Schatzke-Laminatrice-Dialöque

Schatzke: Guck mal, keiner liked meinen Beitrag.Vielleicht sollte ich auch schreiben, dass ich dauernd von Dir geschlagen werde.

Moi: Äh ja, beim Mau Mau oder beim Mensch Ärgere Dich Nicht.

Schatzke: Genau

Moi: Oder beim Trivial Pursuit!

Schatzke: Mooooment. Ich hab damals hauschoch gegen dich gewonnen. Haushoch!

Moi: Ja, wegen einem Stein

Schatzke: Ja, haushoch!

Moi: Ja, so hoch wie n Bungalow oder ein Vogelhäuschen. Ein niedriges Mini-Vogelhäuschen

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německý!

Wenn ich etwas liebe, dann sind es Menschen, die auf ihr Deutschsein super stolz sind. In meinem Nachbarort wurde gestern einem Typen, der seinen Garten machen ließ, ein Ball aus dem Garten gemopst. Und das Schlimme war, es waren Ausländer, die nicht deutschig aussahen. Natürlich entbrannte dann die Diskussion über das Dasein als Bürger zweiter Klasse – nicht nur bei Satschüsseln auf dem Dach, sondern auch beim Mopsen von Gemüse.

Genau da warf eine Mitdiskutierende ein, ob er sich sicher gewesen sei, ob es Asylanten waren oder doch evtl. Deutsche. Dann kam das:

Steffanie

Herzlichen Glückwunsch, Steffi mit 2 f,

ich bin stolz auf Dich und Dein Nationalbewusstsein, echt. Man merkt gleich, dass Du mächtig stolz darauf bist, Teil einer Gruppe zu sein. Es sind zwar diejenigen, bei denen die Blondierung durch die Schädeldecke durchdiffuniert ist, aber super, dass Du Dich als Teil eines Ganzen fühlst.

Und Danke, dass ich wegen Menschen wie Dir gottfroh bin, nicht mehr zu unterrichten. Weil ich Euch wahrscheinlich irgendwann mit Blondierung beworfen hätte.

Vom Dilemma, Sozialwissenschaftler zu sein

Ich bin Sozialwissenschaftlerin durch und durch. Nichts fasziniert mich mehr, als gesellschaftliche Prozesse, die Konstruktion und die Auflösung von Wahrheiten und die Lesart der Dinge. Ich liebe endlose ethische, philosophische, soziologische und interdisziplinäre Debatten. Meine Umwelt wird analysiert, zerlegt, Mechanismen konstruiert, eprüft, verworfen. Alles super.

Nur manchmal stoße ich an Grenzen, nämlich die Grenzen anderer Disziplinen, die meinen, mir meine erklären zu müssen. Wenn mir ein BWLer erklärt, wie Bildsprache funktioniert, dann muss ich grinsen. Oberflächlich, an dem, was geschrieben steht, ohne Nouanchierungen. Etwas ist so, weil man es so wahrnimmt und genau dann ist es unumstößlich. Ja, wenn ich eine Bilanz erstelle, dann kommt Wert X raus und der Wert ist mit hoher Wahrscheinlichkeit – je nachdem was ich rein oder rausrechne, wahr oder falsch, aber er ist nie subjektiv. Fixkosten berechnet man mit der Fixkostenformel, Abschreibungen mit einer anderen und diese Formeln funktionieren bei allen immer gleich, wenn gleiche Werte eingesetzt werden – vorausgesetzt man rechnet richtig und sind daher objektiv beweisbar.

Und genau dann kommt ein Sozialwissenschaftler – spätestens wenn ich mit BWLern über die ethisch moralische Komponente der Kosten- und Leistungsrechnung diskutieren will, drehen sie durch. Oder dann, wenn ein BWLer mit mir über meine Fachdisziplinen diskutieren will.

Wenn mir ein BWLer etwas über Politik erklären will, läuft das so: Also ich finde ja, dass die CSU mit ihren Plänen Recht, weil es eben so ist. Wow. Das ist wie: Ich finde Schwule scheiße, weil die ekelig sind weil es so ist.

