazu, das Lehramt hinzuschmeißen

Es gibt eine Reihe von Faktoren. Oft sind es fachliche Defizite, die Anwärter_innen aufweisen und die dazu führen, dass sie aus dem System Schule ausscheiden wollen. Doch nicht nur. Oft ist es auch das System selbst, denn viele – gerade Geisteswissenschaftler_innen – haben Probleme dabei, sich hierarchischen Strukturen unterzuordnen. Ebenso ist es bei älteren Referendar_en_innen oft zu beobachten, dass diese Probleme mit ihren Mentor_en_innen haben, da unterschiedliche Auffassungen von Unterricht herrschen. Vor allem die Konstellation eines recht jungen Ausbilders und eine_r_s lebenserfahreneren Anwärter_s_in führen oft zu Konflikten im Ausbildungsverhältnis. In Kombination mit Rektor_en_innen, die sich bedingungslos vor, hinter und über Mentor_en_innen stellen, kann es sehr schnell sehr eng für Referendar_e_innen werden.

Zudem kommen oft Situationen, in denen drei erfahrene(re) Lehrkräfte (Ausbilder, Rektor und Seminarlehrkraft) gegen d_ie_en Referendar_in stehen, da diesem durch verschiedenste Konstellationen, die ein Dilemma bereits beinhalten, was die Lage de_s_r Anwärter_s_in noch erschweren. Hinzu kommen oft Gesprächsführungsstrategien, die einschüchternd und wenig wertschätzend sind. Nach vielen Gesprächen mit gescheiterten Anwärter_n_innen – und zugegeben auch durch meine Biografie – wurden vor allem extrem direktive Aussagen und ein geheucheltes Verhältnis auf Augenhöhe als ausschlaggebend für einen Abbruch genannt.

 

Ich (muss) kündige(n) – was nun?

Erst einmal: Scheiße gelaufen. Man muss sich binnen kürzester Zeit neu orientieren, das eigene Selbstwertgefühl irgendwie wieder aufbauen und schauen, dass man etwas findet, womit man sein Geld verdienen kann. Denn was die meisten Lehrbeauftragten, Ausbilder_innen und Rektor_en_innen irgendwie nicht zu verstehen scheinen: Man wird mit voller Wucht emotional auf die Erde gepfeffert, was einen einerseits therapiebedürftig, andererseits aber auch in Anbetracht von Zeitdruck dazu veranlasst, schnell weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen. Drei Monate Kündigungsfrist ohne beendete Ausbildung in einer extrem schmalen Nische befeuern Selbstzweifel. Aussagen von Rektoren, die tröstend wirken sollen, verfehlen ihr Ziel oft und man ist geräderter als vorher. So hart es klingt, man muss beginnen, sich selbst an den Haaren aus der Scheiße zu ziehen.

Hilfreich sind daher oft Berufsberatungen beim Arbeitsamt. Auch Tests zur Bestimmung des eigenen Begabungsprofils können helfen, zumindest eine Richtung für sich zu finden. Kommen dann noch rechtliche Geschichten, wie Formfehler, fehlende Gutachten oder Härtefallregelungen hinzu, wird diese sowieso schon belastende Situation zur Qual.

Mein Studium ist also wertlos

Auch wenn es einem oft nicht klar ist, man hat etwas in der Hand. Leider wissen das zukünftige Arbeitgeber nicht. Deswegen sollte man sich vom Kultusministerium den eigenen Abschluss als gleichwertig mit anderen pädagogischen im Rahmen des Europäischen oder Deutschen Qualifikationsrahmens anerkennen lassen. Das Staatsexamen Lehramt für Grund- und Hauptschule in Baden- Württemberg ist beispielsweise mit einem Bachelor gleichwertig, ein Examen für das Lehramt Realschule ist sogar von den Creditpoints her noch etwas höherstehend.

Allgemein kann aber davon ausgegangen werden, dass ein Studium mit einer Regelsemesterzahl von sechs Semestern und 30 CPs mit einem Bachelor gleichzusetzen ist, wobei je nach Semesteranzahl auch die Anzahl der CP steigt.

