Heidi sagt…

Alle Jahre wieder… heute ist das Finale von Germanys Next Topmodel. Gestern las ich auf dem Cover der Intouch-Style-Whatever, dass eines der Models massiv von den Fans gemobbt wird. Heute im öffentlichen Bücherregal fand ich das „Topmodel“-Buch der ersten Staffel und das Unterkapitel: Schöne Seele. Ähm ja.

Dass sich dies wohl nichts ist, was ich gerne lese, ist das eine, auf der anderen Seite ist es für mich als Gegnerin dieser Sendung immer wieder spannend, was in sowas steht.

Zunächst einmal. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Millionen Frauen stehen auf John Cena. Ich hingegen steh mehr auf Dolph Ziggler, denn ich stehe halt doch auf Typen, die völlig bescheuerte Kanten habe. Außerdem stammen unsere Familien aus dem selben Kulturkreis und wir haben etwas Ähnliches studiert. Schlimmer ist es nur bei Schatzke, denn wir haben die identischen Feindbilder, essen gerne dasselbe und sind beide dezent bescheuert. Er sieht aber meinem Idealbild eines Mannes auch nicht wirklich ähnlich, aber charakterlich ist er es total.

Liebe Mädels, es ist sogar fast bumms, wie ihr Euch schminkt – abgesehen von hellblauem Lidschatten, der KEINER Frau steht. Wirklich. Es ist auch egal, wie eure Haare sitzen, denn das ist nur dann etwas, was sich auswirkt, denn ihr solltet euch wohl fühlen und das kommt von der Frau, die fast 10 Jahre ihre Haare geglättet hat, weil sie Locken doof fand.

Der einzige weise Satz von Heidi Klum stammt, ist:

„Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Ketten.“ -Heidi Klum

Und der stammt von Mark- Uwe Klings Känguru

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Das Mädchen im grünen Bikini

Gedanken einer Noch-Nicht-Mutter…

Gerade wird der Brief einer Mutter geteilt, die diesen an ein Mädchen im grünen Bikini geschrieben hat. An das Mädchen in der Clique mit den Komplexen. Ich war auch eines und habe mehr als 15 Jahre gebraucht, um es nicht mehr zu sein. Das habe ich geschafft, weil ich diese Menschen um mich hatte, ganz besonders Schatzke und weil ich viel Zeit zum Nachdenken hatte.

Ich weiß noch, als ich mit 13 anfing, Komplexe zu entwickeln. Bis zu meiner Pubertät und den Aufklärungsstunden meiner Biolehrerin war mir mein Körper egal. Er war halt da, aber mein größtes Problem war damals noch, wie ich meinen Zeitplan aus Musik, Sport und Freizeit organisierte. Schule fiel mir leicht, Freundinnen hatte ich nicht wirklich – es war eher eine Art Zweckgemeinschaft der Uncoolen und Jungs waren für mich so attraktiv wie die Vorstellung zum Zahnarzt zu gehen. Doch dann kam meine Mitschülerin in die Klasse, die völlig entwickelt war – ich nicht. Statt einer Doppel-D-Oberweite bekam ich breite Hüften. Ich habe diese Dinger noch immer und mittlerweile finde ich sie sogar echt tolerabel. Das fanden meine Mitschüler damals nicht. Aufgrund meines eher geradlinigen Charakters (Danke an meine Büromama, die ihn neulich sehr lobte 😉 ) und meiner eher uncoolen Kleidungsweise war ich das Klassenopfer. Hinzu kam, dass die Doppel-D- Inhaberin es wie keine andere verstand, einem zu erklären, dass Brustfett dazu führe, dass Männer einen nie mehr gehen ließen. Danke! Faszinierend ist jedoch, dass man noch immer mit dem defizitär-pubertären Ich – bzw. der Wahrnehmung  Dritter als dieses – konfrontiert ist.

Doch irgendwann muss man sich dafür entscheiden, diese Blicke und Aussagen hinter sich zu lassen und sich selbst irgendwie zu akzeptieren und das in einem System medial konstruierter Bilder von Beziehung, Glück und dem, was man darstellen sollte. Ich entschied mich für das Lieben meinerselbst, weil mir dieses Optimieren irgendwann zu blöd wurde. Sport betreibe ich nicht mehr, um Männern zu gefallen, sondern wegen meines Rückens. Gesund ernähre ich mich nicht mehr, weil ich Fett oder Wasser verlieren will, sondern weil es mir schmeckt. Aber deswegen esse ich noch lange keinen gedünsteten Blumenkohl – den finde ich ziemlich geschmacksekelhaft.

