Mehrfamilienhaus: Kehrwoche is war

Mein Lieblingsnachbar zieht um. Nein, nicht der eine, sondern der, den ich wirklich gut leiden kann. Er zieht aus und mit seiner Freundin zusammen. Das freut mich sehr, denn da haben sich zwei nette Menschen gefunden. Also standen heute ein ganzer Haufen seiner Sportkumpels vor der Tür und da Samstag ist, musste ich auch noch einkaufen. Ich wollte also mit meiner kleinen Rutschkutsche in die Tiefgarage, das Tor ging nicht auf und ich kurbelte und zirkelte zurück. Die Sportkumpels waren dann so lieb und haben mich eingewunken – immerhin bekam ich das Kompliment, dass ich für eine Frau super ausparken kann und das mit angebrochenem Schulterblatt. Das war mal wieder Balsam auf die Seele.

Gleichzeitig ärgerte ich mich ziemlich, denn die Stromzufuhr des Garagentors war abgeklemmt worden. Zunächst fragte ich die Jungs, die aber von nichts wussten, immerhin behinderte sie das auch ziemlich. Dann sah ich des Rätsels Lösung. Mein anderer Nachbar trug mal wieder seinen Besen spazieren. Ich glaube ja langsam, dass er eine starke Affinität für das Kehrgerät hegt. Langsam und bedächtig, fast meditativ schob er die Blätter auf einen Haufen und der Wind strich hindurch, dass es den Haufen wieder wunderschön in der Tiefgarageneinfart verteilte. Das war ein so episches Bild, dass die Sisyphosarbeit des herbstlichen Kehrens beschrieb. War er es doch, der sich immer im Herbst darüber beschwert, das Blätter seinen Weg des Lustwandels kreuzen. So kehrte er in meditativer Versunkenheit und der Wind strich. Blöderweise mussten meine Einkäufe in den Keller. Ich dachte mir nichts und ging Slalom um seine Häufen. Dann kam der Satz: „NIcht durch mein Gekehrtes.“ Als Mensch mit körperlicher Einschränkung läuft man doch gerne einmal etwas schlurfiger. Das tat ich dann auch und mitten durch einen der großen Haufen. Immerhin darf auch mit etwas Rache zustehen, denn jedes Mal wenn ich wische wandelt er durch mein Frischgewischtes. Daraufhin eskalierte der sonst so transzendentale Mensch zu einem tobenden und fluchenden Wesen.

Und was soll man sagen. Genau jetzt habe ich es einer Kiste Sprudel, einer Packung Kekse, Avocados, Paprika, Karotten, Gurken und einer Schachtel Gauloises zu verdanken, dass ich Judith Butler bewiesen habe und dass jeder Mensch auch Performanz durchbrechen kann. Damit habe ich ihre Theorie auch widerlegt. Und was sagt es mir: Sei immer authentisch, egal ob Du auf der Schüssel sitzt, Einkäufe rumträgst oder eine große, wichtige Präsentation hälst. Don’t perform – yay

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s