Macht euch außerdem nicht kleiner als ihr seid. Allein durch Nebenjobs erwirbt man auch Qualifikationen, die einen attraktiv machen. Wer beispielsweise Ferienfreizeiten geteamt hat, hat eine wichtige Ressource im Umgang mit Kindern oder Jugendlichen. Auch ein FSJ/FÖJ sind oft hilfreich, um eigene Qualifikationen zu untermauern. Dasselbe gilt auch für Ehrenämter.

Mit dem Staatsexamen hat man zudem die Möglichkeit, einen Master auf das Studium zu setzen. Hier einfach an den jeweiligen Unis nachfragen.

Ebenso sind abgebrochene Lehrer durchaus für Unternehmen attraktiv. Denn man hat Ressourcen, die einem nicht mal mehr die biestigsten Lehrbeauftragten, Rektor_en_innen oder Mentor_en_innen nehmen können: Ihr habt einen fachlichen Abschluss in Euren Fächern und in Pädagogik/ Psychologie. Das macht einen vor allem für die Wirtschaft attraktiv. Hier sollte man sich insofern gut verkaufen, dass das schnelle, zielgerichtete Erarbeiten und Präsentieren von Inhalten wichtig ist – auch für Unternehmen.

Wenn einen das Unterrichten nicht los lässt, dann hat man auch die Möglichkeit, an eine Privatschule auf Angestelltenbasis zu gehen oder in anderen pädagogischen Feldern, beispielsweise bei freien Bildungsträgern Fuß zu fassen. Ich habe beispielsweise Politikwissenschaft studiert und arbeite nun unter anderem in der politischen Jugendbildung. Eine Bekannte von mir ist bei einem Autobauer in der Verwaltung und sie meint, dass ihr das Germanistikstudium wichtige Kompetenzen vermittelt hat, was die Korrespondenz mit Chefetagen erleichtert.

 

Gebt Euch nicht auf

Nachdem einem der gesamte Selbstwert geschreddert wurde, ist es hart, sich auf Neuland zu wagen, aber die Erfahrung nimmt Euch niemand. Ihr kennt die Situation, vor Tribunalen aus Rektoren und Lehrern zu stehen. Nutzt es für Euch.

Ihr könnt viel, ihr könnt Inhalte erarbeiten, Positionen vertreten und Dinge darstellen. Ihr könnt Gespräche führen, beraten und niederschwellige Angebote schaffen. Seid offen, geht offen mit dem Abbruch um, denn auch Scheitern ist wichtig im Leben. Und niemand nimmt Euch Eure Erfahrungen. Seid mutig, kämpft und lasst Euch nicht unterkriegen, denn auch die mieseste Lehreranwärterin des Landes Baden- Württemberg – im Ranking noch vor Gudrun Ensslin – hat nun die Perspektive, die sie glücklich sein lässt.

Sucht Euch weitere Betroffene, denn es gibt immer jemanden, der auch schon hingeschmissen hat. Fragt diese Menschen, holt Euch Ratschläge und zieht Euer Ding durch.

Da es einige in meinem Umfeld erwischt hat, kann ich von anderen Nischen berichten, wo sie untergekommen sind: Sei es die klassische Sozialpädagogik, Verwaltungslaufbahnen oder auch die freie Wirtschaft. Vom Chefcontroller, über die Personalchefin einer großen Firma bis hin zu Ausbildungsberater_n_innen oder Referent_innen bei karitativen Einrichtungen. Auch der Weg in die Psychotherapie ist möglich mit einem Lehramtsexamen. Ihr habt Optionen – nutzt sie.

Und selbst Marilyn sagte einst:

„Alles passiert aus einem Grund. Menschen ändern sich, damit du lernst loszulassen. Dinge gehen schief, damit du zu schätzen weißt, wenn es gut läuft. Du glaubst einer Lüge, damit du lernst, nur dir selbst zu vertrauen und manchmal bricht etwas Gutes auseinander, damit etwas Schöneres zusammenkommen kann.“ (Marilyn Monroe)

eb5113cb92ace2691a372dfcc3cbe27f

SINUS und Milieus

Wie ich neulich in diesem Artikel erwähnt hatte, wollte ich Euch die SINUS- Milieustudie vorstellen und das anhand eines Fotoprojektes. Jetzt kennt sie jeder,der etwas sozialwissenschaftlich unterwegs ist und spätestens bei der Lektüre der einzelnen Feuilletons, in denen die heutige Teenagergeneration nicht ganz so gut wegkommt, ist zumindest der Name bekannt.

