Family & their reactions

Mein Cousin erzählt gerade Storys an der Uni herum, er stamme aus einer alten Architekten- und Ingenieursdynastie. Sowohl meine Urgroßeltern als auch meine Ururgroßeltern von dieser Seite waren Bauern. Sein Großvater war Maschinenschlosser und arbeitete sich zum Dipl. Ing hoch. Sein Vater macht auch etwas Vergleichbares. Drei Generationen mit ihm. Wow. Die andere Seite von mir stammt aus einer langen Tradition aus Bauern, die gerne mal andere mit Dreschflegeln verklopften, in Kriegszeiten es irgendwie hinbekamen, Heere anzuführen (ohne sie, wie ich es würde, zu verlieren) oder waren Priester.

Daraufhin konfrontierte ich mal Teile der Sippschaft mit dieser Aussage. Hier die empirischen Ergebnisse einer ethnografischen Studie im Land zwischen Knödeln und Kutteln.

„Mom, ich stamme fei aus einer Dynastie von Architekten und Ingenieuren.“
„Kind, Du warst echt schlecht in Mathe.“
„Ja, ich weiß.“
„Ich auch. Dynastie? Ist das ansteckend?“

„Vadder, ich stamme fei aus einer Dynastie von Architekten und Ingenieuren.“
„Du stammst aus einer Dynastie von Pyromanen, erfolgreichen Kneipenschlägern und Erleuchteten. Wir wurden generationenübergreifend entweder Bauern, Schreiner, Polizisten oder Geistliche. Sag das dem und walte Deines Amtes.“
„Ihm zu sagen, dass Lügen unchristlich ist.“
„Besinne Dich auf Deine Wurzeln und box ihm auf den Arm!“

„Brudilein, ich stamme fei aus einer Dynastie von Architekten und Ingenieuren.“
„Grummel. Nein Zwerg, die Holzkarotte kommt nicht in den Mixer. Himmelherrgott. Was?“
„Ich stamme fei aus einer Dynastie von Architekten und Ingenieuren.“
„Äh, du stammst aus einer Familie von Irren. Genauso wie ich. Machs wie Onkel P und werd Priesterin und versuch Papst zu werden. Dann richtest Du weniger Unheil an, als wenn Du Gebäude konstruierst. Glitzernde Gebäude. Nein, auch keine Holzkartoffel!“

queen-e

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Do you know…

Theodor W. Adorno…

Warum wir mehr Schwejks brauchen

Ein böhischer Hundehändler, der Kaiser und ein Krieg. Das ist Josef Schwejks Geschichte. Dem ein oder anderen mag der attestierte Idiot noch etwas sagen, weil er die Filmversion mit fritz Muliar kennt.

Jaroslaw Haschek hat eine wunderbare Satire auf Macht und ein grandioses Plädoyer gegen den Krieg geschrieben.

Jaroslaw Hašek – Der brave Soldat Schwejk (Osudy dobreho vojaka Svejka za svetove)

schwejk

Erstausgabe: 1923
Epoche: Moderne

Inhalt:

Am Tag, an dem das Attentat von Sarajewo stattfand und damit der Grundstein für den ersten Weltkrieg gelegt worden war, geht Josef Švejk (tschechische Schreibweise), der einige Jahre zuvor den Kriegsdienst quittiert hatte, da er laut ärztlicher Diagnose zu blöd dafür war, in seine Stammkneipe den Kelch (tschechisch: král). Durch ein Missverstehen wird er vom feindseeligen Polizisten Brettschneider verhaftet. Damit beginnt seine Reise durch das sich aufrüstende Habsburger Reich

Kritik:

Entweder man liebt oder man hasst ihn, den böhmischen Soldaten, der eigentlich nicht auf drei zählen kann und trotzdem so viel Weisheit versprüht… Er sinniert über den ersten Weltkrieg, über die Eskalation in einem zerzankten Europa, das im Begriff ist, sich neu zu ordnen. Weder links noch rechts betrachtet Hašek diese Zeit ironisch, aber mit einem sehr liebevollen Augenzwinkern für die einfachen Leute. Das Militär und die Obrigkeit bekommen hingegen ihr Fett weg und man erkennt einige Parallelen mit dem heutigen Beamtenstand.

