Performanzen

Es gibt ja einen Weltlehrertag. Ich mag ja einige Lehrer als Menschen, wenn sie aber ihre Lehrerpersönlichkeit auspacken, wird es weird. Sehr weird – zum Teil.

Irgendwie kenne ich niemanden sonst, der in seinem Beruf eine eigene Persönlichkeit auspackt. Ich habe keine Pädagoginnenpersönlichkeit – wäre ja auch eher scheiße, denn dann wäre ich nicht mehr authentisch.

Und genau dann biegt Sie geistig um die Ecke. Sie ist sie. Und das ist Judith Butler. Im Gepäck hat sie die Performativität!

Während Performanz verstanden als Aufführung oder Vollzug einer Handlung ein handelndes Subjekt vorauszusetzen scheint (das ist auch die Position der Sprechakttheorie), bestreitet der Terminus Performativität gerade die Vorstellung eines autonomen, intentional agierenden Subjekts. Die Performativität einer Äußerung unterstreicht deren Kraft, das Äußerungssubjekt und die Handlung, die sie bezeichnet, in und durch diesen Äußerungsakt allererst hervorzubringen.

Quelle: Gerald Posselt (2003): Performativität. (http://differenzen.univie.ac.at/glossar.php?sp=4)

Man kann hier auch von einer Art Berufs-Performativität-Zwang sprechen. Immerhin würden viele Lehrer das zwar nie offen zugeben, aber sie verhalten sich durchaus so.

Neulich hatte ich mit einer Lehrerin beruflich zu tun, die mir dann einen Vortrag darüber hielt, dass ich mein Saubandenmember doch bitte zur Pünktlichkeit und zur Sorgfalt erziehen solle. Als ich ihr antwortete, dass diejenige schon über 18 sei und ich maximal mit ihr reden kann, statt mit Sanktionen vor der Nase rumzuwedeln, meinte sie, ich solle jetzt vorsichtig werden, sie sitze am längeren Hebel. Als ich dann meinte, sie solle mich ausreden lassen, kam ein „Jetzt rede ich.“ Herrlich ❤

Natürlich sind nicht alle Lehrer so und es gibt viele, die ich sehr schätze. Leider zeigen diese nicht das Klassenzimmerverhalten. Was mir ganz recht ist.

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One thought on “Performanzen

  1. Ich weiß nicht… Die von Dir beschriebene Pädagogenpersönlichkeit ist ja nur das Performen von Arroganz unter Etablieren oder Vollziehen eines vorhandenen Machtgefälles und kein wirkliches Agieren von „Persönlichkeit“.

    Ich selbst hab zugegebenermaßen schon (obwohl ich authentisch agiere), eine Pädagogenpersönlichkeit, die gerade das Gegenteil dieser Arroganz zu sein versucht – Während ich privat oft recht derbe und schwarzhumorig unterwegs bin, verkneife ich mir das bei Schülern bewusst, um nicht zu verletzen. Nicht bei jeder kommt ein „Heul leiser, Chantal“ unbedingt gut und richtig an ^^— So würde ich meinen Gesprächsstil in der Schule als diszipliniert (wohlgemerkt, MICH disziplinierend) offen und sachlich beschreiben – und zwar unter ALLEN möglichen Umständen als sachlich: du weißt, was man manchmal von Pubertierenden an den Kopf geknallt kriegt – bloß das um Himmels willen nicht spiegeln! Wäre ich da vollkommen „authentisch“, würde ich wohl nicht mehr lange im Dienst sein 😀

    „Irgendwie kenne ich niemanden sonst, der in seinem Beruf eine eigene Persönlichkeit auspackt.“
    -> Meine Tochter arbeitet gerade im Studium an ihrer „Therapeutenpersönlichkeit“. Auch hier ist es wichtig, nicht die eigenen Zweifel und Selbstwertsgefühlsdefizite (siehe deine beschriebene Form der Pädagogenpersönlichkeit, die ich eher als Pädagogendefizit sehe) an einem Klienten abzuarbeiten, ebenso eigene Stimmungslagen und Wertungen außen vor zu lassen. Erzaehlmirnix hat ein paar ganz witzige Comics darüber gemacht, wie sie als Therapeutin im Gegensatz zu privat agiert, kennste?
    Ich kenne natürlich auch die „Lehrerkrankheit“ , den Pädagogen nicht in der Schule lassen zu können und permanent andere belehren zu wollen (siehe ich grade wieder 😦 … *hirnverzwirbel – argh,ich muss das!) – ich hoffe, dass es nie soweit mit mir kommt, dass ich in Reisegruppen als Lehrerin erkannt werde, so wie ich es bei mir ansonsten unbekannten Kollegen tue 😀 Das wäre der Gipfel der Peinlichkeit. Aber ich denke, meine Kinder weisen mich rechtzeitig darauf hin *hoff

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