Die ultimative Textinterpretation

Bianca Heineke – How it is (wap bap)

Heute widmen wir uns der nahezu subversiv dekonstruktivistischen Kulturkritik der jungen Philosophin Bianca Heinike. In diesem Gedicht thematisiert Heinike die Tristesse eines Alltags einer typischen Jugendlichen, der eine Reihe von Schicksalsschlägen widerfahren. Sie kritisiert so die konsumlastigkeit und den Drang in unserer Jugendsubkultur des Annalenaismus, sich selbst idealisiert darzustellen.

 

It’s late at night, I go to bed
But I can’t get no rest
My boyfriend quit, I’m almost dead
I’ll have to do my best
I’m up and down, I feel so fat
I ain’t got no more fizz
Don’t even get to keep the cat
But that’s just how it is

[Chorus]
I sing:
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da-da
Everybody sing:
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-da-da-da-da

[Verse 2]
I get up late, I stub my toe
I’ve got a few missed calls
I lost my job, I didn’t know
And that’s not good at all
I get my bag, I go outside
Just mindin‘ my own biz
I go to pay, but my card’s been denied
Well, that’s just how it is

[Chorus]
I sing:
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da-da
Everybody sing:
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-da-da-da-da

[Verse 3]
Another week, the same old shit
My troubles gettin‘ worse
And then I get a bigger hit
‚Cause someone stole my purse
I met a guy, he knows my name
He also told me his
And if we want to have some fun
Well, that’s just how it is

[Chorus]
I sing:
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da-da
Everybody sing:
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-da-da-da-da

And that’s just how it is…

Interpretation:

Die Form des lyrischen Werkes ist ein dreistrophig und wird nach jeder Strophe durch einen Kehrvers unterbrochen. Dies symbolisiert die hymnenhaftigkeit des lyrischen Werkes. Verfasst wurde das Werk im vierhebigen Jambus, das selbe Versmaß wie auch in Goethes Wilhelm Meister. Damit spielt die Autorin auf die Epoche der Weimarer Klassik an und es gelingt ihr der Brückenschlag zur deutschen Hochliteratur. Karrikierend greift sie auf eine sehr glockenspiellastige Melodie zurück, um die Groteske des Textes noch zu verdeutlichen, der das typische Leben einer jungen Frau in der Postmoderne thematisiert.

Das lyrische Ich im Text ist weiblich, heterosexuell und vermutlich der deutschen Mehrheitsgesellschaft angehörend.

It’s late at night, I go to bed
But I can’t get no rest
My boyfriend quit, I’m almost dead
I’ll have to do my best
I’m up and down, I feel so fat
I ain’t got no more fizz
Don’t even get to keep the cat
But that’s just how it is

Zunächst beschreibt das lyrische Ich seine Situation. Nach der Trennung ihres Partners geht sie ins Bett, kann nicht einschlafen und ist doch ausgelaugt. Hier spiegelt die Lyrikerin bereits die Fixierung auf eine monogame Partnerschaft in der strukturkonservativen Welt wider. Auch der innere Antreiber, sein Bestes zu geben, was als Mantra der postmodernen konsumorientierten Gesellschaft gilt, wird im Gedicht thematisiert. Dabei spielt sie auch auf die klassischen pubertären Selbstzweifel junger Frauen an, sich zu dick und daher nicht geliebt zu fühlen. Auch der Entzug der Katze durch den Expartner wiegt schwer, denn ihr wird der einzig vorhandene emotionale Fixpunkt im Leben entzogen.Den Abschluss der Strophe bildet der Satz: Es ist wie es ist. Das zeigt die innere Resignation des lyrischen Ichs an seiner momentanen Situation.

[Chorus]
I sing:
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da-da
Everybody sing:
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-di-da-da
Wap-bap, ba-da-da-da-da-da

Der sich nun anschließende Kehrvers wirkt rhytmisch, einem Mantra ähnelnd, mit dem das lyrische Ich eine höhere Macht zu beschwören scheint, die sie durch den Gesängen von Urvölkern ähnenden rhythmischen Wortfolgen zu beschwören scheint. Durch das repititive Wiederholen der Inhalte zeigt sie die innere Haltung der Hoffnung.

[Verse 2]
I get up late, I stub my toe
I’ve got a few missed calls
I lost my job, I didn’t know
And that’s not good at all
I get my bag, I go outside
Just mindin‘ my own biz
I go to pay, but my card’s been denied
Well, that’s just how it is

 Im zweiten Vers beschreibt sie, wie sie ihren Alltag wieder aufnehmen will, aber daran scheitert, denn neben einem angestoßenen Zeh, verschläft sie und sie verliert ihren Arbeitsplatz. Diese existenzielle Krise wird noch dadurch verstärkt, dass sie auch noch die Möglichkeit des Bezahlens verliert. Damit spielt die Lyrikerin auf eine hochgradig gewalthaltige Tendenz der Austauschbarkeit innerhalb des Arbeitssystems an. Durch das Sensibilisieren der Austauschbarkeit des Einzelnen und das Gefühl, obsolet zu sein, evoziert sie Beklemmung. Doch wieder hält sie sich an das Mantra, dass es eben so sei und verfällt in ihre archaisch anmutende Beschwörungsformel.
[Verse 3]
Another week, the same old shit
My troubles gettin‘ worse
And then I get a bigger hit
‚Cause someone stole my purse
I met a guy, he knows my name
He also told me his
And if we want to have some fun
Well, that’s just how it is
Doch nun kommt es zur Exposition im Werk, denn auch noch ihre Identität wird ihr durch den Diebstahl des Geldbeutels genommen. Doch dann scheint ein messianischer Retter in ihr Leben zu treten, der sie beim Namen nennt und ihr Freude verheist. Damit zeigt sie, wie andere, die die Macht des Be-Nennens besitzen in der Lage sind, andere Menschen zu kurzweiligen Freuden zu verleiten, anstatt, dass sie sich aktiv und selbstständig Hilfe holt.
Dieser Text zeigt die Tragik, die unserer Gesellschaft innewohnt. Wir alle sind austauschbare Wesen innerhalb eines, von Konsum und Gewalt bestimmten Diskurses einer höheren Macht, die aber nicht beschworen werden kann.
Hierin zeigt sich die Hilflosigkeit, der wir alle ausgeliefert sind, indem wir uns nicht emanzipieren vom Zwang normiert zu agieren. Durch die emotionale Gewalt, die dem lyrischen Ich angetan wird, zeigt sich die Ohnmacht eines jeden Einzelnen.
Bianka Heiniker schuf hier ein gesellschaftskritisches Werk voller subtiler Anspielungen auf den Konsum, der uns alle insgeheim zu kontrollieren scheint, auch, wenn wir uns selbst scheinbar davon distanziert haben. Danke Bianca!
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