Das Sinus- Institut untersucht seit Anfang der 1980er Jahre die unterschiedlichen sozialen Milieus in Deutschland. Ziel ist es über qualitative Befragungsmethodiken Werte, Einstellungen und Lebensstile herauszinden und zu beschreiben. Dabei geht es nicht um eine primär numerische Zuordnung, sondern darum, verschiedene Gruppen herauszufinden und deren Lebenswelten zu beschreiben.

Die Sinus-Milieus liefern ein wirklichkeitsgetreues Bild der soziokulturellen Vielfalt in Gesellschaften, in dem sie die Befindlichkeiten und Orientierungen der Menschen, ihre Werte, Lebensziele, Lebensstile und Einstellungen sowie ihren sozialen Hintergrund genau beschreiben. Mit den Sinus-Milieus kann man die Lebenswelten der Menschen somit „von innen heraus“ verstehen, gleichsam in sie „eintauchen“. Mit den Sinus-Milieus versteht man, was die Menschen bewegt und wie sie bewegt werden können. Denn die Sinus-Milieus nehmen die Menschen ganzheitlich wahr, im Bezugssystem all dessen, was für ihr Leben Bedeutung hat. (Sinus- Institut, 2016)

Vor allem die Bilder der Wohnzimmer bzw. Jugendzimmer bei der Jugendstudie gelten vor allem unter Sozialwissenschaftlern immer als Highlight. Da ich ja mittlerweile im Jugendarbeitsbereich arbeite, ist es für mich immer wieder faszinierend, wie viel Milieu in uns allen steckt. Da allerdings die jugendliche Lebenswelt das ist, womit ich meine Brötchen verdiene, werde ich mich den Erwachsenen widmen.

*hier* findet ihr die detaillierten Milieubeschreibungen und *hier* weitere Infos zu den Studien des SINUS- Institutes.

německý!

Wenn ich etwas liebe, dann sind es Menschen, die auf ihr Deutschsein super stolz sind. In meinem Nachbarort wurde gestern einem Typen, der seinen Garten machen ließ, ein Ball aus dem Garten gemopst. Und das Schlimme war, es waren Ausländer, die nicht deutschig aussahen. Natürlich entbrannte dann die Diskussion über das Dasein als Bürger zweiter Klasse – nicht nur bei Satschüsseln auf dem Dach, sondern auch beim Mopsen von Gemüse.

Genau da warf eine Mitdiskutierende ein, ob er sich sicher gewesen sei, ob es Asylanten waren oder doch evtl. Deutsche. Dann kam das:

Steffanie

Herzlichen Glückwunsch, Steffi mit 2 f,

ich bin stolz auf Dich und Dein Nationalbewusstsein, echt. Man merkt gleich, dass Du mächtig stolz darauf bist, Teil einer Gruppe zu sein. Es sind zwar diejenigen, bei denen die Blondierung durch die Schädeldecke durchdiffuniert ist, aber super, dass Du Dich als Teil eines Ganzen fühlst.

Und Danke, dass ich wegen Menschen wie Dir gottfroh bin, nicht mehr zu unterrichten. Weil ich Euch wahrscheinlich irgendwann mit Blondierung beworfen hätte.

Das literarische Solo

Jeffrey Eugenidis – Middlesex (2002)

middlesex

Erstausgabe: 2002
Epoche: Amerikanische Postmoderne

Inhalt:

Als 1922 die griechische und die armenische Minderheit in der Türkei systematisch ausgerottet wird, beschließen Lefty und Desdemona das Land zu verlassen und in die USA zu migrieren. Das Liebespaar traut sich auf dem Schiff, das sie in die USA bringen soll – was aber keiner weiß – dass beide Geheimnisträger sind. Dieses Geheimnis erweist sich als folgenschwer, als ihre Enkelin Caliope geboren wird.

Kritik:

Liebevoll verpackte Gesellschaftskritik, die sich mit der Assimilation von im 20. Jahrhundert eingewanderten Europäern in die USA und deren Überidentifikation befasst. Nebenbei erhält man eine Geschichtsstunde zur Nachkriegsgeschichte des Ersten Weltkrieges aus zwei Perspektiven: Der Othodox-Griechischen und der assimilierten von Migrantinnen in die USA.