Dabei rangiert diese Diskussion über die gesamte Bandbreite an aktuellen Themen: Politik, Sexualität, Tagesgeschehen, Sozialethik, Ethik, Moral…

Dabei werden eigene Wahrnehmungen, Moralvorstellungen und soziale Normen muter mit Tatsachen vermischt und dann gewertet, bevor sie durchdacht wurden oder man sich darüber informiert hat.

Geile Garage! Ich fange jetzt einfach auch an mit Ärzten, Bankern oder Ingenieuren zu diskutieren und zwar genau so. Eigentlich ist mir sowas ja peinlich, weil es unreflektiert und peinlich ist, nur möchte ich auch mal wissen, wie man sich genau dann fühlt.Deswegen fühle ich mich sehr oft an folgende Statements erinnert. Quelle Pinterest 😉

Thermomixmenschen

Wie einige von Euch wissen, bin ich großer Fan der Pepe Nietnagel- Reihe. An jedem Feiertag laufen die Filme in den dritten Programmen und ich liebe es, mir den Spaß anzutun. Denn er enthebt mich aus der Rolle der kritischen Pädagogin. Eigentlich.

Da ich mich neulich (mal wieder) über das herablassende Verhalten ehemaliger Kolleginnen geärgert hatte, die sich mehr mit ihren Küchengeräten auseinandersetzen, als mit dem Wohl ihrer Mitmenschen, fühlte ich mich an diese Generation der Pädagogen zurückerinnert. Die Gattung des Homo paedagogicus gymnasiale erweicht regelmäßig meinen Keks und mein Herz macht da oft genug Siesta – oder so.

Mich amüsiert vor allem die Tatsache, dass Frauen in meinem Alter aus gutbürgerlichen Elternhäusern mir gerne etwas zum Thema Lebenswirklichkeit von heutigen Jugendlichen erzählen. Die typische Lehramtsstudentin/-Anwärterin/ Junglehrerin stammt aus einer Mittelschichtsfamilie, ist in der Regel die erste, die studiert hat und  deren Eltern ganz fürchterlich stolz darauf sind, dass das Mädel ein Studium hat. So begütert und auch aus einer sehr speziellen Weltanschauung heraus geprägt,  gehen sie erfolgreich auf Kinder los. Neben dem Job gehen sie gerne feiern (früher im Club in der nächsten Stadt, trinken gern Aperol) und finden örtliche Fußballvereine – weil der Schatzi da ja spielt – gut. Nebenbei haben sie recht mittelflott studiert, machte aber nix, weil die stolzen Eltern das ja bezahlt haben. Aber sie sind ja so tight an den Kindern von Harz IV- Empfängern dran…

Natürlich gibt es andere Problemlagen, wie die Lieferzeiten des Thermomix oder die Frage, ob man sich eine Wohnung mit Mitte 20 gleich kaufen soll oder nicht. Man hat ja schließlich ein Beamtengehalt und jede Menge Muse, da man sich nicht mit so unwichtigen Dingen wie Tagespolitik oder die Gefühle anderer Menschen. Nur so lange die eigene Klasse mitläuft, ist es super. Dabei spreche ich nicht generell über Lehrerinnen, denn ich kenne viele weise, selbstdenkende, tolle Frauen, die Kindern viel mitgeben können. Courage, Mut, eigenständiges Denken, Argumentationskraft und viel Achtung und Wertschätzung. Mich nerven allerdings nur diejenigen, die kaum haben sie die Verbeamtung, was in BW nach drei Jahren der Fall ist, schwanger werden. Mich nerven die Mädels, die mit Michael-Kors-Handtasche, mit einer Uhr im Gegenwert eines Kleinwagens am Handgelenk und Papas Drittwagen auf dem Schulparkplatz, die so einer Sozialtante wie mir irgendetwas zu Beratung, jugendlichen Lebenswelten und Pädagogik erzählen wollen.

Sie haben sich weder auf dem Schulhof geschlagen (und zwar von Jungs und Mädels), noch hattet ihr Angst davor, dass sie sich ihr Studium nicht leisten könntet oder dass Nebenjob und Studium nicht vereinbar sind und man sich zwischen Geld oder Bildung entscheiden muss. Ok, manche haben vielleicht ein gesteigertes Verständnis für Anorexen und Bulimikerinnen. Vielleicht ist das ja das, was diese Frauen auszeichnet. Maybe.

