Klicktipp

Irgendwann in einem Anflug mieser Laune stieß ich auf BBC 4 und die Youtubereihen. Ich stehe total auf die Reihe „What is love“ in der das Phänomen der Liebe wunderschön mit tollen Cartoons erklärt wird.

Wanzentage

Für eine liebe Freundin, der ich diesen Artikel widme, weil es ihr genauso geht. Danke, dass wir unsere Freundschaft wiedergefunden haben ❤

Manchmal habe ich das Gefühl, dass gerade im Akademikermilieu viele Menschen unterwegs sind, die sich als ultimative Superwaffen der Menschheit sehen. Im meinem Bekanntenkreis laufen diverse Contests.

Neulich postete eine meiner Lehrerbekannten, wie sie mithilfe eines Arsenals an Küchenmaschinen Kekse für den Backwarenverkauf ihrer Schule produzierte. Wow. Eine andere schrieb mir etwas hysterisch, wie man denn einen Fikus pflege. Da jede Pflanze bei mir einen grausamen Tod stirbt… mir egal.Die einzigen Pflänzchen, die ich aufziehe sind die menschlichen. Bei jemandem, bei dem schon Saubohnenpflänzchen einen qualvollen Tod sterben, weil sie stinken, der sollte keine Botaniktipps geben.

Doch meine Umwelt ist voll davon. Die eine näht gerne. Kann sie, postet sie und ich frage mich, wann ihr mal eine Mutter von benähten Kleinkindern sagt, dass Mützen aus Jeansstoff vielleicht weniger nützlich für Kleinkinder sind. Mittlerweile hat das alles Wettbewerbscharakter entwickelt – und ich bin raus.

Mir egal, wer welche Pflanzen zieht, wer ein Supersonderzertifikat in kirigisischem Klöppeln oder in georgische Schriftzeichen malen hat. Mir egal. Echt!

Warum müssen wir alle in einen Wettbewerb treten? Egal ob beim Heiraten, der Familienplanung oder unserer Freizeit. Wie oft werde ich gefragt, eben von jenen fikuszüchtenden, mützennähenden Spiesermädels, wann es bei mir so weit sei. Zum einen frage ich mich, was das wen angeht, zum anderen, seit wann das nicht mehr Schatzkes oder mein Bier ist.

Ich habe mich mit 19 schon darüber aufgeregt, als meine Klassenlehrerin in Klasse 13 fragte, wann ich denn plane Mutter zu werden. Jetzt bin ich 29 – so what. Warum glauben Leute, es gehöre zum Erwachsenwerden, scheinbare Erwachsenenprobleme zu haben? Warum muss ich mich um’s Verrecken vor meinem 32er noch fortpflanzen und warum überhaupt?

Noch trage ich meine Verantwortung für mein Leben – das zwar nicht ganz so schlecht, aber noch nicht gut genug für Verbindlichkeiten wie Kinder. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Frauen um mich, war ich schon einmal 2 Jahre lang Ersatzmutter und – auch wenn ich die Kiddis meines Exfreundes schätze – meins war es damals (noch) nicht. So what. Ich will meine Freiheit, meine Zeit und die Zeit, die ich brauche, um Dinge wasserfest zu machen.

Das ist zwar spießig, aber besser als Fiken (ist das der Plural?) zu züchten.

 

Wochenrückblick

 

|Gesehen| Kopierpapier, mein neues Büro, meine neue Saubande, viel Dreck und Staub

|Gelesen| Blasmusikpop, Erich Fromms Abhandlungen zu Ohnmacht, meine Präsis,

|Gehört| Brandy, you’re a good wife, Záhadnou lasku mam…, „you did an awesome job“ ❤

|Getan| Kopiert, Mails beantwortet, über Sicherheit, Orga und sonstwas debattiert, durch’s Haus telefoniert
|Gegessen| Pizza, Nudeln mit Gemüse, Kekse, Mohnschnecken (Danke an die Mädels aus der Verwaltung)
|Getrunken|Tee, Kaffee, Karamalz, Pilsner Urquell, Wasser, Punika kesse Kirsche (geiles Zeug)
|Gedacht| „Moahr“, „Sterbi“, „uuuuh, ein Anruf von C.“
|Gefreut|Über meine Monschnecke und den Satz: Ich mag, dass Du so bist.
|Gelacht| Meine Saubande, dumme Sprüche in der Mittagspause
|Geärgert| Über fehlende Distanz – der Dauerbrenner
|Gewünscht| So ein Zeit-Zurückdrehdingens aus Harry Potter
|Gekauft| Leuchtturm 1917 ❤
|Geklickt| http://www.nzz.de

karma

Das literarische Solo

Jeffrey Eugenidis – Middlesex (2002)

middlesex

Erstausgabe: 2002
Epoche: Amerikanische Postmoderne

Inhalt:

Als 1922 die griechische und die armenische Minderheit in der Türkei systematisch ausgerottet wird, beschließen Lefty und Desdemona das Land zu verlassen und in die USA zu migrieren. Das Liebespaar traut sich auf dem Schiff, das sie in die USA bringen soll – was aber keiner weiß – dass beide Geheimnisträger sind. Dieses Geheimnis erweist sich als folgenschwer, als ihre Enkelin Caliope geboren wird.

