Typ F Diabetiker

Ich oute mich hier und jetzt, ich bin eine von ihnen. Ich bin Typ F Diabetikerin. Was das heißt: Zwei Menschen, die ich sehr liebe, sind Diabetiker – ich habe sowohl einen Typ- 1er als auch einen Typ- 2er. Also bin ich Doppelte Typ F’lerin. Typ F steht für Familie und Freunde von Diabetiker_innen und man entwickelt lustige Eigenarten. Inspiriert wurde ich vom Interview mit Sabrina, der besten Freundin einer Diabetikerin, das auf blood-sugar-lounge veröffentlicht wurde.

Sowohl mein Kerl, als auch mein Dad sind Diabetiker. Zudem war mein Großvater auch Diabetiker und in meiner Familie ist der Typ 2 in meiner Familie sehr verbreitet. Deswegen war ich damals, als ich mit meinem Kerl zusammenkam, schon etwas versierter. In den Jahren unserer Beziehung wuchs mein Wissen über die Krankheit und auch meine Sichtweise auf den gesellschaftlichen Umgang. Ich bunkere beispielsweise Gummibärchen in den Minipackungen, trage immer Saftpäckchen mit mir rum und rechne Lebensmittel in BE um. Bei Über- bzw. Unterzuckerungen meines Dads zwinge ich ihn zu messen und da mein Kerl das besser drauf hat, entfällt es bei ihm. Herumliegende Teststreifen von Blutzuckermessgeräten sind etwas Normales und ich flippe schon lange nicht mehr aus, wenn ich mal wieder eine Lanzette finde. Ebenfalls amüsiert es mich, wenn ich Blutzuckermessgeräte bei Aldi oder DM sehe. Ich habe mir nun mal die Fragen von Lisa geschnappt und mir gedacht, ich beantworte sie…

Was hast du damals gedacht/Was wusstest du vorher über den Diabetes?

Mein Wissen war das einer Schülerin aus dem Bio-LK. Also etwas war vorhanden aber im Vergleich zu dem, was ich heute weiß, war es rudimentär. Für mich war es damals krass als mein Kerl beim ersten Date meinte: „Ja, ich bin Diabetiker“. Wir kannten uns ein Jahr von der Uni, aber er hatte es nie gesagt. Für mich war es normal, weil ich es von meinem Vater kannte, der es damals aber sehr schleifen ließ. Nur war mir der Unterschied zwischen Typ 1 und 2 nicht so bewusst.

Was hat der Diabetes für eine Rolle gespielt?

Keine in dem Sinn. Klar, man erlebt Hypos und Hyperglykämien anders. Anfangs ist es verstörend, man entwickelt eine gewisse Angst, da das Verhalten des Anderen in den Situationen mit dem üblichen Verhalten nicht zwingend übereinstimmen. Man wächst aber auch daran und irgendwann entwickelt man sein eigenes Handlungsrepertoire. Der Diabetes ist da und man hat ein anderes Gespür dafür, als am Anfang des Umgangs mit der Krankheit. Trotzdem ist es nichts, was einen hemmt oder einschränkt, man ändert sein Verhalten, dass man es nicht tut.

Wie geht es Dir, wenn jemand anderer sich komisch wegen des Diabetes verhält?

Es ärgert mich und zwar gewaltig. Jedem Lebensmittelintoleranten beispielsweise wird anders begegnet als einem normalen Menschen. So begegnen viele auch Diabetiker_n_innen. Fragen wie, ob der andere als Kind dick war, ob derjenige übergewichtig ist oder einfach Aussagen, dass der andere nichts Süßes essen darf, sind doof. Es geht um den Blutzucker und der andere stirbt nicht an etwas Zucker.

Vor allem die Blicke, wenn sich ein_e Diabetiker_in misst oder spritzt, nerven mich. Sie sind keine Junkies, es sind kranke Menschen. Außerdem finde ich es peinlich wenn Menschen sich Tipps von Heilpraktiker gegen Diabetes als etwas Ultimatives einreden.

Super finde ich hier Ilka von „Mein Diabetes Blog„, die sich sehr eloquent und oft mit einem Augenzwinkern mit dem Thema auseinandersetzt.

Was würdest Du Dir als Typ F’lerin wünschen?

Eine Interessenvertretung und eine Austauschpattform für Angehörige. Die Facebookgruppe ist schon super, allerdings würde ich mir mehr direkten Austausch wünschen, mehr Ansprechpartner_innen und auch eine versiertere Begleitung, sowohl fachlich als auch psychologisch, denn oft scheitern Beziehungen am seltsamen Verhalten im Unter- oder  Überzucker. Abschließend finde ich es aber auch wichtig, zu sagen: Wir sind nicht allein 😉

 

 

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