Da ich mit dieser Dame in nächster Zukunft wohl nicht sprechen werden kann, ohne dass sie gilft wie eine hysterische Ziege, nun der Weg, den ich schon lange hätte gehen sollen. Und ja, das wird wieder latent gehässig.

Liebe X,

ja, genau Du. Danke für den Komplex, dass Brüste entscheidend darüber sind, dass ein Mann einen lieben könnte. Ich weiß nicht, woher Du das hast, wobei aufgrund Deiner Sozialisation wohl einige Schlüsse zulässig wären. Wir haben uns 13 Jahre (glücklicherweise) nicht gesehen und nur in verschiedenen „wer bringt was“- Diskussionen gelesen. Ich würde Dir gerne mit Respekt entgegentreten, aber es funktioniert nur auf einem Mindestmaß, das ich einhalten muss, weil es meine eigenen Ethik von mir einfordert.

So wie ich Dich kennengelernt und erlebt habe, ist es Dir noch immer nicht klar, warum ich Dich in Klasse 9 und 10 alles geheißen habe, Dich mit Schimpftiraden tituliert hatte und Du Dich deswegen in Deinem Gemobbt- Gefühl geahlt hast. Das mag an fehlendem Schuldbewusstsein oder auch an fehlender Selbsteinschätzung liegen. Über die Liebenswürdigkeit und die Attraktivität anderer zu urteilen, ist etwas Subjektives, das einem nur bedingt zusteht. Ich sag Dir ja auch nicht, dass man Deinem Neuen ansieht, dass er nur in Dein Fressenschema passt und ich hoffe, dass das sozial-normiert passiert. Kein Mensch muss im Schema eines anderen funktionieren – oder doch? Ich verstehe Deine Verhaltensweisen, weil ich mich mit Menschen Deiner Denke auseinandergesetzt habe – jahrelang. Ich verstehe, warum Du so handelst und gehandelt hast. Rein rational. Als Mensch finde ich Dich aus meiner subjektiven Sicht ziemlich bescheuert. Du verletzt andere, um an Deinem Egostate zu arbeiten. Du glaubst Du bist der „Nightmare dressed like a daydream“ für Frauen wie mich, doch ändert sich nichts daran, dass Du es nicht bist. Meine Figur hat Dich jahrelang dazu motiviert, mich aufzuziehen. Ich zog Dich mit Deiner Person, Deinem Habitus und Deinem fehlenden Talent auf. Ich hätte mich operieren lassen können, aber leider kannst Du Dir keine Fähigkeiten, keine Kompetenzen und keine Persönlichkeit anoperieren. Du wirst Dir auch nie Stil oder Habitus anoperieren lassen können, weil Du es nie erlebt hast und es Dir nicht aneignen konntest.

Finanziell wirst Du mehr Kapital als ich haben, ich habe dafür soziales und kulturelles. Dein Geld wird sich nie in Beziehungen und Fähigkeiten transferieren lassen, meins dafür schon. Und Bauer bleibt Bauer – egal wie sehr versucht wird, es zu ändern. Spätestens seit Deinem öffentlichen Debattieren über Dein Ehe-Aus – was ich nebenbei ziemlich grotesk fand. Du warst Teil einer verdienenden Oberschicht, jetzt bist Du Hipsterbraut und wirst vermutlich auch noch mehrfach Deine sozioökonomische Gruppe wechseln. Du solltest Dir vielleicht überlegen, ob Du nicht einfach versuchst, zu Dir selbst zu finden.

In geschützter Liebe – ich

 

Von verkannten Genies und der Verantwortung keines zu sein

Himmelarschungdzwirn – oder so. Genauso geht es mir oft, wenn ich meine überaus talentierten und ambitionierten Mitmenschen erlebe, strotzend vor Ego. Irgendwie scheint ihnen alles so zu gelingen, dass alles toll ist. Als ambitionierte Jungmusiker_innen Mitte 30, als ambitionierte Grafikgenies oder Modeblogger_innen. Überall sind diese Ambitionen.

