Vom Dilemma, Sozialwissenschaftler zu sein

Ich bin Sozialwissenschaftlerin durch und durch. Nichts fasziniert mich mehr, als gesellschaftliche Prozesse, die Konstruktion und die Auflösung von Wahrheiten und die Lesart der Dinge. Ich liebe endlose ethische, philosophische, soziologische und interdisziplinäre Debatten. Meine Umwelt wird analysiert, zerlegt, Mechanismen konstruiert, eprüft, verworfen. Alles super.

Nur manchmal stoße ich an Grenzen, nämlich die Grenzen anderer Disziplinen, die meinen, mir meine erklären zu müssen. Wenn mir ein BWLer erklärt, wie Bildsprache funktioniert, dann muss ich grinsen. Oberflächlich, an dem, was geschrieben steht, ohne Nouanchierungen. Etwas ist so, weil man es so wahrnimmt und genau dann ist es unumstößlich. Ja, wenn ich eine Bilanz erstelle, dann kommt Wert X raus und der Wert ist mit hoher Wahrscheinlichkeit – je nachdem was ich rein oder rausrechne, wahr oder falsch, aber er ist nie subjektiv. Fixkosten berechnet man mit der Fixkostenformel, Abschreibungen mit einer anderen und diese Formeln funktionieren bei allen immer gleich, wenn gleiche Werte eingesetzt werden – vorausgesetzt man rechnet richtig und sind daher objektiv beweisbar.

Und genau dann kommt ein Sozialwissenschaftler – spätestens wenn ich mit BWLern über die ethisch moralische Komponente der Kosten- und Leistungsrechnung diskutieren will, drehen sie durch. Oder dann, wenn ein BWLer mit mir über meine Fachdisziplinen diskutieren will.

Wenn mir ein BWLer etwas über Politik erklären will, läuft das so: Also ich finde ja, dass die CSU mit ihren Plänen Recht, weil es eben so ist. Wow. Das ist wie: Ich finde Schwule scheiße, weil die ekelig sind weil es so ist.

Dabei rangiert diese Diskussion über die gesamte Bandbreite an aktuellen Themen: Politik, Sexualität, Tagesgeschehen, Sozialethik, Ethik, Moral…

Dabei werden eigene Wahrnehmungen, Moralvorstellungen und soziale Normen muter mit Tatsachen vermischt und dann gewertet, bevor sie durchdacht wurden oder man sich darüber informiert hat.

Geile Garage! Ich fange jetzt einfach auch an mit Ärzten, Bankern oder Ingenieuren zu diskutieren und zwar genau so. Eigentlich ist mir sowas ja peinlich, weil es unreflektiert und peinlich ist, nur möchte ich auch mal wissen, wie man sich genau dann fühlt.Deswegen fühle ich mich sehr oft an folgende Statements erinnert. Quelle Pinterest 😉

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2 thoughts on “Vom Dilemma, Sozialwissenschaftler zu sein

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