Sonnenhang in der Not

 Es ist verständlich, dass die Menschen in xxx verärgert darüber sind, dass Bürgermeister xxx eine Flüchtlingsunterkunft in der von den Gegnerinnen und Gegnern vorgebrachten Lage Am Weihergraben. Gleichzeitig regt sich Widerstand gegen die Unterkünfte in der Wohngegend im Nachbarort sowie in meinem Heimatort. Doch sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass die vorgebrachten Argumente meist aus Angst angebracht werden. Man sollte auch differenzieren, worum es den Bürgerinnen und Bürgern geht. Wer sich darüber beschwert, dass ein „gutes“ Grundstück bebaut wird, dann sollte man sich auch darüber im Klaren sein, welches Bild das auf die Bürger unserer Gemeinde wirft.

Natürlich sind die Quadratmeterpreise in der Region sehr hoch und viele – vor allem vermögende Kerner – sehen es als problematisch an, wenn Menschen, die vor Krieg und Elend geflohen sind, nun in ihrem Wohngebiet leben und sie scheinbar in ihrer Sicherheit angegriffen sind. Nur ist dabei doch die Frage, ob es den Menschen um ihre eigene Sicherheit geht oder ob der Wertverfall der eigenen Immobilie im Mittelpunkt steht. Wenn Menschen fliehen, sollte man ihnen auch die Möglichkeit geben, hier anzukommen und ihnen wiederum damit auch die Möglichkeit einer Unterkunft, die ihnen die Chance lässt sich zurückzuziehen. Was in den letzten Wochen und Monaten an Argumenten für Sicherheit vorgebracht wurde, scheint ein eindeutiges Bild zu zeichnen. Asylbewerber zünden ihre Betten an, sie fallen über Frauen her und sind alle gewaltbereit. Nur befinden sie sich nicht nur in einem körperlichen, sondern auch in einem psychischen Ausnahmezustand. Traumata sind schwer für scheinbar psychisch gesunde Menschen nachzuvollziehen. Niemand legt einen Brand im eigenen Zimmer, weil er oder sie das eines Morgens beschließt. Gerade hier sollte rationales Denken als hilfreich erachtet werden. Die Bürgerinnen und Bürger fürchten sich vor diesem Bild des scheinbar emotional unkontrollierten Fremden. Nur sollte hier spätestens klar sein, dass es in dieser Situation mit Deutschkursen von Ehrenamtlichen nicht getan ist. Diese Menschen sind traumatisiert, verletzt und in ihrer momentanen psychischen Verfassung alles andere als stabil. Deswegen sollte nicht nur über ihre Unterbringung, sondern auch darüber debattiert werden, inwieweit ihnen auch therapeutische Hilfe gewährleistet werden kann. Unmittelbar erlebte Gewalterfahrungen und das Leid dieser Menschen sollte Anlass genug sein, ihnen Räume zu schaffen, um sich zurückzuziehen und sich zu regenerieren. Vielleicht sollte die Gemeinde auch mit diesem Weitblick investieren, statt Geld in Dinge zu stecken, die weniger relevant für den sozialen Frieden sind.

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4 thoughts on “Sonnenhang in der Not

  1. Was meinst du: wie hoch ist der Anteil der Flüchtlinge, die so schwer traumatisiert sind, dass sie für sich und für andere eine Gefahr darstellen? Hast du da Zahlen?
    Möglichkeit zur Partizipation finde ich genau so wichtig wie Rückzugsmöglichkeit – für alle, Gesunde wie Kranke. Im schlimmsten Fall sorgt man bei Überbetonung des letzteren (Rückzug) für Ghettobildung und mangelnde Integration. Spätestens hier verwirrt mich dein Schreiben: Wo gibt es mehr Rückzugsmöglichkeit – in einer zentralen Flüchtlingsunterkunft, wo alle aufeinander hocken oder in dezentralen Wohnmöglihckeiten? Es geht nicht klar hervor, was von beidem du nun bevorzugst. Jedenfalls kann dein Argument mit der Therapiebedürftigkeit wunderbar in die Richtung gedeutet werden, dass man die Flüchtlinge weg aus der eigenen Nähe haben will – nicht etwa, weil der Preis der eigenen Immobilie fällt, neeeein…. sondern nur um der armen Flüchtlinge willen, denen man ihre Ruhe gönnen will.

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