Hilfe, ich muss mein Ref abbrechen

Die Berufswahlentscheidung

Ich hatte zunächst die Situation beschrieben, in der man sich im Ref befindet, wenn es nicht so läuft, wie man es gerne hätte. Außerdem fühlt es sich immer wieder blöd an, wenn man mit der Entscheidung konfrontiert wird. Man ist wütend, wenn einen Leute auf ein Studienfach reduzieren (ich sag ja auch zu niemandem: Ey, Du musst nicht den BWLer/Biologen/ Pneumatiker raushängen lassen 😉 ) oder noch vier Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst einen darauf festmachen. Deswegen bitte ich Menschen, die mit abgebrochenen Referendaren zu tun haben, erstmal diesen Komplex außen vor zu lassen.

Wer meinen Blog kennt, weiß, dass gerade die Berufswahlentscheidung echt schwierig ist. Doch oft kommt genau die Frage: Wie kamst Du darauf, Deinen Lebensweg so zu gestalten?… Und ja, ich weiß es nicht genau. Was ich aber beschreiben kann, ist, wie ich vorgegangen bin. Ich hab mir Fragen gestellt, die ich versuchte, möglichst ehrlich zu beantworten…

Warum hab ich mir das angetan?

Ich war eine ganz gute Schülerin. Vor allem in den Fächern, die ich studiert hatte war ich gut, weil ich Spaß daran hatte. Vor allem Deutsch und Politikwissenschaft waren meine Babys in der Schule.Deswegen stand für mich fest, dass ich das, was ich gelernt hatte, gerne weiter nutzen möchte. Auch Pädagogik war immer etwas, woran ich Spaß hatte. Daher dann auch die Entscheidung für meinen Master und gegen ein duales Studium bei einer Behörde.

Was kann ich eigentlich gut?

Dann kam eine Stärken-/ Schwächenanalyse. Ich habe mich auch durch gefühlte drölf Tests zum Thema Berufswahl geklickt. Irgendwann war es mir klar, dass ich nichts machen kann, das rein fachlich auf der Theorieebene stattfindet.

Was will ich gar nicht?

Beamtenverhältnis, Loyalitätspflicht und so… Ja, ich muss meinem Arbeitgeber gegenüber loyal sein, aber am staatlichen Nicht-Rühren-Dürfen unter manchen Rektoren würde ich zerbrechen.

 

Und trotzdem: Ich habe viel mitgenommen. Oft bewundere ich die Lehrer*innen, die seitenweise Aufsätze in mehreren Klassenstärken abends korrigieren. Ich bewundere diejenigen, die ihren Job leben und das aus einer tiefen Wertschätzung tun. In meiner Thesis habe ich Lehrer interviewt und musste feststellen, dass viele am System verbittern. Das hätte mich erledigt, denn viele Entscheider sind sehr auf das Wohlwollen der Obrigkeit aus, obwohl sie damit Leben zerstören. Dass sie dabei oft den eigenen Arsch retten, ist das eigentliche Dillemma. Trotzdem bewundere ich viele Lehrer, dass sie sich in diesem Spannungsfeld bewegen und es irgendwie für sich klar bekommen. Einer meiner Probanden sagte mir das, auf die Frage, was seiner Meinung nach ein guter Lehrer sei:

Ein guter Lehrer geht auf seine Schüler ein, er kann gut zuhören, gut analysieren […] worin die Stärken und die Schwächen von den Schülern liegen, worin er sie fördern kann. Ein guter Lehrer denkt über sich und seinen Unterricht nach und nicht nur einmal, sondern immer wieder.

Und ich finde, das muss sich jede*r Pädagog*in auf die Fahne schreiben.

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One thought on “Hilfe, ich muss mein Ref abbrechen

  1. Hey Laminatrix,
    ersetze Lehrer durch Chef und Schüler durch Mitarbeiter.
    Ersetze Lehrer durch Vater/Mutter und Schüler durch Sohn/Tochter
    Ersetze es durch Ehemann und Ehefrau … oder was du willst.
    Dieses Zitat stimmt immer!

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