Was haben aber diese Damen mit den Paukern aus den Nietnagelfilmen gemeinsam? Sie sind ebenfalls manchmal etwas ratlos bei pädagogischen Grundlagenproblemen und vorn mit dabei, Schüler sehr interessant zu strafen. Ich habe ja meine Vorliebe für diese ganzen Super- Schulkonzepte, die nicht nur Hungersnöte, Vergewaltigungen und Amokläufe präventieren, sondern auch alles Böse aus der Welt schaffen. Genau hier findet sich die Abnehmerinnen für jene Bücher, denn wie geil ist denn bitte das, dass einem Handlungsanleitungen [gegeben werden], die einen ‚effektiven‘ und ‚störungsfreien‘ Unterricht ‚mit möglichst wenig Kraftaufwandmöglich machen sollen“ (Herz & Heuer, 2014, S. 246). Dass dabei aber Porzellan zerschlagen wird, Kinderseelen gequält werden und Wertschätzung nur dazu dienen soll, sich des anderen, kritischen Charakters zu bemächtigen, finde ich kritisch. Interessant ist dabei, dass genau jene Lehrerinnen sich gerne auf diese Art und Weise mit anderen unterhalten. Neulich hatte ich eine ähnlich groteske Situation erlebt. Ich war in der Nähe einer pädagogischen Institution eine rauchen. Ich stand nichtsahnend vor dem Kasten und starrte in mein Handy. Da kam eine Vertreterin:

„Siehst Du das Schild nicht, du darfst hier nicht rauchen.“
„Jo“
„Mach die Zigarette aus“
„Nope“
„Mach sie sofort aus, sonst“
„Sonst was, sagst Du es dann dem Direx? Schau mal da drüben ist die Polizei. Vielleicht interessieren die sich ja dafür.“
„Der Raucherbereich ist auf der anderen Seite des Gebäudes.“
„Ja“.
Währenddessen war die Kippe schon zu ¾ runtergebrannt…
„Stört es Dich etwa, dass ich rauche.“
„Ja!“
„Wie wäre es einfach, wenn Du das sagen würdest. Weißt Du freundlich uns so, kennst Du doch noch“.

Der Thermomixmensch ist nicht zu verwechseln mit dem Torpedomenschen und tritt oft kombiniert mit Clean-Babetum auf.

 

 

 

 

Mein Leben in Gifs

Marilyn

Meine „Ich habs Dir doch gesagt und Du hast nicht drauf gehört“- Reaktion

Rhetoriktool des Todes…

Ich sag nur ein Wort: Katasteramtsschimmelbefall…

Diskutiert man mit manchen Menschen, dann ist das wohl die geilste rhetorische Figur, die man sich vorstellen kann. Angenommen jemand postet absoluten Vollgasirrsinn, beispielsweise, dass wir heute mehr Geld hätten, wenn wir noch die ehemaligen deutschen Ostgebiete im Staatsgebiet integriert hätten. Widerspricht man dann, dann folgt meist: „Ich sag nur ein Wort“. Mit einem Wort wird also das Gegenargument des anderen völlig entkräftet und man hat ein wundervolles Argument.

Das soll vermutlich so wirken, als seinen die Gegenargumente des anderen so scheiße, dass man nur ein Wort benötigt, um sie dahinzuwälzen. Zu erst fiel mir dieses rhetorische Schmuckstück auf, als ich in der neunten Klasse war. Der 11. September war gerade einen Tag alt und meine Gemeinschaftskundelehrerin diskutierte mit uns das. Eine Klassenkameradin meinte dann in der Diskussion. „Ich sag nur ein Wort: Muslime“. Dass es sechs Worte sind, von denen fünf einleiten sollen, sei jetzt mal aufgrund offensichtlich von mathematischer Seltsamkeit außen vor gelassen. Man kann hier alles einleiten, um den anderen zu dekonstruieren, allerdings empfinde ich es auch als ein Stück weit nicht nur als völlig bekloppt, sondern auch als ein deutliches Zeichen von Hilflosigkeit. Mittlerweile versuche ich ein Mal im Gespräch, wenn jemand damit anfängt, wilde Neologismen oder lustig klingende Wörter einzuwerfen.