Dabei offenbart Hašek eine wichtige Erkenntnis: Egal auf welcher Seite wir stehen, wir sind Menschen. Eigentlich könnten wir uns, wenn die Politik nicht wäre, durchaus sympathisch sein.

Warum man es gelesen haben muss:

Für mich als Böhmischstämmige mit großer Affinität zu verzierten Buchstaben ist es ein Muss. Doch auch für Menschen, die sich als Pazifisten und kleine Unruhestifter sehen, die gerne der Gesellschaft und mit ihr ihren Obrigkeiten den Spiegel vorhalten, ist es eigentlich eine Pflichtlektüre. Wer Geschichte aus dem Winkel der Satire verstehen will, sich einen klassischen Pikaroroman zu Gemüte führen oder einfach herzlich lachen möchte, ist das eine Wohltat.

 

Daten:
Hašek, Jaroslaw: Der brave Soldat Schwejk

Rohwolt
365 Seiten

ISBN-13: 978-3499104091

Ivaniča-Antoinette

Ich habe wieder etwas gefunden, ich lästerliches Weibsstück… Ivanka Trump hat in ihrem Online-Shop-Blog-Whatever Ziate von sich und sie sind so dumm, dass sie schon wieder witzig sind. Deswegen werden diese Zitate jetzt philosofistet. Wer meine Beiträge liest, kennt aus langer Vergangenheit das Philosophisteneckchen.

Voila, here it is. In der Kategorie „Wise Words“ postet sie diese. Neben Zitaten von Anne Frank und Coco Chanel, die sie in den Kontext einer bourgeoisen Leistungsideologie stellt, veröffentlicht sie auch ihren eigenen Senf.

ivanica

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„Der einfache Pfad ist gewöhnlich nicht der, der es wert ist, ihn zu gehen.“

Darauf erst mal nen Respektrülpser. Alter Latz, wenn mir eine Milion-Dollar-Princess erzählt, dass man den schwierigeren Weg gehen soll, dann möchte ich in ihr hübsches Gesicht treten. Unvermittelt.

Jemand, der an sackteuren Privatuniversitäten studierte, erklärt mir, dass man den schwierigen Weg gehen müsse. Dazu gehört noch ihre presbyterianische Sozialisation, deren Grundgedanke ist, dass nur der, der den schweren Weg geht, von Gott mit Reichtum belohnt wird. Dass aber Reichtum einem das Leben doch nicht ganz unerheblich erleichtert, vergisst sie dabei aber.

Bereits 1904 veröffentlichte Max Weber seine Schrift „die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, da der Presbyterianismus sich vom Calvinismus ableitet, stellt dieser eine verschärfte Form protestantischer Ethik dar.

Interessant ist hier sicherlich auch der Verweis auf die Lebenswelt Frau Trumps – über die ich mir aber kein Urteil bilden möchte, da ich sie nicht kenne.

Doch wirken gerade solche Zitate aus dem Mund oder der Feder einer Millionärstocher und Geschäftsfrau wie blanker Hohn gegenüber Menschen, die ihren Job verloren haben oder die aufgrund von finanziellen Problemlagen sich nicht verwirklichen können. Gleichzeitig muten sie nahezu zynisch an, wenn man sieht, dass ihr Vater eine Elitenpolitik, die auf Ausbeutung der Arbeiterklasse basiert, betreibt.

In dem Sinne: Nachtigal, ick hör Dir trapsen.

Jetzt wird’s katholisch…

Wir sind also rückständig und etwas schrullenhaft… Sagt man so.