Dabei wird die Geschichte von Caliope sensibel erzählt, ihre Kindheit und Pubertät bis hin zu ihrer Erwachsenenzeit, indem Eugenidis Cal selbst erzählen lässt.

Warum man es gelesen haben muss:

Die Themen Integration vs. Assimilation und sexuelle Orientierung sensibel, mitfühlend und empathisch erzählt bewegen einen zum Umdenken und stellenweise zum Schmunzeln. Caliopes Vater Milton und der Wille ein echter Amerikaner zu werden, ihr Bruder, liebevoll Pleitegeier genannt, und ihre Identitätsfindung machen einen oft auf das aufmerksam, auf das man selbst mit dem Finger zeigt.

Sehr lesenswert vor allem für Menschen, die auf Demonstrationen gehen, die vorgeben, für alle zu sein und doch alle, die anders sind, ausgrenzen.

Ein Abgesang oder so

Letzte Woche war ich mal wieder im Palast des Wahnsinns. Und ja, ich war schockiert. Nicht, weil mein Bild nicht mehr in der Ahnengalerie hängt, sondern auch, weil sie Legenden um meinereiner ranken. Man holt sich einen Kaffee und denkt sich nichts dabei. Als einer der Jungs dann erfuhr, dass ich mal Vorstand im besten Café aller Zeiten war – aber nicht der beste Vorstand – musste ich grinsen, als man mir sagte, dass es bei uns doch so gut war. Nee, wars nicht.

Mit illusionistischen Studierenden aber in einem Raum zu sitzen, strapaziert meine Nerven.Als dann noch zwei Dozierende reinkamen und einer treffsicher feststellte, ich sei ja schon gehässig, weil ich seine sexistischen Sprüche mit Aussagen konterte, dass sein Fach ja das Sammelbecken von Nichtfickern sei, bejahte das Chefchen. Mein ehemaliger Chef – das menschliche Goldstück und Aufmunterer meines Studiums – lud mich ein, doch in sein Seminar zu kommen.Und da war es wieder: Das Gefühl, keine Kinder mehr zu wollen und mich stattdessen lieber der Aufzucht von Kampfkarpfen zu widmen. Studiert man an einer pädagogischen Uni (die nur Pädagogen ausbildet), ist man mit allerlei Spaß konfrontiert. Den meisten habe ich tatsächlich in Literaturseminaren gehabt. Ich kam mir oft vor wie der weiße Elefant, weil ich die Texte gelesen hatte.

Einer dieser Fälle war bei einer von mir hochverehrten Professorin im Seminar. Es ging um europäische Amerikabilder. Und wir machten eine fancy shmanzy Blitzlichtrunde. Es ging um unsere erste Assoziation zu Amerika. Meine Antwort war „Global Bully“ ihre „Pursuit of Happyness“. Sie wollte Las Vegas, Freiheitsstatue und Stars hören.

Ok, man kann manches nicht erwarten, vor allem nicht von Menschen, die das Studium in sechs Semestern runterkloppen wollen und dabei irgendwie intellektuell überfordert und didaktisch gefordert sind. Bei Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften an der Oberfläche zu kratzen ist ungefähr so, wie die Ermittlungen in Kriminalfällen zu ignorieren oder bei OPs die Voruntersuchung einfach wegzulassen. Aber sei’s drum. Die Streberin bekäme ja sonst ihren Moralischen.

Was ich an dieser Sache wirklich fatal finde, ist, dass mir Schülerinnen und Schüler oft berichten, dass sie den Sinn hinter Politik und Geschichte nicht verstehen. Sie interessieren sich nicht für etwas, das sie nicht verstehen – mir geht es bei Physik, Germanys Next Topmodel und 7/8 Hosen ähnlich. Aber das führte ebenfalls zu weit.

Mangelnde Bildung auf ein Schulsystem zu schieben, ist so, wie die Bundesregierung für Entscheidungen einzelner Abgeordneter verantwortlich zu machen. Globale Zusammenhänge gehören wieder gedacht, statt der achtundneunzigsten Variation des Gruppenpuzzles oder einer Abhandlung zur Armhaltung im Deutschunterricht. Denn sonst ergeht es zukünftigen Generationen so, wie einem als Betrachter dieses Videos, wenn man beim Pornosschauen zufällig auf eine Bundestagsdebatte umschaltet.