Super wirken in solchen pseudopolitischen Diskussionen Begriffe wie: Keksbäckereigeselle, Floppy-Disk-Rekorder, Pflasterabrollhilfe oder auch Mumps einzuwerfen. Die meisten Menschen halten mich dann für ungebildet, dezent bekloppt oder sie merken, dass ihre Begründung eher uncool kam. Mir aber egal – Seriös bin ich von 8 bis 16 Uhr.

Downey

Distanz

Es gibt wenig, was mich so entsetzlich auf die Palme bringt, wie Distanzlosigkeit. Das beginnt bei Umarmungen von Menschen, von denen ich nicht umarmt werden will, weil sie doof sind und geht bis hin zu Ratschlägen, die objektiv zwar auf die Situation zu passen scheinen, aber völliger Bullshit sind.

Winken wie ne Weinkönigin

Ein Beispiel, das mich neulich zur völligen Eskalation trieb war folgendes. Ich arbeite ehrenamtlich politisch und da gerade Wahlkampf ist, muss ich auch nett lächeln und winken. Soweit ok. Mich aber extra aufzufordern, dass man meine Frauenpower brauche, stieß mich sehr auf. Warum?

Zunächst einmal bin ich also nur relevant, weil in meiner Gruppe Quotierungen voll gut sind und ich als Doppel-X-Chromosomenträgerin hervorgehoben werden sollte. Warum, weil ich eine Frau bin. Ich werde nie – so der Eindruck politisch mit einem Mann mithalten können, weil ich eben keiner bin und stattdessen werde ich aber in die erste Reihe gestellt, weil ich weiblich bin. Sorry, mein Name ist nicht Julia Klöckner und mache dieses Brimborium auch nicht mit, weil ich keine verkappte Weinköniginnenbraut bin. Verfickte Scheiße. Ich bin in erster Linie ein Mensch, der wegen seiner Positionen, Meinungen und Ideen ernstgenommen werden, nicht wegen meiner Brüste. Was mich hier noch weiter ärgert ist eben jene Distanzlosigkeit männlicher Mitglieder. Da bin ich also als junge Frau. Man starrt mir auf die Möpse, wenn man mit mir redet, fragt mich offen, ob ich schwanger bin oder sagt mir, wenn ich mit Nasennebenhöhlenentzündung im Bett liege, ich bräuchte frische Luft.

Warum machen das jene Herren, richtig, weil sie moralisch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind und in mir nur die Quotenmuschi sehen, die auch nicht ganz scheiße aussieht – wobei das im Auge des Betrachters liegt. Angenommen, ich wäre männlich, dann wäre uch wahrscheinlich einer dieser kettenrauchenden Langzeitstudenten, die intellektuell jeden ins Eck stellen, aber sonst eher auf Jobs setzen, die idealistisch motiviert sind – ok, mache ich auch. Nur würde man die männliche Version von mir deutlich ernster nehmen, weil die nicht ihre Wimpern pinselt und vermutlich deswegen beim Pimpern winselt, weil diese Gedanken gar nicht entstünden.

Silikon für mehr Distanz

Dass man als Frau oft anders ernstgenommen wird, ist die eine Sache, die andere ist aber, dass – zumindest geht es mir so – man eine andere Form der Distanzlosigkeit erlebt. Nicht 1,80 große Hühnen werden in der Sauna angerempelt, sondern ich als 1,65m große Frau – das gilt auch für die Tritte auf die Füße, angestoßen werden oder dass man vor einem unvermittelt stehen bleibt. Ist es also entscheidend, wie groß und breit man ist?

Ich denke ja. Denn der andere geht weniger auf eine körperliche Auseinandersetzung ein, wenn man die dementsprechenden Maße hat. Also ist man als kleiner Mensch, der nicht die nötige Körpermasse aufweist, automatisch eher das Opfer von Distanzlosigkeiten.