Da ich immer wieder mit Ordensleuten zu tun habe, hat mich der Tipp meiner Kollegin sehr gefreut. Schwester Salome bloggt über ihr Leben im Kloster und ich bin wahnsinnig fasziniert von diesen unheimlich aktiven, um andere bemühten Menschen in großen Gemeinschaften.

https://salome-barefoot.blogspot.de/

Toller Blog, der sich mit einem etwas anderen und sehr bewussten Leben befasst.

Allergische Reaktionen auf sogenannte Christen

Hätte 1517 jemand einfach mal in der Wittenberger Innenstadt einen Magnet ausgepackt, wäre mir eins erspart geblieben: Eierschaukeln von Chefchristen.

Jeder darf nach seiner Fasson seelig werden, aber verfickt nochmal, ersetzt Gott kein Gehirn und kein eigenständiges Denken. Ich bin eine gläubige Frau und befinde mich mehrfach täglich in der Auseinandersetzung mit der Theodizeefragen, nur verdammte Scheiße, warum setzt man mich und meine zugegeben sehr liberale Denkweise – die auch Riten und vor allem die Bibel hinterfragt, immer mit diesen vermaledeihten sexualfeindlichen, kapitalismushörigen und vor allem ungebildeten Superchristen.

Ich weiß, Gott stellt mich mit diesen teilweise echt kognitiv auf Ferienfreizeit befindlichen Menschen auf die Probe und irgendwann raste ich aus. Ich verhaue sie mithilfe der Bibel und zwar so lange, dass sie endlich blicken, dass es sich um ein von Menschen verfasstes Dokument handelt. Nein, nicht Gottes Wort ihr geistigen Blindfische, sondern die eines römischen Kaisers. Auch Gott hat nicht die Daten für irgendwelche Hochfeste festgelegt, sondern das Konzil von Niacäa. Und verdammt nochmal, da saß Gott keinem auf der Schulter.

Wir interpretieren Gott alle unterschiedlich. Gott ist universell und geht vor allem nicht in diesen Hinterwäldlerverstand mancher Menschen hinein, deren Glaube nichts anderes ist als das neurotische Festhalten an tradierten Regeln und Gebräuchen, aus Angst, dass ihr Weltbild für die Tonne sei.

Das musste mal wieder gesagt werden. Vor allem, weil ich NICHT mit diesen Elitechristen in eine Schublade gesteckt werden will.

Klicktipp

Wer den Postilion mag, wird sich auch zur Tagespresse hingezogen fühlen. Bissiger, österreichischer Schäh und dazu wunderbar schwarzer Humor.

Grandios. Sehr grandios.

Definitiv ein Klicktipp 🙂

Buchtipp

Keri Smith – Wie man sich die Welt erlebt

Ein tolles Buch, um herauszufinden, wie man selbst die Welt sieht. Auch etwas aus der Achtsamkeitsreihe, das ich grandios zum Schulen der eigenen Wahrnehmung finde. Indem man Kunst macht, wenn man versucht, die Welt wissenschaftlich zu beobachten, reflektiert man die eigene Wahrnehmung und die eigene Weltsicht.

Um die Kreativität in den Alltag einziehen zu lassen, ist das das richtige Buch. Man kann kleben, malen, zeichnen und gleichzeitig analysieren und beobachten.

Tolle Sache – nicht nur zur Selbstfindung, sondern auch zur Beobachtung der eigenen Beobachtung. Würde mancheine_r_m auf den Trips ganz gut tun…

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Wanzentage

Für eine liebe Freundin, der ich diesen Artikel widme, weil es ihr genauso geht. Danke, dass wir unsere Freundschaft wiedergefunden haben ❤

Manchmal habe ich das Gefühl, dass gerade im Akademikermilieu viele Menschen unterwegs sind, die sich als ultimative Superwaffen der Menschheit sehen. Im meinem Bekanntenkreis laufen diverse Contests.

