Von verkannten Genies und der Verantwortung keines zu sein

Himmelarschungdzwirn – oder so. Genauso geht es mir oft, wenn ich meine überaus talentierten und ambitionierten Mitmenschen erlebe, strotzend vor Ego. Irgendwie scheint ihnen alles so zu gelingen, dass alles toll ist. Als ambitionierte Jungmusiker_innen Mitte 30, als ambitionierte Grafikgenies oder Modeblogger_innen. Überall sind diese Ambitionen.

Wir, deren Tantengeneration diejenigen waren, die vor 20 Jahren Müsli gegessen, Yogi- Tee getrunken und eine Glasarbeitsplatte in der Küche hatten. Eigentlich ist das nur ein kleiner Teil der Gesellschaft, die mich umgibt. Da ich ein Landkind bin, gab es das bei mir nicht so. Trotzdem habe ich jene Menschen um mich herum, denn ich habe momentan viel Kontakt zu Menschen meines Alters, die aber die Kinder der Kleinstadtintelligenzia sind. Diesen Menschen wurde in der Kindheit ein Samen eingeimpft, der heute wirre Blüten und etwas seltsame Auswüchse treibt. Was heute die 17- bis 22- Jährigen sind, die sauber mittelgescheitelt ihrer Existenz als Tussi und Hipster fröhnen, waren bei uns diese alternativen Prähipster (also diejenigen, die so aussahen, bevor es cool war und jetzt Tattoos von Andy Warhols Dosen oder Karostrümpfe tragen).

Der Keim des Erfolgs, der Indibvidualität und der Genialheit

Ich war nie eines der Kinder, die cool waren. Zum einen besuchte ich nicht eines unserer umgebenden Kleinstadtgymnasien, zum anderen hatte ich nie die Klamotten, die die coolen Kids meiner Klasse trugen. Meine erste Begegnung mit dieser Gattung Mensch hatte ich früh. Oft hatte ich als Teenager das Gefühl, dass diese Menschen in einer anderen Sphäre leben. Irgendwie schien ihnen alles zuzufliegen und sie hatten den Mut, sich darauf einzulassen.

Vielleicht wäre ich auch so geworden, hätten mich Tübingen, Heidelberg oder Freiburg angenommen. Vielleicht hätte ich eher einen Zugang dazu, wenn ich etwas anderes, als das Konformistenfach studiern hätte. Doch irgendwie, hinten links, bin auch ich so, nur auf meine Art und Weise.

Mein Zugang zu Hipstern

Um eines zu sagen: Ich mag das 90er Klamottenrevival nicht. Ich bin weder Freundin von Bauchfrei, noch von Tatooketten. Nicht, weil ich es mir nicht leisten könnte, sondern, weil ich es schon in den 1990ern als zweifelhaft empfand. Meine Haare sind zu pflegeintensiv für Mittelscheitel und mein Make-up hält eh nicht.

Doch trotzdem scheine ich einen Zugang zu haben – genauso wie zu depressiven Teenagerfreaks. Denn auch ich war einer von ihnen. Noch heute werde ich doof angesehen, wenn ich statt über Make- up, über Marvel philosophiere und statt Thor irgendwie eher Ant-Man scharf finde.Ich bin cool im Kleinen, so für mich, in meiner ganzen Freakigkeit. Weder meine modebloggenden Cousinen, noch meine Weltverbessererbekannten nehmen das wahr. Doch meine Saubande, meine Freunde und manchmal auch ich tun das. Egal ob mit oder ohne Carohemd und Mittelscheitel oder musikalischen Ambitionen. Zeichnen, nähen und Fotos machen kann ich übrigens auch nicht.

 

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