Distanz wollen – Distanz bekommen

Mittlerweile verschaffe ich mir Distanz und zwar die, die ich für mich brauche. Ich schaue, dass ich Grenzen ziehe, wo sie notwendig sind, notfalls sehr rabiat. Ich weiß, dass mir das den Ruf einer Zicke einbringt und das ist völlig legitim. Seit jeher sagen mir Freunde, Bekannte und meine Familie, dass ich verbal grandios verletzen kann. Also startete ich das Projekt: Grenzsicherung 3.0.

Ähnlich wie Frauke Petry habe ich auch einen Schießbefehl erlassen, allerdings für meine Grenzen und verbal. Rumballern ist irgendwie so 1982. Das Credo dabei ist:

  • Grenzen definieren – für mich und andere

Die einfachste Frage ist hier: Was möchte ich und was nicht. Wer darf mich umarmen? Wer darf was zu mir sagen und warum?

Zu Frotzeleien und körperlicher Nähe gehört Vertrauen und Sympathie. Meine beiden besten Kumpels aka Sgt Slaughter und der schwäbische David Lee Roth dürfen anderes, als andere Menschen. So bin ich Sgt Slaughter nicht böse, wenn er mich in eine Mülltonne setzt, anderen schon. Warum? Weil unser Verhältnis klar ist.

Besonders spannend finde ich das Thema Anfassen. Ich habe eine Freundin, die mir ab und an auch mal an den Hintern packt. Mach ich dann auch – alles gut. Bei anderen Menschen würde ich wahrscheinlich die Hand so lange in eine neue Form pressen, bis sie leider irreversibel verbogen ist. Sie darf es, weil unsere persönliche Ebene vor allem auf Vertrauen und einer Wertschätzung basiert.

Hier ist es wichtig, sich klar darüber zu sein, was die eigenen Grenzen sind und wie man sie sich steckt. Was dürfen Fremde? Was Menschen, die man so kennt und was Freunde? Ich frage beispielsweise bei Bekannten, wenn ich sie traurig sehe, ob ich sie in den Arm nehmen darf. Gleichzeitig achte ich auf körperliche Signale und versuche diese zu deuten.

  • Grenzen anderer erkennen

Das ist ein riesiges Thema. Ich versuche hier immer nach dem alttestamentarischen Prinzip vorzugehen. Auge umd Auge. Das heißt für mich, was ich als unangehm empfinde, mache ich bei anderen nicht. Sehe ich jemanden, der völlig verzweifelt ist, dann kann es sein, dass ich betreffender Person meine Tempos schenke und ihnen etwas Nettes sage. In meiner Studienzeit habe ich des öfteren Prüfungskandidat_en_innen einfach Trost gespendet. Hier war es wichtig, Grenzen gewähren zu lassen.

Grenzen sind wichtig und manchmal muss man aber auch erkennen, dass sie variabel sind. Was ich heute bei anderen Leuten dulde, kann sein, dass es mir morgen unangenehm ist, weil mir mein Reflexionsprozess signalisierte, dass es nicht ok war und sich nicht als akzeptabel angefühlt hat.

Das Gefühl dürfte bekannt sein, man geht aus einer Situation mit einem blöden Gefühl, weil etwas verletzt wurde. Was, kann man oft nicht benennen, aber dieses Gefühl ist da. Hier denke ich oft darüber nach, rege mich auf oder bin verschlossen. Genau hier setze ich beim nächsten Mal eine Grenze bei der betreffenden Person.

  • Grenzen anderer überschreiten

Wie man Grenzen setzt, darüber gibt es viele Theorien. Beliebt ist: „Das finde ich nicht gut“ zu sagen. Bedürfnisse sind hier wichtig anzusprechen, nur manifestiert das oft eine Hierarchie. Denn je nach Gegenüber unterwirft man sich oder man wirkt überdominant. Benennen ist wichtig, nur setzt das voraus, dass einen das Gegenüber ernst nimmt.