Neulich postete eine meiner Lehrerbekannten, wie sie mithilfe eines Arsenals an Küchenmaschinen Kekse für den Backwarenverkauf ihrer Schule produzierte. Wow. Eine andere schrieb mir etwas hysterisch, wie man denn einen Fikus pflege. Da jede Pflanze bei mir einen grausamen Tod stirbt… mir egal.Die einzigen Pflänzchen, die ich aufziehe sind die menschlichen. Bei jemandem, bei dem schon Saubohnenpflänzchen einen qualvollen Tod sterben, weil sie stinken, der sollte keine Botaniktipps geben.

Doch meine Umwelt ist voll davon. Die eine näht gerne. Kann sie, postet sie und ich frage mich, wann ihr mal eine Mutter von benähten Kleinkindern sagt, dass Mützen aus Jeansstoff vielleicht weniger nützlich für Kleinkinder sind. Mittlerweile hat das alles Wettbewerbscharakter entwickelt – und ich bin raus.

Mir egal, wer welche Pflanzen zieht, wer ein Supersonderzertifikat in kirigisischem Klöppeln oder in georgische Schriftzeichen malen hat. Mir egal. Echt!

Warum müssen wir alle in einen Wettbewerb treten? Egal ob beim Heiraten, der Familienplanung oder unserer Freizeit. Wie oft werde ich gefragt, eben von jenen fikuszüchtenden, mützennähenden Spiesermädels, wann es bei mir so weit sei. Zum einen frage ich mich, was das wen angeht, zum anderen, seit wann das nicht mehr Schatzkes oder mein Bier ist.

Ich habe mich mit 19 schon darüber aufgeregt, als meine Klassenlehrerin in Klasse 13 fragte, wann ich denn plane Mutter zu werden. Jetzt bin ich 29 – so what. Warum glauben Leute, es gehöre zum Erwachsenwerden, scheinbare Erwachsenenprobleme zu haben? Warum muss ich mich um’s Verrecken vor meinem 32er noch fortpflanzen und warum überhaupt?

Noch trage ich meine Verantwortung für mein Leben – das zwar nicht ganz so schlecht, aber noch nicht gut genug für Verbindlichkeiten wie Kinder. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Frauen um mich, war ich schon einmal 2 Jahre lang Ersatzmutter und – auch wenn ich die Kiddis meines Exfreundes schätze – meins war es damals (noch) nicht. So what. Ich will meine Freiheit, meine Zeit und die Zeit, die ich brauche, um Dinge wasserfest zu machen.

Das ist zwar spießig, aber besser als Fiken (ist das der Plural?) zu züchten.

 

Hilfe, ich muss mein Ref abbrechen

 

Diese Entscheidung bedeutet für viele, ihren Lebenstraum abzuhaken. Denn Lehrer_in zu werden bedeutet auch, sich auf ein anderes Leben einzustellen, wie es die meisten führen. Man entscheidet sich in aller Regel sehr bewusst dazu, Kinder unterrichten zu wollen. Leider ist es oft so, dass man das, was man dann will, durch Gutachten und doch oftmals recht subjektiv geprägte Eindrücke von Mentor_en_innen, Schulleiter_n_innen und Seminarlehrbeauftragten aufgeben muss. Sich nach einem Lehramtsstudium etwas Neues zu suchen und aufzubauen, ist allerdings hart.

Wir sind nicht alle die Stings, J.K. Rowlings oder Thomas Gottschalks, die eine fulminante Karriere nach dem Niederlegen eines Berufs im Lehramt starten. Doch wer abbricht, sollte sich darüber im Klaren sein: Man ist nicht allein mit diesem Schritt. Wir sind in meiner Firma fünf – also gut ein Drittel der Belegschaft, die sich umorientiert hatten und im sozialen Bereich finden sich immer wieder ähnliche Biografien. Trotzdem ist das Hinschmeißen aber auch das Hinschmeißenmüssen ein harter, um nicht zu sagen, traumatisierender Schritt.

