Kopierspaß?

Gerade ist Ursula von der Leyhen in den Schlagzeilen, da sie mehrere Teile ihrer Dissertation wohl vollständig abgeschrieben haben soll. Ich besuchte daraufhin die Page von Vroniplag, einer Gruppe Wissenschaftler_innen, die sich mit dem Finden von Plagiaten in Dissertationen beschäftigen und diese veröffentlichen. Mittels eines Barcodes wird dann gezeigt, wie viel in einer Arbeit aus Fremdtext besteht. Je nach Anteil sind diese unterschiedlich eingefärbt.

Momentan sitze ich an meiner Thesis. Viele Stunden schreibe ich schon, fasse zusammen, markiere Quellen und formuliere um, das alles mit einem blöden Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben. Bei Frau von der Leyen besteht, ähnlich wie bei Frau Schawan und Herrn zu Guttenberg ein anderes, wesentlich größeres Interesse. Trotzdem finde ich es richtig und wichtig, dass man wissenschaftliche Arbeiten einer gewissen Prüfung unterzieht, ob nicht abgeschrieben wurde und damit die Leistung, die erforderlich zum Bestehen ist, besteht.

Doch wem nutzt das? Allein die Welt der Wissenschaft ist so groß und umfassend, dass man sicherlich die Erkenntnisse eines anderen für sich nutzen kann. Das ist legitim, wenn man klar macht, dass es nicht die eignen Gedanken und Ideen sind. Viele Studierenden scheitern hier schon, wenn es darum geht, Zitate kenntlich zu machen. Allerdings gibt es hierfür an jeder Uni einen Kurs bzw. Dozent_innen, die einem da auch weiterhelfen können. Anders ist es, wenn Studierende Plagiate verfassen, die sie, wissentlich und meist aus Zeitmangel dafür nutzen, sich Arbeit zu ersparen.

Ich selbst kenne die Situation, in der man manchmal versucht ist, selbst zu klauen. Man muss mehrere Arbeiten erstellen, die bis zu einem Zeitpunkt fertig sein müssen und die Zeit läuft einem davon. Aber ich kenne auch den Moment, in dem man etwas sucht und dann entdeckt, dass irgendjemand das Eigene als seines ausgibt. Mir ging es vor ca eineinhalb Jahren so, dass ich in einem öffentlichen Netzwerk meine Buchbesprechungen, die ich für meinen Abschluss brauchte, fand. Schön umettikettiert und sogar – und das war das eigentlich Peinliche daran – mit einem Vertippern.

Da stand also meine monatelange Arbeit unter falschem Namen anderen zugänglich gemacht. Ich habe alles Verständnis für Studierende, die plagiieren. Allerdings verstehe ich Doktorand_innen nicht, denn die Forschungsergebnisse anderer abzuschreiben und sie umzuwidmen muss doch auffallen?

Ich würde gerne Frau von der Leyen sagen, dass mich solche Fälle wie ihrer ärgern. Sobald man nämlich momentan jemandem sagt, dass man seine Abschlussarbeit schreibt, muss man sich bestimmte Kommentare immer wieder anhören. Man würde sowieso nur plagiieren und wofür brauche man denn eine Masterthesis, die sowieso nur abgeschrieben sei. Denn Student_innen sind ja sowieso nur faul und würden nichts arbeiten. Dabei verschließen sie die Augen vor „der Realität“ und bla bla bla. Ich frage mich immer in solchen Fällen, ob ich noch etwas sagen soll. Ich entscheide mich meist dagegen, denn es ist sowieso sinnlos, jemandem, der nicht einmal weiß, was APA ist, klarzumachen, warum man ZItationen so durchführen sollte und nicht anders. Mich frustriert es langsam, dass man, wenn man eine mehrseitige Arbeit schreibt, als Plagiator_in und potenzielle_r Betrüger_in dargestellt wird.

Nicht jeder, der eine höhergraduierte Qualifikationsarbeit schreibt, schreibt ab, denn dann wäre ja das Wissen und das Material völlig begrenzt. Man muss sich beispielsweise eine Forschungsfrage aussuchen, die noch nicht oder wenig bearbeitet wurde. Da sich einzelne Themen aus den Perspektiven vieler verschiedener Bereich einer wissenschaftlichen Disziplin betrachten lassen, sollte man sich darüber im Klaren sein, wie man mit diesen innerhalb von Abschlussarbeiten umgeht. Natürlich sind Dissertationen noch stärker an Aktualität und Innovation gebunden, als es Bachelor- oder Masterarbeiten sind, trotzdem sollte man die eigene Forschungsfrage gut kennen und sie auch mit denen anderer Arbeiten abgleichen und untersuchen.

Ebenso sollte klar sein, dass eine solche Arbeit von drei Monaten bis hin zu mehreren Jahren dauert und diese Zeit etwas ist, das genutzt werden muss, da man sich einerseits in die Forschungslage einlesen muss, Quellen suchen, hinzuziehen, verwerfen und dann wieder reaktivieren und hinterfragen muss. So etwas braucht Zeit, die man in hektischen Momenten des Alltags weniger hat, da man ja auch arbeiten gehen muss, als in der Position eine_r_s Bachelorstudent_in, die das Erststudium noch unterstützt bekommen.

Ich finde hier vor allem Verständnis wichtig, denn dieser Prozess verlangt viel von einem ab, aber auch von Familie und Freunden, wenn Professoren vergessen, Fragebögen zu lesen oder Abwesenheitsnotizen zu setzen.

Liebe Öffentlichkeit, sei gnädig mit Deinen Studierenden – vor allem mit denjenigen, die selbst forschen, eigene Erkenntnisse formulieren und sich Mühe geben, alles zu finden und anzugeben… und liebe Masterand_innen, Bachelorkandidat_innen und Zulaformulierer_innen, liebe Doktorand_innen, liebe Habilitant_innen. Wir schaffen das, irgendwie… und wenn es ganz scheiße ist, hilft noch meditieren.

Yoga

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