Mittlerweile überschreite ich, wenn ein „nein“ nicht wirkt, aktiv Grenzen durch völlig ambivalentes Verhalte gegenüber den Bedürfnissen des anderen. Warum? Es gibt die Theorie, dass man einen Autisten fest in den Arm nehmen muss, dass er seine eigene Körperlichkeit spührt und durch einen bewussten Grenzübertritt eine Besserung hervorgerufen wird. Gibt es Menschen, die sehr arrogant zu mir sind, fast überheblich- distanziert, so beginne ich mit Blickkontakt. Das Spiel kann mehrere Wochen gehen, dann folgen Berührungen und die ständige Konfrontation mit etwas Unangenehmem. Ich liebe es beispielsweise bei Neurotikern eine Spur des Chaos zu hinterlassen und bei Narzissten eine ständige Dekonstruktion des Egos vorzunehmen. Damit schaffe ich mir jene Grenzen, die ich brauche und damit meinen Raum.

 

  • (Optionaler Schritt) Verwüstung anrichten mit dem moralischen Anspruch, den Grenzübertritt zu signalisieren

Was steckt dahinter. Jemandes Leben ins Chaos zu stürzen ist nichts Nettes, das mache ich sehr selten und nur dann, wenn meine Grenzen massiv gefährdet sind und damit auch mein Wohlbefinden und meine eigene psychische und körperliche Gesundheit. Ich mache das beispielsweise bei Torpedomenschen (Erklärung kommt später).

Ziel der ganzen Sache ist es, die eigenen Grenzen zu wahren, sie zu stärken und damit auch einen eigenen Schutzraum zu schaffen. Gemäß des kategorischen Imperativs von Kant:

Dabei sollte zunächst die Universalisierungsformel betrachtet werden:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Immanuel Kant: AA IV, 421

Alles, wie ich handle, muss auch für andere gelten. Ich lasse meine Grenzen gewähren, also gewähre ich sie anderen. Durch eine Erschütterung der Grenzen des anderen, erwirke ich einen Reflexionsprozess, der dazu führen kann, dass der andere das nächste Mal meine Grenze achtet.

Hier ist es mir wichtig, klar zu sein und meine Bedürfnisse nach außen zu tragen. Auch, wenn ich mich wie die Axt im Walde verhalte, denn das, was ich mir an Distanzübertritt in diesem Moment leiste, das hat der andere zuvor getan. Der anderer ist dann beleidigt und ich habe meine Ruhe.

Die Fremdwörter der Esotherikers

Hach, Diskussionen und Mails. Ich liebe das ja. Wenn sich Menschen angepisst fühlen, reden sie nicht, sie schreiben Mails. Heute verwehrte mir ein Mensch das Tippen seiner Mailadresse. Warum? Weil ich einen Vertipper hatte. Um das schlau klingen zu lassen, schrieb er mir, ich sei nicht verifiziert, seine Mail zu nutzen.

Verifizierung oder Verifikation (von lat.veritas ‚Wahrheit‘ und facere ‚machen‘) ist der Nachweis, dass ein vermuteter oder behaupteter Sachverhalt wahr ist. Der Begriff wird unterschiedlich gebraucht, je nachdem, ob man sich bei der Wahrheitsfindung nur auf einen geführten Beweis stützen mag oder aber auch die in der Praxis leichter realisierbare bestätigende Überprüfung und Beglaubigung des Sachverhaltes durch Argumente einer unabhängigen Instanz als Verifizierung betrachtet. [Quelle]

Ich bin also nicht real und damit nicht existent, denn da ich ja nicht verifiziert bin, eine Mail zu schreiben, bin ich nicht nachweisbar und daher nicht existent. Neulich las ich von einem ähnlichen Wortbausteinklabauter einen ähnlichen, fast noch steileren Satz: „Meine Existenz ist von der meiner Mutter losgelöst, denn sie lebte schon lange vor meiner Geburt.“ Nunja, hätte Dein Vater damals ein Kondom benutzt, dann müssten wir an keinen und insbesondere nicht an deinen  Geisteszuständen zweifeln…

Ich spreche fortan deutsche Wörter in anderssprachiger Betonung aus oder lasse einfach Vokale weg. Dann bin ich nämlich total interrim.

