Prinzesslichkeit

Ich liebe diesen Satz, wenn er aus dem Mundwerk einer Drei- bis Achtjährigen kommt und sich auf das Tragen rosa Kleidungsstücke bezieht. Der Traum ist wohl so alt, wie es die Monarchie gibt (naja eher die absolutistische): Man hat als Frau einen Kleiderschrank in dem man sich locker verlaufen kann und der bis oben hin angefüllt mit Juwelen, Kleidern, Schuhen und Zeug ist. Man hat Sonderrechte, muss sich nur um das eigene Amüsement kümmern und ab und an einem Stammhalter auf diese Welt verhelfen, wohlwissend, nicht einmal ansatzweise Verantwortung für dieses Kind übernehmen zu müssen.

Ja ich finde diese Vorstellung auch toll. Vor allem ließen sich da nervige Menschen prima verhungern lassen. Irgendwann dann kommt ein geschlechtsreifer Prinz auf seinem Pferd angezottelt, ist von der eigenen Schönheit so verzückt und ehelicht einen postwendend… Danach gibt es nur glücklich und debil strahlende Herrscherinnentage und ja kein schmutzigen Dinge, wie Dreckwäsche. Das wäre das Idealbild, dem leider auch noch Frauen ü 20 verfallen sind.

Spätestens aber wenn Prinzessin Di oder eine der anderen Hochadelsschicksen von einem bewusst wahrgenommen werden, fragt man sich, ob das alles nicht vielmehr ein Aufsitzen auf einer Illusion ist. Das im Ballkleid durch ein Schloss wandeln, is nich, genauso wenig wie das Schnellehelichen. Und dank der Erfindung gibt es leider auch nicht mehr die Möglichkeit Menschen durch die Gegend zu kommanideren – wenn man mal diverse Jobs wie Bundeswehroffizier oder Kindergärtnerin ausklammert.

Auch das Finden eines passenden Männchens gestaltet sich als schwieriger als gedacht, oder welcher Mann setzt sich heute noch freiwillig in Strumpfhosen auf einen Gaul. Zu dem sieht das, wenn ich es mir recht überlege ziemlich affig aus…

Trotzdem wünschen sich viele Frauen eine Märchenhochzeit à la Sissi. Alleine das Tragen einer meterlangen Schleppe verzückt auch mein Herz mit Prinzessinengefühlen, ebenso die Vorstellung behängt wie ein Pfingstochse mehrere Stunden Hochzeitszeremonie über mich ergehen zu lassen. Im Hintergrund dröhnt die 47- registrige Orgel der Augustinerkirche in der Hofburg und ich muss vor mehreren Hundert Gästen und rund 70 Bischöfen aus den Bistümern von Tirol bis Galizien, von der Vojvodna bis Schlesien. Natürlich macht es Spaß wie ein Kampfpanzer meine Dronen in Form von Hofdamen um mich herumzunavigieren, in ständiger Sorge nichts falschzumachen.

Ich stelle mir das als riesigen Spaß vor. Wenn ich dann noch erblich vorbelastet, bulimisch und lyrisch völlig besessen wäre, dann wäre ich die ideale Märchenkaiserin für alle keinen Mädchen. Sissi ist eine historisierende und romatisierende Fiktion der 1950er Jahre und wenn ihr noch immer glaubt, Eure Hochzeiten müssten so aussehen, dann mach das. Nur muss ich mir dieses Gedönz nicht geben. Lasst Tauben steigen. aber wundert Euch nicht, wenn sie Euch aufs Kleid scheißen, ladet drölfzig wichtige Menschen ein und greift Geschenke ab, aber seid dann nicht beleidigt, wenn sich am Ende alle in der Wolle haben.

Prinzessin mit über 20 sein zu wollen, erinnert mich immer etwas an die Frauen, die in diesem Alter Hello Kittie und die Minios lieben, weil sie ja so süß, fluffig, flauschig und sonstwas sind. Doch liegt dem nicht auch der Wunsch danach zugrunde, gar nicht erwachsen werden zu wollen und sich lieber Illussionen und dem Willen nach Sicherheit, Geborgenheit und Nestwärme hingeben zu können? Unser Leben ist nicht wie das unserer Großmütter. Wir haben heute als Frauen, viele und andere Möglichkeiten, wir haben aber auch andere Aufgaben, die uns manchmal an unsere Grenzen bringen. Es reicht nicht mehr, wenn nur ein Elternteil voll arbeitet. Es wird immer schwerer, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, da der Fortschritt auf dem Arbeitsmark immer schneller und massiver wird. Gleichzeitig seht man sich nach mehr Ruhe, Sicherheit und Langsamkeit, dem Gedanken aufsitzend, dass dies aber in der Form besser wäre. Genau hier geht man dann der Illusion auf den Leim, diese Zeit wäre ruhiger, friedlicher und stiller gewesen.

Und irgendwie steckt es doch in vielen Frauen, dass sie gerne einmal Prinzessin wären, gerne das lange Tüllkleid tragen würden und mit dem Traumprinzen bis ans Ende dieser Welt glücklich sein. Doch genau das bekommt man nie – egal wie viel Strass und Tüll und Chichi. Und am Ende sollte man auch wissen, auch Sissy hatte Eheprobleme und Schicksalsschläge zu verkraften. Warum sonst verbrachte sie so viel Zeit fernab Wiens auf Korfu?

Romy Schneider und Karlheinz Boehm in dem Ernst-Marischka-Farbfilm
Romy Schneider und Karlheinz Boehm in dem Ernst-Marischka-Farbfilm „Sissi, die junge Kaiserin“
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