Kritik:

Liebevoll verpackte Gesellschaftskritik, die sich mit der Assimilation von im 20. Jahrhundert eingewanderten Europäern in die USA und deren Überidentifikation befasst. Nebenbei erhält man eine Geschichtsstunde zur Nachkriegsgeschichte des Ersten Weltkrieges aus zwei Perspektiven: Der Othodox-Griechischen und der assimilierten von Migrantinnen in die USA.

Dabei wird die Geschichte von Caliope sensibel erzählt, ihre Kindheit und Pubertät bis hin zu ihrer Erwachsenenzeit, indem Eugenidis Cal selbst erzählen lässt.

Warum man es gelesen haben muss:

Die Themen Integration vs. Assimilation und sexuelle Orientierung sensibel, mitfühlend und empathisch erzählt bewegen einen zum Umdenken und stellenweise zum Schmunzeln. Caliopes Vater Milton und der Wille ein echter Amerikaner zu werden, ihr Bruder, liebevoll Pleitegeier genannt, und ihre Identitätsfindung machen einen oft auf das aufmerksam, auf das man selbst mit dem Finger zeigt.

Sehr lesenswert vor allem für Menschen, die auf Demonstrationen gehen, die vorgeben, für alle zu sein und doch alle, die anders sind, ausgrenzen.

Das Mädchen im grünen Bikini

Gedanken einer Noch-Nicht-Mutter…

Gerade wird der Brief einer Mutter geteilt, die diesen an ein Mädchen im grünen Bikini geschrieben hat. An das Mädchen in der Clique mit den Komplexen. Ich war auch eines und habe mehr als 15 Jahre gebraucht, um es nicht mehr zu sein. Das habe ich geschafft, weil ich diese Menschen um mich hatte, ganz besonders Schatzke und weil ich viel Zeit zum Nachdenken hatte.

Ich weiß noch, als ich mit 13 anfing, Komplexe zu entwickeln. Bis zu meiner Pubertät und den Aufklärungsstunden meiner Biolehrerin war mir mein Körper egal. Er war halt da, aber mein größtes Problem war damals noch, wie ich meinen Zeitplan aus Musik, Sport und Freizeit organisierte. Schule fiel mir leicht, Freundinnen hatte ich nicht wirklich – es war eher eine Art Zweckgemeinschaft der Uncoolen und Jungs waren für mich so attraktiv wie die Vorstellung zum Zahnarzt zu gehen. Doch dann kam meine Mitschülerin in die Klasse, die völlig entwickelt war – ich nicht. Statt einer Doppel-D-Oberweite bekam ich breite Hüften. Ich habe diese Dinger noch immer und mittlerweile finde ich sie sogar echt tolerabel. Das fanden meine Mitschüler damals nicht. Aufgrund meines eher geradlinigen Charakters (Danke an meine Büromama, die ihn neulich sehr lobte 😉 ) und meiner eher uncoolen Kleidungsweise war ich das Klassenopfer. Hinzu kam, dass die Doppel-D- Inhaberin es wie keine andere verstand, einem zu erklären, dass Brustfett dazu führe, dass Männer einen nie mehr gehen ließen. Danke! Faszinierend ist jedoch, dass man noch immer mit dem defizitär-pubertären Ich – bzw. der Wahrnehmung  Dritter als dieses – konfrontiert ist.

Doch irgendwann muss man sich dafür entscheiden, diese Blicke und Aussagen hinter sich zu lassen und sich selbst irgendwie zu akzeptieren und das in einem System medial konstruierter Bilder von Beziehung, Glück und dem, was man darstellen sollte. Ich entschied mich für das Lieben meinerselbst, weil mir dieses Optimieren irgendwann zu blöd wurde. Sport betreibe ich nicht mehr, um Männern zu gefallen, sondern wegen meines Rückens. Gesund ernähre ich mich nicht mehr, weil ich Fett oder Wasser verlieren will, sondern weil es mir schmeckt. Aber deswegen esse ich noch lange keinen gedünsteten Blumenkohl – den finde ich ziemlich geschmacksekelhaft.

Da ich mit dieser Dame in nächster Zukunft wohl nicht sprechen werden kann, ohne dass sie gilft wie eine hysterische Ziege, nun der Weg, den ich schon lange hätte gehen sollen. Und ja, das wird wieder latent gehässig.

Liebe X,

ja, genau Du. Danke für den Komplex, dass Brüste entscheidend darüber sind, dass ein Mann einen lieben könnte. Ich weiß nicht, woher Du das hast, wobei aufgrund Deiner Sozialisation wohl einige Schlüsse zulässig wären. Wir haben uns 13 Jahre (glücklicherweise) nicht gesehen und nur in verschiedenen „wer bringt was“- Diskussionen gelesen. Ich würde Dir gerne mit Respekt entgegentreten, aber es funktioniert nur auf einem Mindestmaß, das ich einhalten muss, weil es meine eigenen Ethik von mir einfordert.