Wir, deren Tantengeneration diejenigen waren, die vor 20 Jahren Müsli gegessen, Yogi- Tee getrunken und eine Glasarbeitsplatte in der Küche hatten. Eigentlich ist das nur ein kleiner Teil der Gesellschaft, die mich umgibt. Da ich ein Landkind bin, gab es das bei mir nicht so. Trotzdem habe ich jene Menschen um mich herum, denn ich habe momentan viel Kontakt zu Menschen meines Alters, die aber die Kinder der Kleinstadtintelligenzia sind. Diesen Menschen wurde in der Kindheit ein Samen eingeimpft, der heute wirre Blüten und etwas seltsame Auswüchse treibt. Was heute die 17- bis 22- Jährigen sind, die sauber mittelgescheitelt ihrer Existenz als Tussi und Hipster fröhnen, waren bei uns diese alternativen Prähipster (also diejenigen, die so aussahen, bevor es cool war und jetzt Tattoos von Andy Warhols Dosen oder Karostrümpfe tragen).

Der Keim des Erfolgs, der Indibvidualität und der Genialheit

Ich war nie eines der Kinder, die cool waren. Zum einen besuchte ich nicht eines unserer umgebenden Kleinstadtgymnasien, zum anderen hatte ich nie die Klamotten, die die coolen Kids meiner Klasse trugen. Meine erste Begegnung mit dieser Gattung Mensch hatte ich früh. Oft hatte ich als Teenager das Gefühl, dass diese Menschen in einer anderen Sphäre leben. Irgendwie schien ihnen alles zuzufliegen und sie hatten den Mut, sich darauf einzulassen.

Vielleicht wäre ich auch so geworden, hätten mich Tübingen, Heidelberg oder Freiburg angenommen. Vielleicht hätte ich eher einen Zugang dazu, wenn ich etwas anderes, als das Konformistenfach studiern hätte. Doch irgendwie, hinten links, bin auch ich so, nur auf meine Art und Weise.

Mein Zugang zu Hipstern

Um eines zu sagen: Ich mag das 90er Klamottenrevival nicht. Ich bin weder Freundin von Bauchfrei, noch von Tatooketten. Nicht, weil ich es mir nicht leisten könnte, sondern, weil ich es schon in den 1990ern als zweifelhaft empfand. Meine Haare sind zu pflegeintensiv für Mittelscheitel und mein Make-up hält eh nicht.

Doch trotzdem scheine ich einen Zugang zu haben – genauso wie zu depressiven Teenagerfreaks. Denn auch ich war einer von ihnen. Noch heute werde ich doof angesehen, wenn ich statt über Make- up, über Marvel philosophiere und statt Thor irgendwie eher Ant-Man scharf finde.Ich bin cool im Kleinen, so für mich, in meiner ganzen Freakigkeit. Weder meine modebloggenden Cousinen, noch meine Weltverbessererbekannten nehmen das wahr. Doch meine Saubande, meine Freunde und manchmal auch ich tun das. Egal ob mit oder ohne Carohemd und Mittelscheitel oder musikalischen Ambitionen. Zeichnen, nähen und Fotos machen kann ich übrigens auch nicht.

 

Sell Buddrbrätzl

Heute hatten wir eine etwas traurige Familienzusammenkunft. Im Zuge dessen gab es mal wieder Futter. Futter heißt bei der Verwandtschaft ca 5 cm dicke Hefezopfscheiben und Buddrbrätzl (nein, nicht Butterbrezel sondern schwäbisch ausgesprochen). Ich hatte noch (wir erinnern uns an meine Freundin Laktose) die stille Hoffnung, dass es Brätzl ohne Buddr gäbe.

Ich: Tschuldigung, haben sie auch leere Brezeln

Bedienung (bewegt erst mal ihren gemächlichen wohl proportionierten Popo in meiner Richtung und schaut mich wie ne Bulldogge an): Nä alle scho gschmiert.

Ich: Ok schade.

