Wanzentage

Für eine liebe Freundin, der ich diesen Artikel widme, weil es ihr genauso geht. Danke, dass wir unsere Freundschaft wiedergefunden haben ❤

Manchmal habe ich das Gefühl, dass gerade im Akademikermilieu viele Menschen unterwegs sind, die sich als ultimative Superwaffen der Menschheit sehen. Im meinem Bekanntenkreis laufen diverse Contests.

Neulich postete eine meiner Lehrerbekannten, wie sie mithilfe eines Arsenals an Küchenmaschinen Kekse für den Backwarenverkauf ihrer Schule produzierte. Wow. Eine andere schrieb mir etwas hysterisch, wie man denn einen Fikus pflege. Da jede Pflanze bei mir einen grausamen Tod stirbt… mir egal.Die einzigen Pflänzchen, die ich aufziehe sind die menschlichen. Bei jemandem, bei dem schon Saubohnenpflänzchen einen qualvollen Tod sterben, weil sie stinken, der sollte keine Botaniktipps geben.

Doch meine Umwelt ist voll davon. Die eine näht gerne. Kann sie, postet sie und ich frage mich, wann ihr mal eine Mutter von benähten Kleinkindern sagt, dass Mützen aus Jeansstoff vielleicht weniger nützlich für Kleinkinder sind. Mittlerweile hat das alles Wettbewerbscharakter entwickelt – und ich bin raus.

Mir egal, wer welche Pflanzen zieht, wer ein Supersonderzertifikat in kirigisischem Klöppeln oder in georgische Schriftzeichen malen hat. Mir egal. Echt!

Warum müssen wir alle in einen Wettbewerb treten? Egal ob beim Heiraten, der Familienplanung oder unserer Freizeit. Wie oft werde ich gefragt, eben von jenen fikuszüchtenden, mützennähenden Spiesermädels, wann es bei mir so weit sei. Zum einen frage ich mich, was das wen angeht, zum anderen, seit wann das nicht mehr Schatzkes oder mein Bier ist.

Ich habe mich mit 19 schon darüber aufgeregt, als meine Klassenlehrerin in Klasse 13 fragte, wann ich denn plane Mutter zu werden. Jetzt bin ich 29 – so what. Warum glauben Leute, es gehöre zum Erwachsenwerden, scheinbare Erwachsenenprobleme zu haben? Warum muss ich mich um’s Verrecken vor meinem 32er noch fortpflanzen und warum überhaupt?

Noch trage ich meine Verantwortung für mein Leben – das zwar nicht ganz so schlecht, aber noch nicht gut genug für Verbindlichkeiten wie Kinder. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Frauen um mich, war ich schon einmal 2 Jahre lang Ersatzmutter und – auch wenn ich die Kiddis meines Exfreundes schätze – meins war es damals (noch) nicht. So what. Ich will meine Freiheit, meine Zeit und die Zeit, die ich brauche, um Dinge wasserfest zu machen.

Das ist zwar spießig, aber besser als Fiken (ist das der Plural?) zu züchten.

 

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