 

Was bewegt Menschen dazu, das Lehramt hinzuschmeißen

Es gibt eine Reihe von Faktoren. Oft sind es fachliche Defizite, die Anwärter_innen aufweisen und die dazu führen, dass sie aus dem System Schule ausscheiden wollen. Doch nicht nur. Oft ist es auch das System selbst, denn viele – gerade Geisteswissenschaftler_innen – haben Probleme dabei, sich hierarchischen Strukturen unterzuordnen. Ebenso ist es bei älteren Referendar_en_innen oft zu beobachten, dass diese Probleme mit ihren Mentor_en_innen haben, da unterschiedliche Auffassungen von Unterricht herrschen. Vor allem die Konstellation eines recht jungen Ausbilders und eine_r_s lebenserfahreneren Anwärter_s_in führen oft zu Konflikten im Ausbildungsverhältnis. In Kombination mit Rektor_en_innen, die sich bedingungslos vor, hinter und über Mentor_en_innen stellen, kann es sehr schnell sehr eng für Referendar_e_innen werden.

Zudem kommen oft Situationen, in denen drei erfahrene(re) Lehrkräfte (Ausbilder, Rektor und Seminarlehrkraft) gegen d_ie_en Referendar_in stehen, da diesem durch verschiedenste Konstellationen, die ein Dilemma bereits beinhalten, was die Lage de_s_r Anwärter_s_in noch erschweren. Hinzu kommen oft Gesprächsführungsstrategien, die einschüchternd und wenig wertschätzend sind. Nach vielen Gesprächen mit gescheiterten Anwärter_n_innen – und zugegeben auch durch meine Biografie – wurden vor allem extrem direktive Aussagen und ein geheucheltes Verhältnis auf Augenhöhe als ausschlaggebend für einen Abbruch genannt.

 

Ich (muss) kündige(n) – was nun?

Erst einmal: Scheiße gelaufen. Man muss sich binnen kürzester Zeit neu orientieren, das eigene Selbstwertgefühl irgendwie wieder aufbauen und schauen, dass man etwas findet, womit man sein Geld verdienen kann. Denn was die meisten Lehrbeauftragten, Ausbilder_innen und Rektor_en_innen irgendwie nicht zu verstehen scheinen: Man wird mit voller Wucht emotional auf die Erde gepfeffert, was einen einerseits therapiebedürftig, andererseits aber auch in Anbetracht von Zeitdruck dazu veranlasst, schnell weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen. Drei Monate Kündigungsfrist ohne beendete Ausbildung in einer extrem schmalen Nische befeuern Selbstzweifel. Aussagen von Rektoren, die tröstend wirken sollen, verfehlen ihr Ziel oft und man ist geräderter als vorher. So hart es klingt, man muss beginnen, sich selbst an den Haaren aus der Scheiße zu ziehen.

Hilfreich sind daher oft Berufsberatungen beim Arbeitsamt. Auch Tests zur Bestimmung des eigenen Begabungsprofils können helfen, zumindest eine Richtung für sich zu finden. Kommen dann noch rechtliche Geschichten, wie Formfehler, fehlende Gutachten oder Härtefallregelungen hinzu, wird diese sowieso schon belastende Situation zur Qual.

Mein Studium ist also wertlos

Auch wenn es einem oft nicht klar ist, man hat etwas in der Hand. Leider wissen das zukünftige Arbeitgeber nicht. Deswegen sollte man sich vom Kultusministerium den eigenen Abschluss als gleichwertig mit anderen pädagogischen im Rahmen des Europäischen oder Deutschen Qualifikationsrahmens anerkennen lassen. Das Staatsexamen Lehramt für Grund- und Hauptschule in Baden- Württemberg ist beispielsweise mit einem Bachelor gleichwertig, ein Examen für das Lehramt Realschule ist sogar von den Creditpoints her noch etwas höherstehend.

Allgemein kann aber davon ausgegangen werden, dass ein Studium mit einer Regelsemesterzahl von sechs Semestern und 30 CPs mit einem Bachelor gleichzusetzen ist, wobei je nach Semesteranzahl auch die Anzahl der CP steigt.

