Ich bin Pumuckel!

Seit meiner Kindheit liebe ich diesen kleinen anarchistischen Kobold. Beim Titellied singe ich textsicher mit und wenn die Wiederholungen laufen fühle ich dieses warme Gefühl von Glück und heimeliger Zufriedenheit. Die kleine, leicht chaotische Comicfigur, die Meister Eder manchmal mit seinen Streichen  an den Rand treibt, war mein Held.

Irgendwie fühle ich mich in dem ganzen Bedürfnischaos wie Pumuckel, denn täglich werde ich auf dem Weg zur Arbeit an meine scheinbaren Bedürfnisse, Deutschsein, paranoides Sicherheitsdenken und die Angst davor, dass mir jemand etwas wegnimmt. Man wird nahezu zu einer Art kollektiven Paranoia gezwungen, bei der man Angst und Panik bekommt, nur wenn jemand auftaucht, der scheinbar fremd ist.Wir hatten vor Jahren einmal das Unwort „Neidkultur“ und genau das ist das, was momentan versucht wird, zu vermitteln.Unter Lafontaine war es der Neid auf ökonomisch besser gestellte Personengruppen, heute sind es die Ärmsten der Armen. Es werden dabei Harz IV- Empfänger_innen, Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten und andere sozial schlechter gestellte Menschen gegen Flüchtlinge ausgespielt – und das sehenden Auges. Mit welchem Ziel?

Eine Partei, die scheinbar aus Akademiker_n_innen besteht, die aus einer sozial höher gestellten Schicht stammen, versammelt das Prekariat hinter sich, um sie unter Berufung auf das einzige, gruppenkonstruierende Merkmal, das sie alle gemein haben, nämlich eine Angst vor dem Fremden – also allem, was nicht deutsch ist – zu vereinen.So schafft sie sich die Möglichkeit über andere Macht auszuüben, getragen vom Gedanken, an eine eigene Identität – was auch immer das sein mag.

Genau hier kommt mein kleiner, rothaariger Kobold ins Spiel. Pumuckel ist in diesem Punkt anarchisch, denn er sieht sich dem Meister Eder als ebenbürtig an. Sein Selbstverständnis – hebt man den Meistertitel des Schreiners auf eine philosophisch, leitende Ebene – ist gleichberechtigt. Er zwingt den Meister dabei, sich auf seine Augenhöhe zu begeben, wie es Kinder oft tun und emanzipiert sich damit von seiner Rolle als Kobold. Statt also für ihn zu sprechen, was ihn durch seinen Titel ja durchaus dazu legitimieren würde, über den Kobold zu bestimmen. Das kann er aber nicht, weil Pumuckel die Macht über sich selbst innerhalb des wahrheitsschaffenden Diskurses hat. Pumuckel agiert also im Sinne Foucaults und destruiert bisherige gesellschaftliche Hierarchien und Machtkonstrukte. Pumuckel ist super, weil er tut, was jeder emanzipierte Mensch tun sollte, sich nämlich nicht von Titel leiten lassen. Wir lassen mal bewusst außen vor, dass der alte Schreiner ein liebenswerter Mensch ist, der den Kobold mag.

Wir sollten mehr wie Pumuckel sein, wenn es um hierarchische Machtberhältnisse geht. Pumuckel neckt, Pumuckel versteckt was weg und das sollten wir auch tun, wenn wir uns nicht entmündigen lassen wollen. Vor allem nicht, von Herrn und Frau Prof. Dr. Selbsternannte Authorität. Dabei meine ich nicht, dass man vandalistisch durch die Straßen ziehen sollte, sodern vielmehr Dingen mit Ironie begegnen sollte. In dem Sinne: Hurra hurra!

 

 

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Prinzesslichkeit

Ich liebe diesen Satz, wenn er aus dem Mundwerk einer Drei- bis Achtjährigen kommt und sich auf das Tragen rosa Kleidungsstücke bezieht. Der Traum ist wohl so alt, wie es die Monarchie gibt (naja eher die absolutistische): Man hat als Frau einen Kleiderschrank in dem man sich locker verlaufen kann und der bis oben hin angefüllt mit Juwelen, Kleidern, Schuhen und Zeug ist. Man hat Sonderrechte, muss sich nur um das eigene Amüsement kümmern und ab und an einem Stammhalter auf diese Welt verhelfen, wohlwissend, nicht einmal ansatzweise Verantwortung für dieses Kind übernehmen zu müssen.