 

Also der soundso hatte das ja auch…

Neulich hatte ich einen Autounfall. Mein geliebtes Fahrzeug ist nun kurz vor der Schrottpresse und mein Rücken wäre es auch gern. Schulterblattfraktur und Schleudertrauma – läuft also bei mir.

Da ich gestern auch noch einen erhebliches Stück näher an die 30 rückte, rief die Verwandtschaft an. Bis auf meinen Patenonkel und meine Lieblingstante schaffte es keiner, im Gespräch jenen einen Satz zu vermeiden:

„Also mein [Funktionsbezeichnung einer Person einsetzen] hatte das ja auch und dem hat [wirre Maßnahme einsetzen] geholfen“.

Zunächst erzählte mir eine Tante, dass ihr Sohn ja seine Diplomarbeit vom Krankenbett aus geschrieben hat. Nunja, der arbeitete aber nicht voll, so wie ich. Mein bourgeoiser Superpatriarchenonkel erklärte mir, dass er auch schon so einen Unfall hatte und seinem Daimler sei nichts passiert. Eine fucking S- Klasse hat aber mehr, auf das ein anderes Auto rauschen kann. Außerdem hatte sein Gärtner einen Auffahrunfall mit einem Pfosten, der stellte sich auch nicht so an. Dass Pfosten mit Vollkaracho auf einen Fiat auffahren ist ja eher selten.

Viel bedenklicher fand ich aber, dass man immer wieder völlig bekackte Beispiele, die mehrere Galaxien neben der Lebenswirklichkeit eines anderen liegen, so unverfroren heranzuehen kann.

Leuchtende Beispiele und traurige Wahrheiten

Mein Fall war ein eher normales Beispiel für solch eine Aussage. Schlimmer finde ich, dass es wohl Menschen gibt, die da gerne Dinge erfinden, um ganze Menschengruppen zu diffamieren. Da ich das Thema Flüchtlingslügen gerne an einem weniger heiß diskutierten Zeitpunkt beschreiben würde, wähle ich ein anderes, das vor ca. 40 Jahren brisant war.

In meiner Familie gibt es – ganz untypisch für die Ausdehnungsgebiete des Pietkong und der katholischen Gegenfront – einen Haufen unehelicher Kinder. Als meine Cousine ein uneheliches Kind auf die Welt brachte, gab es ein Nicken zur Kenntnisnahme. Als aber einige dieser Kinder geboren wurden, die jetzt schon selbst Eltern sind, gab es einen Aufschrei. Meine Tante, die Frau meines Oberbourgeoisen Hyperpatriarchen bekam einen Herzanfall als eine Verwandte im Krankenhaus lag. Soetwas gab es in userer Familie nicht. Und außerdem sei die Tochter der Putzfrau der besten Freundin der Ehefrau des Kollegen ihres Mannes auch Mutter eines solchen „Schandflecks“ [Zitat anno 1979]. Dieser Schandfleck sei ja schon nahezu kriminell mit drei Jahren. Das war über Jahre hinweg ihr leuchtendes Beispiel, also müsse das betreffende Kind auch kriminell werden, wenn es in Schande geboren werde.

Sehen wir uns die beiden Schandflecke heute an. Der eine ist die Leitung einer internationalen Werbeagentur mit sehr coolen Kampagnen und großem sozialen Engagement. Der andere ist Verwaltungsmensch und tut genau dann etwas Gesetzeswidriges, wenn er Feldwege mit dem Fahrrad fährt.

Diskussionstool deluxe

Und ja, ich gebe zu, diese Argumentationsweisen nerven. Was nämlich ein anderer in einer nur annährend vergleichbaren Situation macht, bedeutet nicht, dass ich das machen kann oder werde. Von außen etwas zu beurteilen ist dämlich. Eigentlich sollte ich meiner bourgeoisen Supertante das ja mal sagen, wenn Frau Privatpatientin wieder über das Zipperlein am Knie referiert. Ich werde dann auch sagen: Och, das ist ja nichts. Mich juckt das ständig. Aber hey, ich schmiere einfach geröstete Affenärsche in Pulverform drauf.