So wie ich Dich kennengelernt und erlebt habe, ist es Dir noch immer nicht klar, warum ich Dich in Klasse 9 und 10 alles geheißen habe, Dich mit Schimpftiraden tituliert hatte und Du Dich deswegen in Deinem Gemobbt- Gefühl geahlt hast. Das mag an fehlendem Schuldbewusstsein oder auch an fehlender Selbsteinschätzung liegen. Über die Liebenswürdigkeit und die Attraktivität anderer zu urteilen, ist etwas Subjektives, das einem nur bedingt zusteht. Ich sag Dir ja auch nicht, dass man Deinem Neuen ansieht, dass er nur in Dein Fressenschema passt und ich hoffe, dass das sozial-normiert passiert. Kein Mensch muss im Schema eines anderen funktionieren – oder doch? Ich verstehe Deine Verhaltensweisen, weil ich mich mit Menschen Deiner Denke auseinandergesetzt habe – jahrelang. Ich verstehe, warum Du so handelst und gehandelt hast. Rein rational. Als Mensch finde ich Dich aus meiner subjektiven Sicht ziemlich bescheuert. Du verletzt andere, um an Deinem Egostate zu arbeiten. Du glaubst Du bist der „Nightmare dressed like a daydream“ für Frauen wie mich, doch ändert sich nichts daran, dass Du es nicht bist. Meine Figur hat Dich jahrelang dazu motiviert, mich aufzuziehen. Ich zog Dich mit Deiner Person, Deinem Habitus und Deinem fehlenden Talent auf. Ich hätte mich operieren lassen können, aber leider kannst Du Dir keine Fähigkeiten, keine Kompetenzen und keine Persönlichkeit anoperieren. Du wirst Dir auch nie Stil oder Habitus anoperieren lassen können, weil Du es nie erlebt hast und es Dir nicht aneignen konntest.

Finanziell wirst Du mehr Kapital als ich haben, ich habe dafür soziales und kulturelles. Dein Geld wird sich nie in Beziehungen und Fähigkeiten transferieren lassen, meins dafür schon. Und Bauer bleibt Bauer – egal wie sehr versucht wird, es zu ändern. Spätestens seit Deinem öffentlichen Debattieren über Dein Ehe-Aus – was ich nebenbei ziemlich grotesk fand. Du warst Teil einer verdienenden Oberschicht, jetzt bist Du Hipsterbraut und wirst vermutlich auch noch mehrfach Deine sozioökonomische Gruppe wechseln. Du solltest Dir vielleicht überlegen, ob Du nicht einfach versuchst, zu Dir selbst zu finden.

In geschützter Liebe – ich

 

Bist Du sauer, nein gräg

Ist man gräg, so ist man schlecht gelaunt und etwas wütend. Ich bin das gerade öfter, weil ich merke, dass mein bisheriger Lebensentwurf und das Bild, das andere von mir haben, nicht mehr mit dem übereinstimmt, wie ich mich entwickelt habe. Die letzten drei Jahre waren intensiv, ich lernte, mich durchzusetzen und vor allem auch, auf meine Bedürfnisse zu hören.

Ich fuhr heute nach Hause – eine Nacht am Bodensee im wunderschönen Meersburg und einen Haufen Schnakenstiche am Körper, düste ich über Land. Ich brauche manchmal Strecken wie die zwischen Tübingen und dem See, um in mich reinzumeditieren. Ich höre Radio und frage mich des Öfteren Dinge. Heute war ich dabei gräg. Es war nicht die Mutter meines Nachhilfekindes, die mich morgens um 7.16 mit ihrer Sirenenstimme (also die, die man früher auf dem Dach hatte) anrief oder die Tatsache, dass gestern drei etwas lautere Russen meinten, sich auf dem Gang vor meinem Zimmer sehr ausführlich zu unterhalten. Es war schlicht und einfach mein immer weiter schwindendes Bedürfnis, mit Menschen Kontakt zu haben.

Manchmal wünsche ich mir einen Stein. Einen Stein, auf den ich mich setzen kann und einfach schweigen, Ruhe haben, bei mir sein. Nicht ständig angerufen werden, mir Gejammer, Getratsche und sonstiges Geseier anzuhören. Mich nicht androhen oder anschimpfen zu lassen für Dinge, die falsch verstanden werden wollten.

Ich bin gräg über fehlende Distanz und fehlenden Respekt und darüber, dass ich meine Grenzen nicht achte. Dann rauche ich wieder Luckys und werde noch gräger.

So..Ende des Grägseins. Zeit für mein Gräglied.

 

Klicktipp

Auf Facebook verfolge ich sie und auch in meinen WhatsApp-Gruppen hält sie Einzug: Erzählmirnix. Wir kennen uns sporadisch aus einem sozialen Netzwerk und ich muss sagen: ich bin Fan der ersten Stunde (von diesen komischen Strichmännchencomics – Aussage anno 2010). Mittlerweile gibt es ein Buch mit den Comics und jede Menge Fettlogiken.

Danke für Deinen Blog und bevor ihr sie mal wieder viral verbreitet, lest den Blog. Der kann was…

https://erzaehlmirnix.wordpress.com/