Macht euch außerdem nicht kleiner als ihr seid. Allein durch Nebenjobs erwirbt man auch Qualifikationen, die einen attraktiv machen. Wer beispielsweise Ferienfreizeiten geteamt hat, hat eine wichtige Ressource im Umgang mit Kindern oder Jugendlichen. Auch ein FSJ/FÖJ sind oft hilfreich, um eigene Qualifikationen zu untermauern. Dasselbe gilt auch für Ehrenämter.

Mit dem Staatsexamen hat man zudem die Möglichkeit, einen Master auf das Studium zu setzen. Hier einfach an den jeweiligen Unis nachfragen.

Ebenso sind abgebrochene Lehrer durchaus für Unternehmen attraktiv. Denn man hat Ressourcen, die einem nicht mal mehr die biestigsten Lehrbeauftragten, Rektor_en_innen oder Mentor_en_innen nehmen können: Ihr habt einen fachlichen Abschluss in Euren Fächern und in Pädagogik/ Psychologie. Das macht einen vor allem für die Wirtschaft attraktiv. Hier sollte man sich insofern gut verkaufen, dass das schnelle, zielgerichtete Erarbeiten und Präsentieren von Inhalten wichtig ist – auch für Unternehmen.

Wenn einen das Unterrichten nicht los lässt, dann hat man auch die Möglichkeit, an eine Privatschule auf Angestelltenbasis zu gehen oder in anderen pädagogischen Feldern, beispielsweise bei freien Bildungsträgern Fuß zu fassen. Ich habe beispielsweise Politikwissenschaft studiert und arbeite nun unter anderem in der politischen Jugendbildung. Eine Bekannte von mir ist bei einem Autobauer in der Verwaltung und sie meint, dass ihr das Germanistikstudium wichtige Kompetenzen vermittelt hat, was die Korrespondenz mit Chefetagen erleichtert.

 

Gebt Euch nicht auf

Nachdem einem der gesamte Selbstwert geschreddert wurde, ist es hart, sich auf Neuland zu wagen, aber die Erfahrung nimmt Euch niemand. Ihr kennt die Situation, vor Tribunalen aus Rektoren und Lehrern zu stehen. Nutzt es für Euch.

Ihr könnt viel, ihr könnt Inhalte erarbeiten, Positionen vertreten und Dinge darstellen. Ihr könnt Gespräche führen, beraten und niederschwellige Angebote schaffen. Seid offen, geht offen mit dem Abbruch um, denn auch Scheitern ist wichtig im Leben. Und niemand nimmt Euch Eure Erfahrungen. Seid mutig, kämpft und lasst Euch nicht unterkriegen, denn auch die mieseste Lehreranwärterin des Landes Baden- Württemberg – im Ranking noch vor Gudrun Ensslin – hat nun die Perspektive, die sie glücklich sein lässt.

Sucht Euch weitere Betroffene, denn es gibt immer jemanden, der auch schon hingeschmissen hat. Fragt diese Menschen, holt Euch Ratschläge und zieht Euer Ding durch.

Da es einige in meinem Umfeld erwischt hat, kann ich von anderen Nischen berichten, wo sie untergekommen sind: Sei es die klassische Sozialpädagogik, Verwaltungslaufbahnen oder auch die freie Wirtschaft. Vom Chefcontroller, über die Personalchefin einer großen Firma bis hin zu Ausbildungsberater_n_innen oder Referent_innen bei karitativen Einrichtungen. Auch der Weg in die Psychotherapie ist möglich mit einem Lehramtsexamen. Ihr habt Optionen – nutzt sie.

Und selbst Marilyn sagte einst:

„Alles passiert aus einem Grund. Menschen ändern sich, damit du lernst loszulassen. Dinge gehen schief, damit du zu schätzen weißt, wenn es gut läuft. Du glaubst einer Lüge, damit du lernst, nur dir selbst zu vertrauen und manchmal bricht etwas Gutes auseinander, damit etwas Schöneres zusammenkommen kann.“ (Marilyn Monroe)

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