Happy Weltfrauentag

Auch noch so n Klassiker

Ja, neulich war ja Weltfrauentag. Heute ist der Tag, an dem man Handtaschen, Glitzer, Magnoliensträuchern und floralen Parfüms huldigt. Total stolz darauf zu sein, eine Vagina zu haben, sich über schleifchenbeschuhte Stereotype zu freuen und dann noch die Nägel pink zu lackieren. Happy Vaginaltag!

Schön, dass sowohl große Drogerieketten als auch sämtliche Modehäuser ihren Shoppingsupertag entwickelt haben. Hauptsache möglichst viele Stereotype ansprechen in der Hoffnung steigenden Konsums. Super.

Dabei wird aber vergessen, was es mit diesem Tag auf sich hat. Frauen waren über die Jahrhunderte von jeglichen politischen Entscheidungsrechten entbunden – außer man hieß Maria Theresia. Der Job eine Frau war es, möglichst erfolgreich Kinder zu gebären und nebenbei nett und adrett auszusehen. Der 8. März wurde ins Leben gerufen, damit die Stigmatisierung der Frauen aufhörte und sie zumindest das Recht hatten, selbstbestimmt ein Kreuzchen auf einen Wahlzettel zu postieren.

Und heute? Politisches Engagement ist uncool. Man gilt schnell als verkappte Emanze, wenn man seine Meinung äußert und wenn diese abweichend vom sonstigen Celebralmüll ist, den viele Frauen von sich geben. Sollte man es dann noch wagen, statt der Titten noch etwas Persönlichkeit zu zeigen, ist man schnell – vor allem bei den eigenen Geschlechtsgenossinnen böse untendurch.

Dann doch lieber zelebrieren, dass man eine Vagina hat, sich in pink und creme hüllen und sich mit Escada einduften (ich hasse Escadadüfte – die sind viel zu süß und zu fruchtig – ich hasse es, wie Kir Royal zu riechen). Warum dürfen kleine Mädels in der Werbung noch immer nicht mit Wasserpistolen um sich schießen? Warum müssen Mädchen immer mit rosa Glitzerkrönchen durch die Welt watscheln? Warum gibt es immer noch diese festgeschriebenen Stigmata? Ein Junge, der lieber ein rosa Kleid trägt, wird also per se schwul? Ein Mädel, das an Autos rumschraubt, ist also gleich ein Mannsweib?

Statt sich auf diese ganzen Chichi-Geschichten zu reduzieren, sollte man sich darüber klar werden, dass man, so wie man ist, Teil seiner Gesellschaft ist. Man hat seine eigene Geschichte, was aber nicht bedeutet, dass man alles annehmen muss, was einem vorgesetzt wird.

Hätte es keine Frauen gegeben, wie die Suffragetten, die Mitglieder der Frauenbewegung oder auch Menschen aus der Bürgerrechtsbewegung, wäre unsere Welt weitaus weniger fortschrittlich. Es ist schön, dass an den Kampf der Suffragetten erinnert wird, doch wir haben eine ganze Menge vor uns.

Noch immer haben Frauen in vielen Ländern keine Rechte, keine sexuelle Selbstbestimmung und werden wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Warum sollen wir westlichen Frauen feiern, in Besitz einer Vagina zu sein, wenn in anderen Teilen der Welt, Frauen noch immer benachteiligt und entmündigt werden?

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