Verletzlichkeit und Aufmerksamkeit: Der Kackepost

Ich bin momentan sehr oft mit der Verletzlichkeit einzelner konfrontiert, wobei ich mich frage, wie viel davon wirklich aufrichtig gezeigt wird.

Angefangen hatte es damit, dass sich Göttergatte mal wieder aufgeregt hatte. Es ging um die Idee von TD1D, Menschen eine Woche Diabetes Typ 1 erleben zu lassen. Ich erlebe das Monster seit sieben Jahren täglich, egal ob es beim gemeinsamen Aufwachen ist – „Schatz, ich hab Unterzucker“- oder wenn wir abends unterwegs sind „Hast Du mein Messgerät“. Und ja, sowohl er, als auch ich als Partnerin stoßen oft auf Unverständnis.

Als wir letztes Wochenende auf einer Hochzeit waren, war es so einer der wenigen Momente, in dem wir in unseren ganzen Eingeschränktheiten akzeptiert wurden. Ich bekam von der Braut ein Stück ihrer veganen Torte (Danke meine Süße, Essen mit Dir zu teilen ist grandios :-*) , weil Sahne und Milchprodukte bei mir etwas von Topfschlagen im Mienenfeld haben.  So what?

Der Umgang mit chronischen Krankheiten fordert viel von einem ab. Vor allem, das Hören auf den eigenen Körper ist nicht immer einfach und nicht immer gewährleistbar. Für mich gibt es nichts Schöneres, als mir einen Naturjoghurt mit Honig und Früchten reinzupfeiffen – nur manchmal funktioniert es so nicht wirklich. Ich esse fast keine Süßigkeiten, da muss ich dieses Risiko ab und zu mal eingehen. Doch ich mache wenig Wind drum. Ich frage, ob Milchprodukte drin sind und gut ist. Göttergatte erklärt es den Leuten oft genug, dass er normal essen kann. Ich versuche mich diesbezüglich zurück zu halten, vor allem, weil ich mir oft genug dumme Sprüche anhören darf – vor allem von latent übergewichtigen Männern…

Dumme Sprüche und andere geistige Querschläger

Besonders schön ist es, wenn man sich etwas Veganes bestellt, da das die sicherste Alternative ist und es flötet einem ins Ohr, dass es dem Flöterich viel schlechter gehe, weil derjenige Fruktose hat und deswegen nur frittierte Calamari essen darf.

Und wie oft will man sich dann umdrehen, die Augen verdrehen und dem Flöterich sagen, dass es einem scheißegal ist, von was er kacken muss. Auch als Lebensmittelintoleranter hat man ein Recht darauf, nicht ständig den eigenen Stuhl thematisieren zu müssen, geschweigedenn über die eigenen Flatulenzen zu philosophieren – vor allem nicht beim Essen. Noch peinlicher finde ich es allerdings, wenn  man diese Begriffe dann verniedlicht oder sie pantomimisch umschreibt. Eine Wuthering-Heights-Bewegung von der Brust abwärts soll also synonym für Durchfall stehen. Muss man wissen, kann auch als pantominische Darstellung eines Ballkleides oder sonst etwas verstanden werden.

Ich möchte nicht über das definiert werden, was ich nicht essen kann. Wenn ich das aufzählen würde, bräuchte ich vier Minuten. Ich mache dann einfach eins: Ich ess es nicht. Wenn ich mich vertan habe, dann ist es so, aber ich muss nicht stundenlang darüber lamentieren, dass ich die Pilze, das trockene Stück Brot oder das Wasser nicht vertragen habe. Böse Zungen behaupten, dass sich manche Menschen nicht wahrgenommen fühlten und das sich dann so auswirkt.

 

Aufmerksamkeit durch Krankheit

Ja, als jemand, dessen Körper anders funktioniert als der des Gros der Bevölkerung, bekommt man mehr Aufmerksamkeit. Ich mag das nicht mal so, weil ich weniger wegen meiner Darmfunktion, als dafür, wer ich bin und was ich zu sagen habe, erkannt werden will. Aber wenn man nichts anderes als die Konsistenz der eigenen Kacke hat?!

Nehmt Euch doch bitte als Menschen wahr und nicht als Laktoseintolerante. Und erkennt andere Betroffene an, dass die es evtl anders haben, als ihr. Wenn ihr nen Liter Milch sauft, ist es klar, dass es Euch schlecht wird. Macht ja auch kein normaler Mensch.

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