Ja ich finde diese Vorstellung auch toll. Vor allem ließen sich da nervige Menschen prima verhungern lassen. Irgendwann dann kommt ein geschlechtsreifer Prinz auf seinem Pferd angezottelt, ist von der eigenen Schönheit so verzückt und ehelicht einen postwendend… Danach gibt es nur glücklich und debil strahlende Herrscherinnentage und ja kein schmutzigen Dinge, wie Dreckwäsche. Das wäre das Idealbild, dem leider auch noch Frauen ü 20 verfallen sind.

Spätestens aber wenn Prinzessin Di oder eine der anderen Hochadelsschicksen von einem bewusst wahrgenommen werden, fragt man sich, ob das alles nicht vielmehr ein Aufsitzen auf einer Illusion ist. Das im Ballkleid durch ein Schloss wandeln, is nich, genauso wenig wie das Schnellehelichen. Und dank der Erfindung gibt es leider auch nicht mehr die Möglichkeit Menschen durch die Gegend zu kommanideren – wenn man mal diverse Jobs wie Bundeswehroffizier oder Kindergärtnerin ausklammert.

Auch das Finden eines passenden Männchens gestaltet sich als schwieriger als gedacht, oder welcher Mann setzt sich heute noch freiwillig in Strumpfhosen auf einen Gaul. Zu dem sieht das, wenn ich es mir recht überlege ziemlich affig aus…

Trotzdem wünschen sich viele Frauen eine Märchenhochzeit à la Sissi. Alleine das Tragen einer meterlangen Schleppe verzückt auch mein Herz mit Prinzessinengefühlen, ebenso die Vorstellung behängt wie ein Pfingstochse mehrere Stunden Hochzeitszeremonie über mich ergehen zu lassen. Im Hintergrund dröhnt die 47- registrige Orgel der Augustinerkirche in der Hofburg und ich muss vor mehreren Hundert Gästen und rund 70 Bischöfen aus den Bistümern von Tirol bis Galizien, von der Vojvodna bis Schlesien. Natürlich macht es Spaß wie ein Kampfpanzer meine Dronen in Form von Hofdamen um mich herumzunavigieren, in ständiger Sorge nichts falschzumachen.

Ich stelle mir das als riesigen Spaß vor. Wenn ich dann noch erblich vorbelastet, bulimisch und lyrisch völlig besessen wäre, dann wäre ich die ideale Märchenkaiserin für alle keinen Mädchen. Sissi ist eine historisierende und romatisierende Fiktion der 1950er Jahre und wenn ihr noch immer glaubt, Eure Hochzeiten müssten so aussehen, dann mach das. Nur muss ich mir dieses Gedönz nicht geben. Lasst Tauben steigen. aber wundert Euch nicht, wenn sie Euch aufs Kleid scheißen, ladet drölfzig wichtige Menschen ein und greift Geschenke ab, aber seid dann nicht beleidigt, wenn sich am Ende alle in der Wolle haben.

Prinzessin mit über 20 sein zu wollen, erinnert mich immer etwas an die Frauen, die in diesem Alter Hello Kittie und die Minios lieben, weil sie ja so süß, fluffig, flauschig und sonstwas sind. Doch liegt dem nicht auch der Wunsch danach zugrunde, gar nicht erwachsen werden zu wollen und sich lieber Illussionen und dem Willen nach Sicherheit, Geborgenheit und Nestwärme hingeben zu können? Unser Leben ist nicht wie das unserer Großmütter. Wir haben heute als Frauen, viele und andere Möglichkeiten, wir haben aber auch andere Aufgaben, die uns manchmal an unsere Grenzen bringen. Es reicht nicht mehr, wenn nur ein Elternteil voll arbeitet. Es wird immer schwerer, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, da der Fortschritt auf dem Arbeitsmark immer schneller und massiver wird. Gleichzeitig seht man sich nach mehr Ruhe, Sicherheit und Langsamkeit, dem Gedanken aufsitzend, dass dies aber in der Form besser wäre. Genau hier geht man dann der Illusion auf den Leim, diese Zeit wäre ruhiger, friedlicher und stiller gewesen.

Und irgendwie steckt es doch in vielen Frauen, dass sie gerne einmal Prinzessin wären, gerne das lange Tüllkleid tragen würden und mit dem Traumprinzen bis ans Ende dieser Welt glücklich sein. Doch genau das bekommt man nie – egal wie viel Strass und Tüll und Chichi. Und am Ende sollte man auch wissen, auch Sissy hatte Eheprobleme und Schicksalsschläge zu verkraften. Warum sonst verbrachte sie so viel Zeit fernab Wiens auf Korfu?

Romy Schneider und Karlheinz Boehm in dem Ernst-Marischka-Farbfilm
Romy Schneider und Karlheinz Boehm in dem Ernst-Marischka-Farbfilm „Sissi, die junge Kaiserin“