Jetzt grias Godd…

Ich bin ein Landei und komme aus Deutschlands evangelikalstem Gebiet ever. In meinem Nachbarort jumpen einem überall blaue Röcke entgegen, lustige christliche Pfadfindergruppen veranstalten witzige paramilitante Contests und irgendwann wird sich vermutlich vor dem Beate- Uhse- Laden jemand in die Luft sprengen als Zeichen gegen die Unzucht. Ich wohne in den heiligen Ecken des Piet Kong – dort, wo die Pietistische Befreiungsfront Südwestwürttembergs ihr Headquater bezogen hat.

Seit frühester Kindheit bin ich damit konfrontiert. Meine Oma spendete Geld, um seltsame Prediger zu unterstützen,meine Großtante, Herrin des pietistischen Büchertischs, schenkte mir witzige moralisierende Bücher und schon in der Kinderkirche lernte ich: Stelle dich NIE zwischen einen Spross einer pietistischen Großfamilie und einen Hefezopf.

Bereits in der ersten Klasse durfte ich theologische Grundsatzdiskussionen führen und ich hörte regelmäßig den Satz: Wenn net zu ons zu dr Pfadfender kommschd, kommschd in Höll. Irgendwie scheine ich einen fetten Ehrenplatz auf Luzifers VIP-Sofa zugesprochen bekommen zu haben, denn ich höre diese Drohung ständig: Weil mein Dad mal für die SPD kandidiert hat, weil ich es wagte mit 17 einen Freund zu haben und weil ich besser im Reliabi war, als alle anderen (vierzehn – badämz). Später im Studium bekam ich dann die letzte Weihe, weil ich nicht davon ausgehe, dass man Kinder zur Homosexualität erziehen kann, in der Bibel Beweise gefunden habe, dass Geiz scheiße ist, aber Sex (vor allem vor der Ehe) aber ok. Das Scheitern meines Refs sei darauf zurückzuführen, dass Kerl und ich ab und an die örtliche Sauna aufsuchen, denn Gott wolle mich strafen. Für was ich jetzt meine Skoliose bekommen habe (wahrscheinlich, weil ich bei einer pietistischen Schulkameradin mal den Blumenkohl aus dem Essen gepuhlt habe), keine Milch vertrage (wahrscheinlich, weil ich immer mit „Heilandsmarie“ fluche) und Mirgräne habe (vielleicht wegen diverser Gedankengänge) – wurde mir noch nicht offenbart. Ich tippe aber, es liegt an diversen Sünden, die ich so im Alltag begehe.

Wobei eigentlich bin ich ja schon tugendhaft: Ich grüße alle Omas in meinem Ort mit einem freundlichen „Grüß Gott“ (ausgesprochen: Chris à Wie der Vorname und dann Godd), gehe mindestens ein Mal im halben Jahr in die Kirche, kann Vaterunser, Gegrüßet seist Du Maria, das Glaubensbekenntnis (in evangelisch und katholisch) und noch so ein paar Kirchenlieder auswendig, kann mich bekreuzigen und habe meinen „Fick dich“-Gebrauch erheblich zurückgefahren. Eigentlich bin ich voll vorbildlich. Nur irgendwie scheine ich auch das Vorbildliche Feindbild zu sein.

In meiner Kindheit versuchte mich immer ein junger Mann zur örtlichen Hardcorepfadfindergruppe zu bewegen. Mein Dad erklärte mir, warum er dagegen war, ich kapierte es – Keks gegessen. Auf dem Schullandheimausflug ins schwäbische Hinterland musste ich mir dann anhören, ich käme deswegen nicht in den Himmel. Heute denke ich mir, wenn der Himmel voll von Vögeln wie Euch wäre, dann spacke ich lieber in der Hölle ab: Gemeinsam mit Papst Franziskus, Hans Küng, meiner gesamten coolen Verwandtschaft und vielen anderen mir durchaus sympathischeren Menschen. Und irgendwann wird Gott anklopfen und fragen, ob er mitmachen darf, denn die alle würden sich so aufführen, als wöllten sie seinen Job!

Unicorn

Advertisements

4 thoughts on “Jetzt grias Godd…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s