10 Dinge, die man als abgebrochener Referendar…

… nicht beantworten mag – ich machs mal trotzdem… und zwar aus meiner Sicht…

  • Du bist ja gar nicht mehr Lehrer.

Richtig erkannt. Ich bin nicht im Schuldienst, sondern mache etwas ganz anderes. Allerdings legt man diesen Lehrerhabitus nur schwer ab. Manchmal korrigiere ich Texte auf Grammatik und Rechtschreibung. Dabei werde ich fast wahnsinnig. Außerdem finde ich es nach wie vor spannend, mich in meinen beiden anderen Fächern weiterzubilden und ich raste regelmäßig vor mich hin, wenn jemand nicht fundiert argumentiert.

Außerdem habe ich oft Konfliktlösungsstrategien, wie im Lehrerberuf. Ich lasse jeden ausreden, hör mir alles an und entscheide dann selbst. Was allerdings anders ist, wenn jemand scheiße berät, sage ich es demjenigen.

  • Willst Du nicht nicht zurück?

Wie soll man etwas wollen, was man nicht kann? Manchmal ja. Manchmal würde ich gerne vorn stehen und unterrichten – dann unterhalte ich mich mit anderen Menschen, die im Lehramt sind und dann will ich es nicht. Ich habe Handlungsspielräume, die Lehrer nicht haben und ich habe das beste der Welt: Ein Büro, das eine Tür hat, die man zuziehen kann und kurze Wege.

  • Du könntest ja im Kindergarten arbeiten.

Ich könnte auch Schlagertexte ins Tschechische übersetzen. Aber ich will meine vorausgegangene Ausbildung nicht ganz wegwerfen. Wäre ich im Kindergarten, wäre es auch nicht meine Altersgruppe. Außerdem möchte ich finanziell auch das haben, dass ich nicht schlechter verdiene, als andere in meinem Alter. Ebenso möchte ich nicht auf Menschen angewiesen sein, die schlechter ausgebildet sind.

  • Als Lehrer würdest Du jetzt mehr verdienen.

Ja, und nein. Ich verdiene gut und kann davon leben. Ich hab zwar keine beamtische Vorzugsbehandlung im Krankenzimmer, aber es ist ok. Mir werden auch meine Medis nicht übernommen, doch das ist wohl der saure Apfel. Sich über die Besoldungsgruppe zu definieren ist lächerlich.

  • Als Lehrer hättest Du jetzt frei.

Ja, während 300 Klassenarbeiten, eine Menge Arbeit, wie Elterngespräche, Unterrichtsvorbereitung und anderer Kram warten. Vorbereitungszeiten werden nie gesehen, da sie meist daheim stattfinden.

  • Darf ich Ihnen Feedback anhand unseres Feedbackbogens vom Seminar geben?

Öhm. Nö! Ich muss mich nicht mehr bewerten lassen, wie ich was sage. Ich genieße das unfassbar.

  • Und, was machen Sie jetzt?

Lieber Seminarchef. Ich – kaum zu glauben, aber wahr – arbeite. Am Ende eines jeden Monats erhalte ich so einen Zettel, auf dem Zahlen stehen. Ich bekomme Supervision und habe Freiheiten zu entscheiden, was ich will. Sie haben mir gezeigt, wenn man für jemanden entscheidet, ist es meist scheiße. Danke, dass Sie mir die Wichtigkeit eines partizipativen Stils gezeigt haben. Im Übrigen bin ich jetzt echte Pädagogin.

  • Hast Du Dich nicht genug angestrengt?

Genau, das war’s. So einfach. Nee, ich habe geackert, aber es wurde entschieden, dass ich nicht geeignet bin. Beim Scheitern hab ich mich noch mehr angestrengt, Danke für die Migräne und die außerordentliche Handlungskompetenz – nicht.

  • Wäre nicht die Schulart XY etwas für Dich?

Nö, ich mag Wissen vermitteln, aber das Drumrum find ich doof. Das sind nicht mal die Schüler, sondern mehr die Zwänge.

  • Mach doch etwas anderes mit Kindern, wie Beruf X

Danke, ich bin bedient.

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6 thoughts on “10 Dinge, die man als abgebrochener Referendar…

  1. Danke für deinen tollen Post!

    Ich wurde auch „gegangen“ und bin zweimal durchgefallen. Für meine „totsichere“ Grammatikstunde, 1:1 von Ziegesar übernommen, bekam ich eine 4. Obwohl alles fein laminiert war, die Kids die grüne Ampel gezeigt und am Ende applaudiert haben. Ach ja, den If-Satz hatten sie am Stundenende perfekt drauf- schriftlich und mündlich. Die 4 konnte mir keiner begründen…

    Tja, wohl zu oft die Schnauze aufgerissen…
    Aber weißte was? Ich arbeite nun auch mal Pädagogin und die „dumme Unfähige“ hat es sogar gepackt, nebenbei noch ein Fernstudium zu absolvieren. Sowas…. kannst dich gerne zwecks Austausch melden, auch wenn der Horror bei mir schon einige Jahre her ist 😉

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  2. bin gerade im 1. mastersemester und bin in die 5 monatiger praxisphase an einer gs gestartet. jeden morgen/abend/tagsüber Bauchschmerzen, Gedankenkreisel, Zweifel inklusive.
    nicht mal wegen der kinder – die find ich ganz in Ordnung, viel eher wegen der Institution schule, des „allzeit bereit seins“, des nie enden wollenden Aufwandes (denn so richtig „frei“ hat man theoretisch nie, besser/didaktisch wertvoller geht immer….!).

    vielleicht hilft mir diese Seite oder jemand meldet sich bei mir, bin mir über alternativen derzeit sehr unsicher und habe nur Wirrwarr im kopf. LG

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    1. Mir ging es damals ähnlich und ich bin glücklich, mich nicht mehr verstellen zu müssen. Ich kenne viele Lehrer, die sich das nicht eingestehen und deswegen Psychokokken (also irgendwelche lustigen Störungsbilder) entwickeln

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  3. Ich habe gerade durch Zufall den Blog von Textourette gefunden und bin über den Link dort hier gelandet. Schön, dass es Menschen gibt, die nicht fast einen Bypass brauchen, weil man kritisch über den Beruf denkt. Ich bin noch im Master und arbeite „nebenbei“ als Seiteneinsteiger an einer Gesamtschule. Seit 2 Jahren zweifel ich daran, dass es der richtige Beruf für mich ist. Dabei ist das mein zweites Studium und ich war mir mal sicher, dass ich das Richtige tue. Ich bin jetzt erstmal dankbar für das Geld, sehe meine aktuelle Situation pragmatisch und lass das Leben sich entfalten. Klingt ein wenig esoterisch, aber Druck, nun endlich was anderes finden zu müssen, hat mir nicht geholfen und ich meine, wenn man offen bleibt, können sich Dinge auch fügen. Noch bin ich zu schissig und lasse mich heimlich von der Welt verrückt machen. Alles Gute euch allen!!!

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