Der Makel

Inspiriert von Dingen, die momentan in meinem Umfeld geschehen und ausgelös von Seppos Beitrag „Gut aufgestellt für 2016„, möchte ich mich dem Thema Arbeitslosigkeit widmen bzw. dem Thema Beziehen von Sozialleistungen.

Noch heute – in einer Zeit mit einer denkbar launischen Wirtschaft, semistabilen politischen Verhältnissen und anderen Eventualitäten – gilt die Tatsache arbeitslos zu sein noch immer als Makel. Gerade bei Akademikern sind vor allem befristete, freiberufliche und honorargebundene Arbeitsverhältnisse nichts Seltenes. Doch scheinbar geht das nicht in den Kopf vieler Menschen hinein.

Stattdessen wird munter in der Gegend herumsuggeriert, keinen Job zu haben, bedeutet, sein Recht nach Existenz zu verwirken. Statt, dass man sich fragt, warum ein Mensch seinen Job verloren hat, wird munter auf dieser Person herumgehackt, ohne Umstände zu wissen. Aber warum auch, dann könnte man ja so etwas wie Empathie für den anderen empfinden und damit würde tatsächlich die Grundlage – zumindest von Teilen meiner Peer-Group bröseln. Denn der ewige Konkurrenzkampf würde dann bröseln, das stetige Darauf- Bedachtsein mehr Achtung und Glücksmomente zu bekommen, als andere. Man sitzt lieber den ganzen Tag vor dem Rechner, beobachtet arglistig die Postings von Bekannten und Freunden, um sich über deren „Profilierungssucht“ auszulassen, um danach zuckersüß und voller Liebreiz darauf zu antworten. Irgendwann reicht es einem dann und man rammt Messer in Rücken und muss die anderen bewusst verletzten, nur um eine halbe Sekunde das zu bekommen, was man schon immer wollte – Liebe, Triumph und etwas Achtung von sich selbst für sich selbst.

Meine Generation wurde dazu erzogen, die schönste, tollste und ehrgeizigste zu werden. Mobbing wurde in meiner Geburtenkohorte das erste Mal als Phänomen in diesem Ausmaß und dieser Breite wahrgenommen. Und mit Mobbing kam die allseits beliebte Erklärung für Mobbing von unseren wirtschaftswundergezeugten Eltern (OK, meine waren Kriegsgeneration, deswegen darf ich das sagen): „Die anderen sind nur neidisch!“.

 

Postfaktische Scheiße aus der Generation der Post-Wirtschaftswunderenkel

Genau, alle anderen sind immer nur neidisch auf Deine eine Existenz. So lässt sich der Tenor des Verhaltens von meiner Generation zusammenfassen. Empathie war leider aus, stattdessen gilt ständiges Gekeife und Gekeile als etwas, das völlig erstrebenswert zu sein scheint. Gerne werden dabei die desolaten Ehen und Paarbeziehungen dieser Elterngeneration als Gründe genannt. So wird der permanente Betrug der Eltern aneinander als Grund vorgeschoben, dass man sich selbst gerne mal auf Partys von Typen in den Allerwertesten pennetrieren lässt und dass man dann ja einen Grund hat, um rumzuheulen, wenn es beim Kacken weh tut. Dasselbe gilt für seriell-monogames Verhalten in der zeitlichen Taktung von sieben bis neun Monaten. Man ist einfach nicht in der Lage eine Beziehung zu führen, weil…

Gleichzeitig müssen Ehe, Haus, Auto, Garten, Hund und Kind in einer bestimmten zeitlichen Taktung so vorhanden sein, dass der Neid der anderen spührbar ist oder zumindest postfaktisch zu existieren hat. Arbeitslosigkeit ist da natürlich denkbar scheiße. Um dann noch den eigenen Lebensstandard oder zumindest die Trefferquote der eigenen Kinder, um eine Gymnasialempfehlung in der Grundschule zu erhalten, wird wild herumqualifiziert oder wahllos irgendwelche Workshops belegt. Doch geschieht dies aus der Motivation, sich selbst zu entwickeln?

Gleichzeitig besteht die Angst, andere könnten herausfinden, dass man Leistungen vom Staat bezieht, denn dann ist man ja ein Versager. Und ja, man ist einer – in den Augen einer bürgerlichen, selbsternannten Pseudoelite, die vom Neid auf andere zerfressen sind- aber immer sind die anderen nur auf einen selbst neidisch.

*Bild eines Kindles, einer Teetasse und einer Terasse post*

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Taube Napoleon, Schloss Weikersheim

 

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