Bedienung: Koh mr ja au nondr kratza. Ond Diäd missed se net halda

 

Kurzzeitig überlegte ich mir, ihrer Familie einen ähnlichen Anlass zu schenken. Merke: Ich werde eine Liste beschissener und unfreundlicher Restaurants anlegen mit dem Vermerk: Da werd ich keinen Leichenschmaus veranstalten…

Toleranz fängt bei Laktose an

Kurz zu mir: ich habe seit 8 Jahren die Diagnose Laktoseintoleranz. Man kann damit leben und ich bin super im Ersetzen der Sachen. Trotzdem muss ich ständig fragen und mir blöde Sprüche anhören.

Allerdings bin ich auch mittlerweile die semicoole Expertin für Laktose- und Diabetesfragen. Deswegen muss ich ab und an darüber schreiben. Heute habe ich ein nettes Fundstück, das mich oft zu einem Haufen Selbstironie motiviert. Hell yeah! Das sollte eine Art Vorwarnung sein… Oder so

Latose

Kleiner Kanaltipp

https://www.youtube.com/channel/UCMh8IaiFs4iI3K2nWB_j-9g

Lu likes… ich mag sie, sie ist erfrischend ehrlich und haut rein. Ja, ich bin ken Model, weil 10 cm zu klein und 2 Kleidergrößen zu dick. Und ich bins gern. Sehr gern!

Holland und so

Nachdem erzählmirnix auf fettlogik das Thema Brüste geblogged hat. Auslöser war dieses Video…

Ich habe dieses Thema ja auch zu meinem gemacht, denn auch ich habe schon darüber geblogged. Wie oft höre ich von anderen Frauen dumme Kommentare zu diesem Thema. Andererseits beneiden mich viele Mädels darum, dass ich verhältnismäßig wenig Oberweite habe.

Mit 13/14 war es mir schrecklich peinlich, dass ich nicht so üppig ausgestattet war, wie andere Mädels. Ich kam mir unweiblich und schrecklich eckig vor. Nicht zuletzt die Aussagen mancher meiner Klassenkamerad_innen, die darüber, dass ich eben nicht kurvig war und mir die Haare abschneiden ließ, führten dazu, dass ich an meiner eigenen sexuellen Orientierung zweifelte. Heute muss ich darüber schmunzeln, aber allein der Gedanke, dass einem jemand eine Transidentität versucht aufzulabern, bewirkt in mir eine Art Brechreiz. Aber das nur am Rande…

Viel spannender finde ich Sätze wie: „Nur Frauen mit großen Brüsten sind attraktiv“, „Ich bin hübscher als Du, ich habe große Brüste“ und auch „An mir hat man etwas anzupacken, wer will denn so einen Knochen wie dich?“ Abgesehen davon, dass solche Aussagen einfach nur dazu dienen, jemand anderen zu verunsichern und zu verletzen, finde ich, lassen sie sehr viel deuten, wie der Mensch tickt, der so etwas sagt. Ich möchte auch einmal in meinem Leben auf mein Äußeres reduziert werden und das dauerhaft. Jeder liebt doch andere nur wegen deren Körper. Sympathie, Humor, gemeinsame Interessen und Werte sind völlig egal. Hauptsache die präferierten Körperteile sind so, wie man sie sich zusammenidealisiert. Ganz bumms, ob der Mensch an sich toll ist oder ein völlig hilfloser, antiliebenswerter Misanthrop.

Es auch noch geil zu finden, dass man selbst auf den eigenen Körperbau reduziert wird, ist ungefähr so cool, wie es damals die Leute waren, die in der Schule Schrei- und Weinkrämpfe hatten, wenn unter der Mathearbeit eine 1-2 bzw. nur 14 Punkte standen. Und wie auch in der Schule damals gilt für mich heute auch noch. Ich bin qualifiziertes Mittelmaß, an der einen Seite zu viel und an der anderen zu wenig. Na und?, das zeichnet mich ja auch aus. Wie damals im Abi. Ich bin noch heute stolz auf meine 4 Punkte im Mathe- Abi und meine eins im Abi in Deutsch und in Reli. Warum? Weil ich sonst BWL studiert hätte oder etwas anderes, mit dem man toll hätte Geld machen können und wahrscheinlich im ersten Semester schon abartig Schiffbruch erlitten hätte. So sehe ich das auch mit menschlichen Beziehungen. Wenn man nur auf ein äußerliches Attribut reduziert wird, das auch noch gut findet, erleidet man Schiffbruch und dagegen war die Titanic ein Kindergeburtstag mit rosa Hütchen.