Im Wagen hinter mir…

… drängelt Perlanpaula

Ich hasse Abbiegespuren. Nicht, weil ich Angst habe, allerdings werde ich langsam, gelinde gesagt, ungehalten wenn ich abbiege und hinter mir ein Audi, BMW oder Daimler steht, eine frischgepuderte Perlenpaula am Steuer und auf der Gegenspur ein Rad-, Roller- oder Motorradfahrer. Ich blinke, der Radfahrer ist auf gleicher Höhe, das Auto dahinter noch nicht und Paulette hupt. Mittlerweile winke ich immer ganz freundlich und biege dann so ab, wie ich es in der Fahrschule gelernt habe. Dann winke ich wieder. Sie hassen mich.

Warum reagiere ich so. Nicht, weil mich diese Art Frau sowieso schon tierisch ankäst, nicht, weil sie und das Auto die Schwanzverlängerungen eines ganz wichtigen BWLers, Arztes, Juristen oder Ingenieurs sind und auch nicht, weil diese Trullas ihre überschweren SUVs nie, aber auch gar nie im Griff haben. Ich reagiere so, weil diese Ziegen andere in Gefahr bringen. Neulich parkte ein blondiertes Exemplar jener Damen aus, fuhr beinahe einen Markstand um und zickte dann die Verkäuferin an, was sie ihren Marktstand da hinstellen müsse. Abgesehen von diversen Kratzern an meinen Auto, die ich jenen Tanten zu verdanken habe, nerven sie mich nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch beim Einkaufen und in der freien Wildbahn.

Perlenpaulas sind grundsätzlich zwischen 25 und 40 – also genau in meiner Altersklasse, haben Abitur und irgendetwas mit BWL studiert. Ich hatte drei Jahre BWL in der Schule und wurde teilweise von Perlenpaulas unterrichtet – und ja, sie sind laufende Klischees. Meist haben sie ihre Kerle von der Uni, tragen gerne Polohemdchen, darüber Cardigans von irgendwelchen Kaschmir-Marken und dazu Röhrenjeans und Stiefel. Im Winter sind dann noch meist eine Steppjacke in modischen Farben wie braun und dunkelblau und wichtig: Perlenohrringe – ganz entscheidend. OK, teilweise habe ich ähnliche Klamotten im Schrank und Stiefel besitze ich auch. Mich stört daran allerdings folgendes: Diese Frauen waren schon immer die Prinzessinnen ihrer Väter und Mütter und wurden ihr ganzes Leben in Watte oder Luftpolsterfolie gepackt. Leider hat das oft zur Folge, dass sie einen ausgeprägten Drang dazu haben, die eigene Egostatearbeit als das Ultimo zu sehen. Genau jene Frauen sind es, die einen fragen, warum um Himmelswillen man Politikwissenschaft studiert hat oder sich über ein Buch über Moralphilosophie freut.

Blöderweise bringt dieser Narzissmus auch andere Menschen in blöde Lagen, sei es ihm Straßenverkehr oder auch im Leben an sich. Ey, egal, sind ja nicht sie. Es sind nie sie. Es sind immer die anderen und das macht sie so widerlich. Neulich im Supermarkt stand Perlenpaula mit ihrem Mann Dipl. Ing. und Töchterchen Mia-Sophie räumt Spielsachen aus dem Regal. Eine ganze Packung Playmobil wird aufgerissen und schön auf dem Boden verteilt, Paula zieht das Kind hoch und hinerlässt einen Saustall. Ich gebe zu, ich habe es dann provoziert, weil ich das Kind angelächelt habe und meinte: „Magst Du nicht aufräumen? Kuck mal, das mag jemand anderer kaufen und dann ist der traurig, wenn was fehlt.“ Die Mutter starrte mich entgeistert an und fragte mich, was mir einfiele. Das Ende von Lied war, ich hab die Packung mit Playmobil von den beiden aufräumen lassen und habe den Vater auch noch dazu verdonnert. Danach mussten sie die Packung kaufen und sie dem Tafelladen spenden. Die kleine Mia- Sophie bekommt ja nur Neuwertiges. Und ich mal wieder rein auf das eigene Ego ausgelegte Menschen, die das auch noch geil finden.

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2 thoughts on “Im Wagen hinter mir…

  1. Perlenpaulas sind einer der Gründe, warum ich richtig gerne an einer WRS bin. Da gibt es praktisch keine Perlenpaula-Mütter. Ich kriege sie nur heftigst von der Seite unseres Grundschulbereiches mit und bin regelmäßig froh, nichts mit ihnen zu tun zu haben.

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