Die Mädels aus der Achten im Glitzerland

Der Spiegel beschreib das Finale von GNTM als ein  bewegliches Gemälde von Hieronimus Bosch – mich erinnert diese Sendung zusehends an einen Ausflug, den man mit einer Horde Achtklässlerinnen macht – nicht ins Museum, sondern in eine surreale Glitzerwelt.

In Frauengruppen gibt es immer klare Rollenverteilungen, die scheinbar so in Fleisch und Blut übergegangen zu sein scheinen, dass sich diese manifestieren, bis wir einen Rollator vor uns herschieben. Da gibt es den Grinch, die Schüchterne und die latent Übergriffige. Wohin das führen kann, erlebte ich neulich in der Bahn. Ich war so nett und half einer älteren Damen vom Zug aus Berlin kommend in den Anschlusszug, in den ich auch musste. Ich wurde zum Dank im vollen Zugabteil geherzt und bekam von einer unbekannten Siebzigjährigen mit scheinbar leichten Demenz-Anflügen einen Kuss. Diese Mischung aus Dankbarkeit und Übergriffigkeit war etwas, das mich dann doch etwas irritierte. Dies kann du

Genauso gibt es diese permanent motzenden Mädchen, die an allem etwas auszusetzen haben und alles schlecht machen. Dieses permanente Gemosere über alles, woran man nichts ändern kann, ist ebenfalls eine dieser Verhaltensweisen. Sobald man selbst mit der Gesamtsituation unzufrieden ist, motzt man. Über was gemotzt wird, ist zunächst egal, denn es geht um den Akt des Motzens selbst.

Neben diesen beiden Extremen gibt es noch die Stille, Schüchterne, die Burschikose und noch das Temperamentbündel und die cleane Schönheit. Diese Charaktere kennt jeder und man findet sie in jeder Klasse und Gruppe vor allem von Frauen. Bei Männern läuft die Gruppendynamik anders.

In meiner Beobachtung sind Mädchen stärker in ihrer Erziehung auf bestimmte Rollen fixiert und je nachdem wer welche dieser Rollen in ihrer Sozialisation einnimmt, desto stärker treten sie hervor.

Aber nun zu den Meeedchen. Meedchen… der klumsche Langvokal lässt mir alle Körperhaare gleichermaßen zu Berge stehen. Doch diese Sendung ist für junge Mädchen noch mehr. Sie ist eine – metaphorisch gesprochen – Folie für Frauen. Und ja, das sind nicht nur Teenager, sondern auch wir scheinbar gut gefestigten, akademisch gebildeten Frauen. Wir rechtfertigen den Konsum oft damit, dass wir es witzig oder whatever finden. Dabei triggert es uns doch, indem wir die Rollen aus unserer Teenagerzeit wiedertreffen konnten und nach denen viele Frauen Sehnsucht haben.

Denn diese Rollen waren so schön manifest. Man war drin oder draußen. Man war in oder nicht. Man war darin sicher, denn diese Rolle hatte man bis zum Schulabschluss und so zwei, drei Jahre danach konnte man noch anknüpfen. Doch blöderweise ist es heute nicht mehr so. Heute sind die blöden Nerds teilweise Vorgesetzte, die Streber-Mauerblümchen mit dem Bedürfnis gemocht zu werden riesige Arschlöcher und die coolsten Typen der Stufe Sachbearbeiter bei einem mittelständischen Unternehmen. Ja so was passiert, nur erfordet das von einem die Flexibilität, anderen Entwicklungen einzugestehen.

Und genau, um diese Entwicklung aussetzen zu können, brauchen manche Menschen solche Formate. Ja, man kann Leute scheiße finden, weil man sie eben scheiße findet. Wenn das eine Mädel jetzt zickig wirkt, dann ist es halt so, aber im Umkehrschluss kann man geil drüber abkotzen, weil sie es nicht hören oder sehen kann. Gleichzeitig kann man genau dann den eigenen gehässigen kleinen Arschlochgefühlen Raum lässt. Denn die durfte man in der Pubertät herauslassen und sie sind jetzt ein Widerspruch zum Verhalten, das man als Erwachsener zeigen sollte. Hier war ich in einer ähnlichen Situation und es sind diese Momente, in denen ich mich frage, wie wir für uns selbst die Grenzen unserer eigenen Rollen stecken. Wie viel „pubertär“ lassen wir zu und wie viel davon wollen wir zulassen?

Kommt es hier zum Konflikt zwischen einem selbst und der Wahrnehmung der eigenen Position. Und wenn man ehrlich ist, hat das jeder – und es nervt.

Jemand hat einen höheren Studienabschluss, den will man dann auch, auch wenn man keine Freude an wissenschaftlichen Texten hat. Jemand möchte nach Sibirien reisen, dann will man das auch, man könnte ja etwas verpassen.

Wenn wir nicht langsam damit aufhören, ständig rechts und links zu schauen, um ja nicht zu verpassen, was andere Tolles haben und was einem selbst fehlt, können wir uns nicht auf unser Ding konzentrieren. Es ist doch kackegal, ob jemand schöner, erfolgreicher oder intelligenter ist, als man selbst. Meine Fresse, dieser verlagerte Penisneid geht mir auf den Sack.

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