Thermomixmenschen

Wie einige von Euch wissen, bin ich großer Fan der Pepe Nietnagel- Reihe. An jedem Feiertag laufen die Filme in den dritten Programmen und ich liebe es, mir den Spaß anzutun. Denn er enthebt mich aus der Rolle der kritischen Pädagogin. Eigentlich.

Da ich mich neulich (mal wieder) über das herablassende Verhalten ehemaliger Kolleginnen geärgert hatte, die sich mehr mit ihren Küchengeräten auseinandersetzen, als mit dem Wohl ihrer Mitmenschen, fühlte ich mich an diese Generation der Pädagogen zurückerinnert. Die Gattung des Homo paedagogicus gymnasiale erweicht regelmäßig meinen Keks und mein Herz macht da oft genug Siesta – oder so.

Mich amüsiert vor allem die Tatsache, dass Frauen in meinem Alter aus gutbürgerlichen Elternhäusern mir gerne etwas zum Thema Lebenswirklichkeit von heutigen Jugendlichen erzählen. Die typische Lehramtsstudentin/-Anwärterin/ Junglehrerin stammt aus einer Mittelschichtsfamilie, ist in der Regel die erste, die studiert hat und  deren Eltern ganz fürchterlich stolz darauf sind, dass das Mädel ein Studium hat. So begütert und auch aus einer sehr speziellen Weltanschauung heraus geprägt,  gehen sie erfolgreich auf Kinder los. Neben dem Job gehen sie gerne feiern (früher im Club in der nächsten Stadt, trinken gern Aperol) und finden örtliche Fußballvereine – weil der Schatzi da ja spielt – gut. Nebenbei haben sie recht mittelflott studiert, machte aber nix, weil die stolzen Eltern das ja bezahlt haben. Aber sie sind ja so tight an den Kindern von Harz IV- Empfängern dran…

Natürlich gibt es andere Problemlagen, wie die Lieferzeiten des Thermomix oder die Frage, ob man sich eine Wohnung mit Mitte 20 gleich kaufen soll oder nicht. Man hat ja schließlich ein Beamtengehalt und jede Menge Muse, da man sich nicht mit so unwichtigen Dingen wie Tagespolitik oder die Gefühle anderer Menschen. Nur so lange die eigene Klasse mitläuft, ist es super. Dabei spreche ich nicht generell über Lehrerinnen, denn ich kenne viele weise, selbstdenkende, tolle Frauen, die Kindern viel mitgeben können. Courage, Mut, eigenständiges Denken, Argumentationskraft und viel Achtung und Wertschätzung. Mich nerven allerdings nur diejenigen, die kaum haben sie die Verbeamtung, was in BW nach drei Jahren der Fall ist, schwanger werden. Mich nerven die Mädels, die mit Michael-Kors-Handtasche, mit einer Uhr im Gegenwert eines Kleinwagens am Handgelenk und Papas Drittwagen auf dem Schulparkplatz, die so einer Sozialtante wie mir irgendetwas zu Beratung, jugendlichen Lebenswelten und Pädagogik erzählen wollen.

Sie haben sich weder auf dem Schulhof geschlagen (und zwar von Jungs und Mädels), noch hattet ihr Angst davor, dass sie sich ihr Studium nicht leisten könntet oder dass Nebenjob und Studium nicht vereinbar sind und man sich zwischen Geld oder Bildung entscheiden muss. Ok, manche haben vielleicht ein gesteigertes Verständnis für Anorexen und Bulimikerinnen. Vielleicht ist das ja das, was diese Frauen auszeichnet. Maybe.

Was haben aber diese Damen mit den Paukern aus den Nietnagelfilmen gemeinsam? Sie sind ebenfalls manchmal etwas ratlos bei pädagogischen Grundlagenproblemen und vorn mit dabei, Schüler sehr interessant zu strafen. Ich habe ja meine Vorliebe für diese ganzen Super- Schulkonzepte, die nicht nur Hungersnöte, Vergewaltigungen und Amokläufe präventieren, sondern auch alles Böse aus der Welt schaffen. Genau hier findet sich die Abnehmerinnen für jene Bücher, denn wie geil ist denn bitte das, dass einem Handlungsanleitungen [gegeben werden], die einen ‚effektiven‘ und ‚störungsfreien‘ Unterricht ‚mit möglichst wenig Kraftaufwandmöglich machen sollen“ (Herz & Heuer, 2014, S. 246). Dass dabei aber Porzellan zerschlagen wird, Kinderseelen gequält werden und Wertschätzung nur dazu dienen soll, sich des anderen, kritischen Charakters zu bemächtigen, finde ich kritisch. Interessant ist dabei, dass genau jene Lehrerinnen sich gerne auf diese Art und Weise mit anderen unterhalten. Neulich hatte ich eine ähnlich groteske Situation erlebt. Ich war in der Nähe einer pädagogischen Institution eine rauchen. Ich stand nichtsahnend vor dem Kasten und starrte in mein Handy. Da kam eine Vertreterin:

„Siehst Du das Schild nicht, du darfst hier nicht rauchen.“
„Jo“
„Mach die Zigarette aus“
„Nope“
„Mach sie sofort aus, sonst“
„Sonst was, sagst Du es dann dem Direx? Schau mal da drüben ist die Polizei. Vielleicht interessieren die sich ja dafür.“
„Der Raucherbereich ist auf der anderen Seite des Gebäudes.“
„Ja“.
Währenddessen war die Kippe schon zu ¾ runtergebrannt…
„Stört es Dich etwa, dass ich rauche.“
„Ja!“
„Wie wäre es einfach, wenn Du das sagen würdest. Weißt Du freundlich uns so, kennst Du doch noch“.

Der Thermomixmensch ist nicht zu verwechseln mit dem Torpedomenschen und tritt oft kombiniert mit Clean-Babetum auf.

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s