Ein Relikt

Gerade gefunden und etwas Reflexionsfläche…

Mal wieder etwas Hirnquark

Es ist jetzt verschissene drei Monate her… Man zog mir den Boden unter den Füßen weg und ich landete mit der Fresse voran im Morast aus Ungerechtigkeitsempfinden, Selbstmitleid und Wut, wissend, dass ich irgendwann Rache schwören werde. Meine Rachegedanken sind nun noch nicht weg, aber sie werden anders. Ich bin nicht mehr so verbittert, sondern glücklich darüber, dass mir mein Rückgrat nicht völlig zertrümmert wurde und dass ich noch halbwegs aufrecht über diese Welt gehen kann. Zwar schmerzt es noch immer noch, doch sich zu fragen, warum man selbst und andere nicht, ist sinnlos. Schließlich merkt man, dass man Opfer der Umstände war und nicht so daran schuld, wie es einige gerne hätten.

Man sagte mir, aus mir werde niemand, der es zu irgendetwas brächte. Vielleicht haben sie recht. Vielleicht hat diese eine Person Recht, die mir das Genick brach. Vielleicht hat derjenige Recht, der es verdient hätte, dass er sein Dach vollbekommt. Vielleicht hat diejenige Recht, die mich anlog und mich in die beschissenste Lage meines Lebens brachte.

Doch es heißt nicht umsonst, dass Recht haben und Recht bekommen zwei Paar Stiefel sind.

… vielleicht muss ich den langen Weg Nachhause nehmen, wie ihn Roger Hodgens einst besang. Vielleicht braucht es diese Umwege, um glücklich zu werden. Schließlich sieht man bei der Überlandfahrt auch mehr, als auf der Autobahn und man ist zwar nicht so schnell am Ziel, doch man sieht anderes, das manchmal viel wertvoller ist. Denn oft sieht man die wirklich tollen Dinge nicht, denn man will sie nicht wahrnehmen.

Ja, ich bin gescheitert, werde ignoriert und nicht als gleichwertig wahrgenommen. Deswegen bin ich enttäuscht, traurig und verletzt.  Ich bin nicht mehr Teil dieser Welt aus klebrigem, spießigen Kleinbürgertumsmist gepaart mit einer Armee aus analpenetrierenden Stöcken. Man warf mir Dinge an den Kopf, ließ mir aber nie Zeit, etwas dazu zu sagen, so verstummte ich. Man hatte mich im Würgegriff, wollte, dass ich atmete, wie sie es wollten, während mir man die Kehle zudrückte, nur um sagen zu können, ich hätte zu wenig Luft geholt.

Und doch habe ich wieder meinen Weg zu mir gefunden. Endlich kann ich wieder das tun, was ich kann, das tragen, was ich mag und die Farben nehmen, die ich will. Ich kann wieder lachen, wieder weinen und wieder atmen. Ich weiß, dass ich mir den Rücken krumm gemacht habe und versuchte, mich mit aller Kraft in eine Form zu pressen, die man von mir erwartet hatte. Alles in der Hoffnung, dass ich genauso formbar würde, wie all die anderen. Ein Mensch, den ich sehr schätze sagte mir nach der ganzen Scheiße:

Weißt Du, Du bist vielleicht wie einer dieser Rohdiamanten, die man wegwirft, weil sie die Schleifmaschine kaputt machen.

Ich danke diesem Menschen für diesen Satz… Denn ich habe wieder gelernt, Sand im großen Räderwerk der Welt zu werden. Lasst uns das Unmögliche wagen, selbst zu denken. Lasst uns unseren inneren Schweinehund, der genährt von Vorurteilen und Ängsten ist, endlich in den Hintern treten. Lasst uns so verrückt sein, dass wir wieder wir selbst sind.

Und heute? Ja, ich habe einen Job, er macht bisher viel Spaß und ich kann endlich auf Facebook Begriffe wie „Fuck“ posten und es interessiert niemanden. Niemand screenshottet meine Statusmeldungen oder geht petzen, weil mein jetztiger Chef auf Kommunikation setzt. Ich habe heute gerne zwei Stunden auf einer außerplanmäßigen Sitzung verbracht und es war gut. Mein Arbeitgeber hat einen beeindruckenden Einfluss auf mich. Ich möchte nicht ständig „fuck“ posten, ich sehe Dinge anders, lerne Menschen zu schätzen und äußere mich nicht ständig abfällig über Kommefehler von Fünftklässlern… Läuft würde ich da sagen.

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